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Wo Corona-Zahlen explodieren: Was ist los in Deutschlands Hotspots?

11:40
05.11.2021
Petra Köpping geht es wie allen anderen. «Ich habe echt die Nase voll mit Corona», sagte Sachsens Gesundheitsministerin diese Woche. «Aber das interessiert das Virus nicht.» Die Pandemie wütet wieder mit voller Wucht. In ganz Deutschland explodieren die Fallzahlen, doch nirgends so wie in Sachsen, Thüringen und Bayern. «Das sind die drei Hotspots, die wir in Deutschland haben», weiß auch Köpping.

Die Deutschlandkarte des Robert Koch-Instituts zeigt vor allem den Südosten dunkelrot. Bundesweit gab es am Freitag den traurigen Rekord von 37 120 gemeldeten Neuinfektionen. Die Sieben-Tages-Inzidenz erreichte 169,9 - das sind die Corona-Ansteckungen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. In Thüringen aber lag sie mit 386,9 mehr als doppelt so hoch. Sachsen war fast gleich auf mit 385,7, danach Bayern mit 256,8. In etlichen Landkreisen der drei Länder liegt der Wert über 500, im oberbayrischen Landkreis Miesbach sogar über 700.

Die drei Länder wollen mit verschärften Regeln das Ruder herumreißen - vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was bundesweit kommt. Die Gesundheitsminister der Länder versuchten am Freitag, sich bei einer Konferenz am Bodensee abzustimmen. Von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer kam ein dringender Appell. «Wenn wir uns jetzt zu viel Zeit lassen, endet das wie im vergangenen Jahr in einem Lockdown», sagte der CDU-Politiker am Freitag im Deutschlandfunk.

Über die Gründe für die dramatische Welle in seinem Land wollte Kretschmer nicht mehr so viel reden. Aber für Experten sind die Zusammenhänge eindeutig. «Das korreliert ganz eindeutig mit dem Impfniveau», sagt der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz, der vor allem die Lage in Sachsen analysiert.

Das Bundesland ist beim Impfen Schlusslicht: 57 Prozent der Bevölkerung waren Stand Freitag voll geimpft, im Vergleich zu 67 Prozent bundesweit. Thüringen lag mit 60,9 Prozent ebenfalls unterm Schnitt, ebenso wie Bayern mit 64,9 Prozent. Scholz kann den Zusammenhang bis ins Regionale herunterbrechen. In Sachsen gebe es Nachbarkreise, die strukturell ähnlich seien und sich nur durch die Impfquote unterschieden, sagt der Fachmann: Niedrige Impfquote bedeute höhere Infektionsraten.

Aber das kann nicht die einzige Erklärung sein, denn auch Brandenburg hat eine schwache Impfrate von 60,9 Prozent, aber längst nicht so hohe Inzidenzen. Bei früheren Corona-Wellen wurde vermutet, dass der hohe Altersdurchschnitt in Sachsen und Thüringen eine Rolle spielen könnte. Die ländlichen Strukturen wurden angeführt, die engeren Familienbande, die gesellige Vereinskultur. Auch der Grenzverkehr zu Tschechien und Österreich könnte eine Rolle spielen, denn in den Nachbarländern ist die Corona-Lage noch schlimmer als in Deutschland. Thüringen aber liegt nicht an der Grenze.

Das Erfurter Gesundheitsministerium sieht neben der niedrigen Impfquote vor allem zwei Gründe für die hohen Zahlen: die Häufung von Corona-Fällen in Kindergärten und Schulen und das späte Ende der Sommerferien. Neben Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg gehörte Thüringen zu den Bundesländern mit dem spätesten Ferienende. Die Inzidenzen bei den 6- bis 17-Jährigen lagen dort nach Angaben des Ministeriums in den letzten Wochen über 600. Drei Effekte könnten zusammenspielen: die späte Reiserückkehr, der Beginn der kalten Jahreszeit und der engere Kontakt in Innenräumen.

In Bayern ist vor allem das Grenzgebiet zu Österreich hart getroffen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte diese Woche, es gebe nicht nur ein bundesweites, sondern auch ein bayernweites Nord-Süd-Gefälle bei den Impfquoten. Allerdings: In Landkreisen mit besonders hohen Inzidenzen liegt die Impfquote teils über dem bayerischen Schnitt.

Rätselhaft bleibt oft auch für die Behörden, wo sich so viele Menschen mit Corona anstecken. «Das Infektionsgeschehen ist diffus», heißt es schlicht aus dem Landratsamt im Hotspot Miesbach. Kontrollieren könne man das nicht mehr, die Zahlen stiegen exponentiell. Kontakte würden nicht mehr nachverfolgt, auch Quarantäne-Anordnungen nicht mehr überprüft.

Nachdem schon mehrere Kommunen in Südostbayern die Corona-Regeln regional verschärft hatten, zog die Staatsregierung am Mittwoch nach: Für Hotspots mit einer Inzidenz von mehr als 300 und einer Auslastung der Intensivstationen von 80 Prozent gelten ab dem Wochenende die schärfsten Regeln der Corona-Ampel im Freistaat. Vieles ist dann nur für Geimpfte und Genesene zugänglich. Ausgenommen sind aber Gastronomie und körpernahe Dienstleister wie Friseure, wo auch ein negativer PCR-Test reicht, sowie öffentlicher Nahverkehr und Handel. Bayernweit müssen Schüler nach den Herbstferien wieder Masken tragen.

Sachsen und Thüringen versuchen ebenfalls, die Zügel zu straffen. Die thüringische Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) setzt auf Einschränkungen für Ungeimpfte, zumal sich auch die Lage in den Kliniken des Landes zuspitzt. In Pflegeheimen will sie die Testpflicht für Beschäftigte ausweiten. Bei den Kommunen pocht sie auf Umsetzung der Regeln in Warnstufe drei. Demnach dürfen nur noch Geimpfte, Genesene oder PCR-Getestete in Gaststätten.

Sachsen will ab Montag sogar durchgängig 2G: In Restaurants oder Veranstaltungen im Inneren dürfen dann nur noch Geimpfte und Genesene, ein Test reicht nicht. Das sei nicht unzumutbar, sagte Ministerpräsident Kretschmer in dem Radiointerview - vor allem im Vergleich zur kompletten Schließung von Geschäften und Restaurants.

Aber bringt 2G die Wende? Epidemiologe Scholz warnt, dass auch Geimpfte sich nicht zu sicher fühlen sollten. Der Impfschutz nehme nach sechs Monaten deutlich ab, am schnellsten bei älteren Menschen. «Die geimpften Risikogruppen sind jetzt wieder gefährdet, da muss man aufpassen», sagt der Leipziger Wissenschaftler.

Deshalb bräuchten Menschen über 70 Jahre jetzt dringend einen «Booster», und auch für alle anderen sei eine solche Auffrischung sinnvoll. «Ich verstehe nicht so ganz, dass man da so lange zögert», sagt Scholz. «Das ist jetzt wirklich höchste Eisenbahn.»

(dpa)

Ämter sind raus - Infizierte müssen Kontakte selbst informieren

10:52
05.11.2021
Angesichts der sprunghaft steigenden Zahl von Corona-Fällen in Baden-Württemberg rufen Gesundheitsämter die meisten infizierten Menschen und deren Kontaktpersonen künftig nicht mehr direkt an. Das müsse ein Erkrankter selbst übernehmen, kündigte das Gesundheitsministerium am Freitag an. Das sogenannte «individuelle Fallmanagement» werde im ganzen Südwesten eingestellt, um die Ämter zu entlasten. Vielen Behörden seit es nicht mehr möglich gewesen, zeitnah Kontakte von Betroffenen - zum Beispiel aus dem Restaurant, dem Kino oder von Geburtstagsfeiern - zu informieren. Mehrere Medien hatten zuvor bereits über den Strategiewechsel berichtet.

Gesundheitsämter sollen sich daher stärker auf den Schutz von Risikogruppen zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern, Kitas und Schulen sowie auf das Management von größeren Ausbrüchen konzentrieren, teilte das Ministerium weiter mit. «Oberstes Ziel ist es, Ausbruchsgeschehen einzudämmen und den Schutz vulnerabler Personengruppen sicherzustellen», sagte der Amtschef des Sozialministeriums, Uwe Lahl. Er betonte allerdings, die Quarantäne sei für Ungeimpfte nach wie vor vorgeschrieben. Da positive Fälle an die Gesundheitsämter vermeldet würden, wüssten die Behörden Bescheid.

Den Strategiewechsel hatte das Ministerium bereits im Sommer angekündigt und nun in einer Konferenz mit den örtlichen Gesundheitsämtern abgestimmt.

«Die Nachverfolgung bindet sehr viel Zeit und Personal und verliert, je später sie erfolgt, zunehmend ihre Wirksamkeit im Kampf gegen die Pandemie», sagte Brigitte Joggerst, die Chefin des Gesundheitsamtes beim Landratsamt Enzkreis. Sie appellierte «dringend an die Eigenverantwortlichkeit der Betroffenen», sich nach einem positiven Test auch zurückzuziehen. Wer geimpft oder genesen ist, muss in aller Regel - auch wenn er oder sie Kontaktperson ist - nicht in Quarantäne.

(dpa)

Nach Corona-Alarm bei Sandhausen - St. Pauli wartet

10:52
05.11.2021
Der FC St. Pauli wartet auf die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga (DFL) zum Umgang mit dem Spiel gegen den SV Sandhausen am Sonntag. Die Baden-Württemberger hattenn am Donnerstag 18 positive Coronafälle in der Mannschaft und im Betreuerstab gemeldet. «Für uns ändert sich nichts, wir werden ganz normal trainieren und unsere Abläufe einhalten. Wir würden unser Programm bei einer Absage anpassen. Bis dahin haben wir volle Konzentration auf Sandhausen», sagte St. Pauli-Trainer Timo Schultz am Freitag. «Es ist aber kein Geheimnis, dass wir gerne spielen würden.» Seit Team ist seit sechs Partien unbesiegt. «Aber wir nehmen die Situation an, wie sie ist.» Der Tabellenführer möchte mit seinem neunten Saisonsieg die Spitzenposition behaupten.

(dpa)

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