Mehr Auffrischungsimpfungen gefordert
Rund 2,4 Millionen Menschen haben bisher eine solche «Booster»-Impfung erhalten. Bei den Gesundheitsministern herrscht Einigkeit über deren Sinn sechs Monate nach der Zweitimpfung. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, verspricht sich ebenfalls viel davon. «Die Menschen bekommen sozusagen eine Art Superschutz und können das Coronavirus kaum noch weitergeben», sagte er der «Augsburger Allgemeinen» (Freitag). «Wenn das Virus auf so jemanden trifft, dann ist für den Erreger Endstation und die Verbreitung wird unterbunden», fügte der Immunologe hinzu.
«Die geimpften Risikogruppen sind jetzt wieder gefährdet, da muss man aufpassen», gab der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz zu bedenken. Deshalb bräuchten Menschen über 70 Jahre jetzt dringend einen «Booster», und auch für alle anderen sei eine solche Auffrischung sinnvoll, sagte Schol der Deutschen Presse-Agentur «Das ist jetzt wirklich höchste Eisenbahn», mahnte der Professor am Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie der Universität Leipzig.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der
SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, sagte der «Passauer Neuen Presse» (Freitag): «Wer eine Booster-Impfung sechs Monate nach der Zweitimpfung will, der sollte sie bekommen.» Dittmar, von Beruf Ärztin, rief ihre Berufskollegen zum Impfen auf. «Da verstehe ich manche meiner Ärztekollegen nicht, wenn sie nicht impfen», sagte Dittmar. Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag), die Krankenkassen mit ins Boot zu holen, um Versicherte für Drittimpfungen anzuschreiben.
KBV-Chef Gassen sieht die Booster-Impfungen nicht als großes Problem. Die Drittimpfungen werde man hinbekommen. Es bleibe aber die große Gruppe Ungeimpfter. Diese Menschen würden sich bis zum Frühjahr mehr oder weniger alle infizieren. «Das bleibt ein Riesenproblem», meinte Gassen.
Droht ein neuer Lockdown?
Wohl kaum. Spahn betonte im TV-Sender RTL, der entscheidende Unterschied zu 2020 sei, dass man jetzt das Instrument des Impfens habe. Es sei auch wieder «ziemlich viel Alltag möglich». «Wichtig ist nur, dass dies ein Alltag mit Vorsicht ist und auch bleibt», mahnte Spahn. Mit 3G-Regeln für Geimpfte, Genesene und Getestete oder 2G-Regeln nur für Geimpfte und Genesene in Regionen mit hohen Infektionen.
Spahn hatte allerdings bereits gründlichere Kontrollen von Zugangsregeln insbesondere in der Gastronomie angemahnt. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband reagierte mit einer Mahnung an die Betriebe, Vorgaben konsequent umzusetzen. «Ohne Wenn und Aber: Die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen sind von allen Betrieben einzuhalten. Dazu gehört insbesondere die konsequente Zugangskontrolle», sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Ingrid Hartges, der Deutschen Presse-Agentur.
Hilfe für Krankenhäuser
Auf der Agenda der Gesundheitsministerkonferenz steht auch die finanzielle Unterstützung von Krankenhäusern. Sollten Kliniken zur Versorgung von Corona-Patienten wieder Eingriffe verschieben müssen, sei «eine gezielte finanzielle Ausgleichsregelung» nötig, hieß es in einem Beschlussentwurf mehrerer Länder für die Konferenz, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das Bundesgesundheitsministerium solle deshalb Ausgleichszahlungen aus dem Gesundheitsfonds ermöglichen. Zunächst hatte der «Business Insider» darüber berichtet.