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Herzstiftung: Gerade Herzpatienten sollten sich impfen lassen

05:12
05.11.2021
Obwohl sie ein besonders hohes Risiko tragen, lassen sich nach Beobachtung von Kardiologen zu viele Herz-Kreislauf-Patienten nicht gegen Corona impfen. Die Deutsche Herzstiftung appelliert eindringlich an diese Menschen, sich zu schützen. Besonderes Augenmerk liegt auf der sehr großen Gruppe der Menschen mit Bluthochdruck.

«Man muss die Menschen mit Fakten überzeugen», sagte der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Voigtländer, der Deutschen Presse-Agentur. Der Kardiologe ist Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhauses in Frankfurt am Main. «Gegen Falschinformationen hilft nur fundierte Aufklärung und Argumentation», glaubt Voigtländer.

Herz-Kreislauf-Patienten haben laut Herzstiftung ein zwei bis dreifach höheres Risiko, an Covid-19 zu sterben. Ebenfalls zwei bis dreifach erhöht ist das Risiko für einen schweren Verlauf. Dem gegenüber stehen Berichte über Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkung einer Impfung. «Das führt dazu, dass sich Menschen Gedanken machen», stellt Voigtländer fest.

«Myokarditis ist eine relevante Nebenwirkung», sagte Voigtländer, das dürfe man nicht verschweigen. «Aber man muss das in den Kontext stellen.» Das Risiko, eine solche Krankheit zu bekommen, sei viel größer, wenn man sich mit Sars-CoV-2 ansteckt, als wenn man sich dagegen impfen lässt. «Das Auftreten einer Myokarditis im Rahmen einer Covid-Infektion liegt bei 11 pro 100 000. Im Rahmen einer Impfung beträgt das Risiko 1 bis 3 pro 100 000», sagte er mit Verweis auf eine Studie aus Israel mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

In seiner Praxis höre er Vorbehalte gegen die Impfung auch von Patienten, «die eigentlich recht reflektiert sind», berichtete der Kardiologe. Ein Paar, deren Kinder Ärzte und Impfgegner seien, habe sich heimlich impfen lassen. «Insofern ist das Thema ein Spiegelbild des Seelenzustands in Deutschland.»

Die Herzstiftung als Patientenorganisation betont ebenso wie der Kardiologe Voigtländer, dass eine Herzmuskelentzündung «nahezu immer unproblematisch in kurzer Zeit ausheilt». Die Angst mancher Menschen, dass die Impfung «aufs Herz geht», sei übertrieben: Jede Impfung belaste den Körper und damit auch die Organe, «weil sie eine Infektion nachspielt», erklärte Voigtländer. Wer sich nicht gegen Krankheiten wie Covid-19 impfen lasse, gehe aber ein weit höheres Risiko ein.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Menschen mit erhöhtem Blutdruck: In ihren «Herzwochen» (01. bis 30. November) will die Stiftung vor allem über die Gefahren für Bluthochdruck-Patienten und die Risikovorsorge informieren. Die Kampagne steht unter dem Motto «Herz unter Druck». Bluthochdruck werde häufig nicht als Krankheit und Risikofaktor wahrgenommen, sagte Voigtländer. Betroffen sei aber eine sehr große Gruppe: fast jeder Zweite über 60-Jährige habe einen zu hohen Blutdruck.

Die Herzstiftung verweist auf eine Studie der Tufts University in den USA, in der mehr als 900 000 Klinikbehandlungen mit Covid-19 ausgewertet wurden: 26,2 Prozent der schweren Verläufe standen demnach im Zusammenhang mit Bluthochdruck. Vergrößert werde das Risiko für einen schweren Covid-Verlauf unter anderem dadurch, dass mit Bluthochdruck andere Risikofaktoren einhergehen wie etwa Übergewicht.

(dpa)

RKI registriert 37 120 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz bei 169,9

05:12
05.11.2021
Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der aktuellen Infektionswelle hat den Höchststand der dritten Corona-Welle im Frühjahr übertroffen. Am 26. April hatte sie bei 169,3 gelegen, für Donnerstag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) eine Inzidenz von 169,9. Den Höchstwert der Inzidenz in der gesamten Pandemie gab es in der zweiten Welle am 22.12.2020 mit 197,6.

Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 154,5 gelegen, vor einer Woche bei 139,2. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages den neuen Höchststand von 37 120 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 03.50 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte die Zahl der Neuinfektionen bereits den Rekordwert von 33 949 erreicht – so viele wie nie zuvor in der Pandemie. Es war zunächst jedoch nicht klar, inwiefern Nachmeldungen wegen des Feiertags Allerheiligen bei der Entwicklung eine Rolle gespielt hatten. Vor einer Woche hatte der Wert bei 24 668 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 154 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 121 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4 709 488 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI am Donnerstag 3,73 (Mittwoch: 3,62). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4 342 600 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 96 346.

(dpa)

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