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Lucha fordert schnelle Entscheidung bei Kinderimpfungen

07:49
26.11.2021
Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hat die Ständige Impfkommission (Stiko) zu einer schnellen Entscheidung über eine Empfehlung des Kinderimpfstoffs von Biontech und Pfizer aufgefordert. «Die Stiko sollte nicht bis zum 20. Dezember mit einer Entscheidung warten», sagte Lucha dem Handelsblatt (Freitag). Ab diesem Tag stehen Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium 2,4 Millionen Impfdosen des von der EMA am Donnerstag zugelassenen Mittels zur Verfügung.

«Die Daten, auf die die Stiko zurückgreift, sind da – darauf haben auch die Experten in den USA und in Israel zurückgegriffen», sagte der Grünen-Politiker weiter. Er denke deshalb, dass die Stiko-Entscheidung zeitnah fallen sollte. «Wir müssen jetzt die deutliche Botschaft senden, dass die Kinderimpfung einen wirksamen Schutz bringt. Darauf werden wir unsere Kampagne aufbauen.»

Von der EMA-Zulassung erhofft sich Lucha einen deutlichen Fortschritt in der Impfkampagne. «Ich erwarte einen zusätzlichen Impf-Ruck in der Gesellschaft, weil wir nun auch Kindern deutlich mehr Schutz und Sicherheit durch eine Impfung bieten können.» Er wolle mit der Kinderimpfung auch nicht bis Neujahr warten, sondern sofort loslegen, wenn der Impfstoff da sei. Das Bundesland binde dafür Kinder- und Jugendärzte ein, außerdem greife es auf die bestehenden Strukturen aus Impfteams, Impfstützpunkten und Hausärzten zurück.

(dpa)

Luftwaffe startet am Nachmittag mit Corona-Hilfsflügen

07:35
26.11.2021
Die Luftwaffe wird sich von Freitagnachmittag an mit einem Spezialflugzeug an der Verlegung von Intensivpatienten in der Corona-Pandemie beteiligen. Ein Airbus A310 MedEvac sollte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um 14.00 Uhr auf dem bayerischen Flughafen Memmingen landen und Schwerkranke nach Münster-Osnabrück in Nordrhein-Westfalen fliegen. Die Ankunft der Maschine wurde für den frühen Abend geplant.

Schnelle Transportkapazitäten mit Flugzeugen sollen eingesetzt werden, um Intensivpatienten bei einer regionalen Überlastung von Krankenhäusern in Regionen mit freien Kapazitäten fliegen zu können.

Die Luftwaffe hält zwei Flugzeuge für den Hilfseinsatz bereit. Dazu gehört der Airbus A310 MedEvac, eine «fliegende Intensivstation» mit sechs dieser Behandlungsplätze, sowie eine umgerüstete Spezialmaschine, das Überwachungsflugzeug A319OH («offener Himmel»). In dieses waren zwei Plätze zur Intensivbehandlung eingebaut worden. In Wunstorf (Niedersachsen) ist zudem ein A400M MedEvac stationiert.

Im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems sollen Covid-19-Patienten auch bundesweit verteilt werden können, wenn in einzelnen Regionen der Kollaps von Krankenhäusern droht. Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist laut eines Kriterienkatalogs der Intensivmedizinervereinigung Divi nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden.

(dpa)

Krippenspiele auch für Ungeimpfte? Kirchen ringen um Corona-Regeln

07:13
26.11.2021
Einen Weihnachtsgottesdienst nur mit Geimpften und Genesenen hätte sich Michael Schindler eigentlich vorstellen können. «Die Kirchengemeinderäte sind da aber eher zurückhaltend», sagt der Pastoralreferent der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Ravensburg. «Wir müssten dann natürlich auch Ordner finden, die die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Und wer will sich an Heiligabend in solche Konflikte begeben?»

Fragen wie diese stellen sich derzeit viele Kirchengemeinden in Baden-Württemberg. Denn die Corona-Infektionszahlen im Land steigen weiter und die Lage in den Kliniken ist dramatisch. Gleichzeitig sind viele Gottesdienste in der Advents- und Weihnachtszeit normalerweise deutlich besser besucht als sonst. «Viele fragen sich aber: Will ich jetzt überhaupt mit Hunderten von Menschen in einer Kirche sein?», sagt Pastoralreferent Schindler. Abgesehen von einem Mindestabstand von eineinhalb Metern macht das Land kaum Vorgaben zu Gottesdiensten. Viele Kirchen haben die Regeln darüber hinaus aber verschärft.

In extremen Hotspots in Württemberg dürfen bald nur noch Geimpfte und Genesene Präsenzgottesdienste in evangelischen Kirchen besuchen. Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mindestens 800 fänden dort regelmäßig keine Gottesdienste mehr statt, teilte die Evangelische Landeskirche in Württemberg mit. Als Ausnahmen erlaubt bleiben 2G-Gottesdienste mit einem Viertel der zulässigen Besucherzahl, Gottesdienste zur Übertragung in Internet, Radio und Fernsehen sowie im Freien.

Diese Regelung sei ab dem zweiten Adventssonntag gültig, solange auf Landesebene die Alarmstufe II gelte, teilte die Landeskirche mit. «Welche Regelungen zu Weihnachten gelten, hängt von der jeweils gültigen Stufe ab», sagte ein Sprecher. «Da aktuell noch niemand weiß, wie die Situation Weihnachten sein wird, fahren viele Kirchengemeinden mehrgleisig – von Präsenzgottesdiensten über Gottesdienste im Freien bis zu Online-Gottesdiensten.»

In Baden hat die Evangelische Landeskirche nach der Ausrufung der Alarmstufe II ebenfalls schärfere Regeln angeordnet. In vielen Kirchen gilt: Wer einen Gottesdienst besuchen will, muss geimpft oder genesen sein und ein negatives Testergebnis vorzeigen (2G plus). Selbst unter diesen Bedingungen darf nur die Hälfte der Sitzplätze genutzt werden. Ungeimpfte dürfen demnach nur noch an Gottesdiensten «in besonders geeigneten Kirchen» teilnehmen, die zum Beispiel besonders groß oder gut belüftbar sind. Angesichts dessen haben sich einige Gemeinden schon entschieden, ihre Weihnachtsgottesdienste mit Krippenspielen nur im Internet zu übertragen.

Die katholischen Kirchen im Land sind bei solchen Einschränkungen zurückhaltender. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die für weite Teile Württembergs zuständig ist, lässt zwar in ihren Richtlinien die Möglichkeit, Gottesdienste nur für Geimpfte und Genesene zu veranstalten (2G). Man rechne aber damit, «dass es nur sehr wenige Gemeinden geben wird, die sich für die 2G-Option entscheiden», sagte ein Sprecher der Diözese. Wer 2G-Gottesdienste feiern will, muss nämlich zusätzlich auch Gottesdienste für alle anbieten - damit niemand wegen seines Impfstatus ausgeschlossen wird.

Die Erzdiözese Freiburg, die für die katholischen Gemeinden im badischen Raum verantwortlich ist, plant derzeit nicht einmal die Möglichkeit für Gemeinden, Ungeimpfte auszuschließen. «Gottesdienste mit 2G oder 3G sind momentan nicht vorgesehen, weder ausschließlich noch ergänzend», sagte ein Sprecher der Erzdiözese. «Bleibt es bei den aktuellen Corona-Bestimmungen, werden Gottesdienste voraussichtlich unter folgenden Bedingungen möglich sein: Maskenpflicht, Abstand und Kontakterfassung.»

In der Liebfrauenkirche in Ravensburg haben sich die Gläubigen für einen Mittelweg entschieden. Zugangsbeschränkungen solle es an Weihnachten nicht geben, sagt Pastoralreferent Schindler. «Aber wir werden das Weihnachtsspiel am Pfarrhaus aus den Fenstern heraus machen.» Zwei Durchgänge seien an Heiligabend geplant, im Freien gebe es genügend Platz für jeweils 400 bis 500 Menschen. «Das ist eine wunderbare Alternative, um das Evangelium zu erzählen», sagt Schindler. «Und die Mehrheit sagt, das ist eine super Idee.»

(dpa)

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