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Privatleute trotzen mit Weihnachtshäusern der Corona-Krise

04:42
25.11.2021
Corona zum Trotz erstrahlen vielerorts in ganz Deutschland auch dieses Jahr wieder sogenannte Weihnachtshäuser. Ob Delmenhorst im Norden, Balzhausen im Süden, Oberhausen im Westen oder Merseburg im Osten - dort und in etlichen weiteren Orten haben Privatleute ihre Wohnhäuser und Gärten aufwendig geschmückt und schon vor dem ersten Advent an diesem Sonntag teils Zehntausende Lichter angeknipst.

«Es ist ein gewisses Hobby. Wir haben selber keine Kinder und machen das für die Öffentlichkeit», erzählt Josef Glogger aus Balzhausen in Bayern. 35 000 bis 40 000 LEDs beleuchten bei ihm Haus, Garten und eine dort aufgebaute Krippe. Dabei geht es bei Glogger noch vergleichsweise schlicht zu, er setzt auf besinnliches Weiß: «Lieber eine einheitliche Farbe. Ich finde, zur Weihnachtszeit passt das Knallbunte nicht, zumindest bei uns in der Gegend nicht», sagt er.

Dirk van Acken aus Oberhausen im Ruhrgebiet verfällt gemeinsam mit seiner Frau jeden Spätherbst, wenn das Fest langsam näher rückt, in einen Dekotaumel. Er schmückt sein Haus nicht nur von außen: Schneemänner, Nussknacker, Rentiere, unzählige Figuren und Weihnachtsnippes aller Art räumen die beiden aus ihrer übervollen Garage in ihre 94-Quadratmeter-Wohnung.

In Merseburg in Sachsen-Anhalt verwandelt ein 91-Jähriger ein Siedlungshaus in ein Weihnachtsmärchen. Auf Knopfdruck dreht sich eine riesige Pyramide, ein übermannshoher Schwibbogen beginnt zu leuchten, und Besucher lassen ein Glockenspiel und eine Spieluhr erklingen. Fast die Hälfte seines Lebens betreibt Herbert Thews schon dieses Hobby, wie er erzählt. Thews ist gesundheitlich etwas angeschlagen, sein Weihnachtshobby will er sich aber nicht entgehen lassen. «Als Rentner braucht man ja eine Beschäftigung.»

Das Haus von Familie Borchart in Delmenhorst bei Bremen ist inzwischen weit über Niedersachsen hinaus bekannt. «Es gibt nichts, was nicht beleuchtet ist», sagt Sven Borchart, der das Haus gemeinsam mit seiner Frau Martina Borchart und dem erwachsenen Sohn dekoriert hat. «Der große Lohn sind Kinder, die mit großen Augen vor dem Tor stehen und fragen, ob hier der Weihnachtsmann wohnt.»

(dpa)

Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland an oder mit Covid gestorben

03:21
25.11.2021
Die Zahl der an oder mit Corona gestorbenen Menschen in Deutschland hat die Schwelle von 100 000 Toten überschritten. Das geht aus Zahlen von Donnerstagmorgen hervor, die den Stand des Dashboards des Robert Koch-Instituts (RKI) von 03.47 Uhr wiedergeben. Demnach meldeten die Gesundheitsämter dem RKI jüngst 351 Todesfälle binnen 24 Stunden, die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie liegt nun bei 100 119.

Die meisten Corona-Toten gab es laut RKI im vergangenen Winter mit teils mehr als 1000 pro Tag gemeldeten Fällen. Momentan sind die Sterbezahlen wesentlich niedriger, obwohl es deutlich mehr Infektionen gibt. Am Donnerstag erreichte die Sieben-Tage-Inzidenz einen Höchststand von 419,7. Die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Corona-Neuinfektionen überschritt erstmals die Schwelle von 70 000 Neuinfektionen. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben 75 961 Fälle in 24 Stunden. Dass jetzt weniger Infizierte sterben, liegt auch daran, dass große Teile der Bevölkerung geimpft sind - insbesondere bei älteren Menschen, die anfälliger für schwere Verläufe sind.

So sei der Anteil der Infizierten, die intensivmedizinisch behandelt werden, von sechs Prozent in der ersten Welle auf nun 0,8 Prozent gesunken, sagte Reinhard Busse von der TU Berlin kürzlich. Unter den Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung bekommen, liegt die Sterblichkeit laut Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bei 30 bis 50 Prozent.

Um die Zahl der Corona-Toten aber dauerhaft niedrig zu halten, müssten deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft sein. Sollte es da keinen Fortschritt geben, müsse sich Deutschland auf mindestens 100 000 weitere Corona-Tote vorbereiten, «bevor sich das Fahrwasser beruhigt», sagte kürzlich der Berliner Virologe Christian Drosten. «Das ist eine konservative Schätzung.» Er leitet die Zahl durch vergleichende Überlegungen mit Großbritannien her.

Laut RKI gehen in die Statistik Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Corona-Nachweis vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind. Erfasst werden demnach sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind, als auch Infizierte mit Vorerkrankungen, bei denen sich nicht abschließend die Todesursache bestimmen lässt.

Im Vergleich zu einigen anderen Industrienationen steht Deutschland noch vergleichsweise gut da, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Deutlich mehr Tote pro 100 000 Einwohner sind es in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien. Fast doppelt so viele Corona-Tote pro 100 000 Einwohner wie Deutschland verzeichnen die USA, mehr als drei Mal so viele sind es in Bulgarien. Dagegen gibt es in Dänemark bislang weniger als halb so viele Corona-Tote pro 100 000 Einwohner wie in Deutschland. Allerdings ist zu beachten, dass die Zahlen wegen unterschiedlicher Meldesysteme nur bedingt Vergleiche zulassen.

Wie sieht es mit der Gesamtzahl der Toten in Deutschland aus? Ab Mitte Oktober 2020 wuchs die Differenz der Sterbefallzahlen laut Statistischem Bundesamt zum mittleren Wert der Vorjahre - parallel zur steigenden Zahl laborbestätigter Covid-19-Fälle. Im Dezember lag die Zahl der Gestorbenen dann 32 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre. Anfang 2021 gingen sie langsam wieder zurück.

Ab September stiegen die Sterbefallzahlen wieder an. In der ersten Novemberhälfte 2021 lagen die Sterbefallzahlen einer Hochrechnung zufolge 16 bis 17 Prozent über dem Mittel. «Die gemeldeten Covid-19-Todesfallzahlen erklären diese Entwicklung nur zum Teil», schränken die Statistiker aber ein. Grundsätzlich schwanken die Sterbefallzahlen stark, so können etwa starke Grippewellen oder Hitzewellen im Sommer das Geschehen erheblich beeinflussen.

Laut einer Statistik des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock starben in der letzten Oktober-Woche diesen Jahres rund 20 000 Menschen, dies waren etwa 3000 mehr als im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019. In der letzten Dezemberwoche 2020 betrug die Differenz sogar rund 8000. Die Gesamtzahl der Menschen, die 2020 in der Übersterblichkeit gegenüber der Jahre 2010 bis 2019 erfasst wurden, gab MPI-Forscher Dmitri Jdanov mit 77 000 an. Zum Vergleich: Das RKI gab Ende 2020 die Zahl der Corona-Toten mit rund 33 000 an.

(dpa)

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