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Forscher: Coronavirus kommt wahrscheinlich vom Tiermarkt in Wuhan

03:28
19.11.2021
Zwei Jahre nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie liefert ein renommierter Evolutionsbiologe weitere Belege für den Huanan-Tiermarkt in der chinesischen Metropole Wuhan als wahrscheinlichen Ursprungsort des Virus.

In einem im Fachjournal «Science» veröffentlichten Artikel fasst Michael Worobey entscheidende Ereignisse, die sich im Dezember 2019 und Januar 2020 in Wuhan abspielten, zusammen. Dabei zeichnete er eine Zeitleiste der ersten bekannten Fälle, die er unter anderem aus Zeitungsberichten und zugänglichen Krankenhausdaten zusammentrug.

Dass die meisten frühen symptomatischen Fälle mit dem Huanan-Tiermarkt in Verbindung gebracht werden konnten, sei ein «starkes Indiz» dafür, dass die Pandemie auf dem Markt ihren Ursprung hatte, schlussfolgerte der Wissenschaftler vom Institut für Ökologie und Evolutionsbiologie der Universität Arizona.

Es seien zwar bislang keine eindeutigen Beweise erbracht worden, da keine Proben von Tieren vorliegen würden, die zum Zeitpunkt des Ausbruches auf dem Markt verkauft wurden. Schließlich sei der Huanan-Markt schnell geschlossen und desinfiziert worden. Dies bedeute jedoch nicht, dass das Rätsel um den Ausbruch niemals gelöst werden könne, so der Forscher.

Schlüssige Beweise könnten etwa durch die Analyse räumlicher Muster früher Fälle in Wuhan und zusätzlicher Gendaten aus weitereren Proben damaliger Patienten gewonnen werden. «Von dieser Anstrengung hängt die Verhinderung zukünftiger Pandemien ab», so Worobey.

Das Virus tauchte Ende 2019 erstmals in Wuhan auf. Ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durfte jedoch erst mehr als zwölf Monate später nach China reisen und war ohne klare Ergebnisse zurückgekehrt. Das Team teilte im Anschluss mit, dass nicht völlig klar sei, ob der Markt der tatsächliche Ausgang der Pandemie war.

Eine weitere Untersuchung vor Ort will China nicht zulassen. Unter anderem die US-Regierung wirft China vor, den Experten Informationen vorenthalten zu haben. Peking wirft den USA und anderen Ländern dagegen vor, die Pandemie und die Suche nach dem Ursprung für politische Attacken zu missbrauchen.

Tina Pflumm

Streeck: Viele Bürger wegen Impfung noch verunsichert und ängstlich

03:19
19.11.2021
Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat angesichts der niedrigen Corona-Impfquote politische Versäumnisse beklagt und für eine erneute Intensivierung der Impfkampagne plädiert.

«Was mir am meisten fehlte über die Sommermonate, war eigentlich nicht nur eine Impfwerbung - das war einfach zu wenig - aber auch eine richtige Impfaufklärung», sagte Streeck am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner». Viele Bürger seien noch verunsichert und ängstlich, ob sie sich impfen lassen sollen. «Ich glaube schon, dass man da ein ganzes Stück noch erreichen kann, auch durch gute Aufklärung.»

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt zufolge sind über den Sommer viele Impfmöglichkeiten außer Acht gelassen worden. Besorgten jungen Frauen beispielsweise hätte die Möglichkeit gegeben werden sollen, sich bei vertrauen Ärzten, etwa einem Gynäkologen, impfen zu lassen. Mit Blick auf die kommenden Monate forderte Göring-Eckardt eine rasche Intensivierung der Impfkampagne.

«Wenn das mit dem Impfen jetzt nicht richtig schnell losgeht - wir verlieren Tag um Tag - dann wird es uns auch im Januar und Februar noch Probleme machen», sagte die Grünen-Politikerin in der ZDF-Sendung.

Ähnlich sieht das Frank Montgomery. Laut dem Vorstandsvorsitzenden des Weltärztebunds hat man beim Impfen «viel, viel Zeit vertan». Israel habe bereits 95 Prozent seiner Bevölkerung «geboostert», also Auffrischungsimpfungen gegeben. «Und wir reden noch darüber, wie wir das machen wollen», kritisierte Montgomery.

«Ich bedauere die Konzeptionslosigkeit, obwohl seit dem Sommer eigentlich die Ideen auf dem Tisch liegen, was man machen muss.» Stattdessen habe man «geredet, hat sich getroffen, aber hat nichts entschieden».

(dpa)

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