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Kretschmann will Anti-Corona-Kurs verschärfen: «Ernst wie noch nie»

19:42
18.11.2021
Angesichts der dramatischen Corona-Lage in Baden-Württemberg will Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Maßnahmen im Kampf gegen das Virus nochmal verschärfen. «So ernst ist die Lage, wie sie noch nie war in dieser Pandemie», sagte der Grünen-Politiker am Donnerstagabend nach dem Bund-Länder-Treffen zur Corona-Politik. «Die vierte Corona-Welle trifft uns mit brutaler Wucht.» Er kündigte an, dass es über die Maßnahmen der Alarmstufe hinaus weitere Einschränkungen geben werde. Es werde in Kürze Obergrenzen für Teilnehmer von Veranstaltungen geben. Darüber hinaus stünden Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte in Hotspots im Raum, wenn sich die Lage nicht schnell bessere. In Bars, Clubs und Discos gelte künftig die Regel 2G plus. Das heißt, dass Geimpfte und Genesene einen Schnelltest vorweisen müssen.

Kretschmann forderte alle Ungeimpften dringend auf, sich piksen zu lassen. «Kein Ungeimpfter kann sich vor diesem hochansteckenden Virus verstecken. Viele werden schwer erkranken und ins Krankenhaus kommen. Und manche werden auch sterben.» Noch könne der «Notstand» in den Kliniken mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung und Disziplin abgewendet werden. Aber: «Bereits in wenigen Wochen werden unsere Intensivstationen heillos überlastet sein, wenn es so weitergeht.» Er habe große Sorge, «dass wir schon bald keine angemessene Behandlung aller Erkrankten mehr garantieren können».

Seit Mittwoch gilt im Südwesten die Corona-Alarmstufe, bei der Ungeimpfte von der Teilnahme am öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen sind. Nur Geimpfte und Genesene haben jetzt noch Zugang zu Kinos, Museen, Schwimmbädern sowie den meisten anderen öffentlichen Veranstaltungen. Auch wer in Restaurants oder Cafés nur einen negativen Test vorweisen kann, muss draußen bleiben. Seit Mittwoch müssen Schüler und Schülerinnen wieder Masken am Platz tragen.

Zudem gelten Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Sie dürfen sich allein oder als Haushalt nur noch mit einer weiteren Person treffen. Der Regierungschef kündigte häufigere Kontrollen an, um die Corona-Regeln durchzusetzen. «Wer sich nicht daran hält, der muss mit Bußgeldern rechnen.» Er kündigte an, neben den 155 mobilen Impfteams würden in allen Stadt- und Landkreisen Impfstützpunkte eingerichtet, um das Tempo sowohl bei Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen zu erhöhen. Er appellierte zudem an die Ärzte im Südwesten: «Bitte weiten Sie Ihr Impfangebot aus.» Er ergänzte: «Wenn jede Praxis im Land in den kommenden Wochen einen zusätzlichen Impftag anbietet - etwa an einem Samstag - kommen wir ein großes Stück voran.»

Das baden-württembergische Stufensystem hängt unter anderem von der Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen ab. Die Alarmstufe wird ausgerufen, sobald mehr als zwei Tage in Folge mehr als 390 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden müssen. Am Mittwoch waren 439 Covid-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung. Innerhalb eines Tages kamen landesweit fast 10 000 Neuinfektionen hinzu, die 7-Tage-Inzidenz stieg auf den Rekord von 414.

Bund und Länder hatten sich am Donnerstag darauf verständigt, dass bundesweit nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Freizeitveranstaltungen, Gastronomie und Hotels haben (2G), wenn eine bestimmte Zahl von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern überschritten ist. Der Bundestag beschloss zudem Pläne von SPD, FDP und Grünen, die 3G-Vorgaben am Arbeitsplatz, in Bussen und Bahnen vorsehen. Hier muss der Bundesrat noch zustimmen. Wie sich die grün-schwarze Regierung im Südwesten verhält, war am Donnerstagabend zunächst noch nicht klar. Die Bundesländer baten den Bund, in bestimmten Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen eine Impfpflicht für alle einzuführen, die Kontakt zu besonders gefährdeten Personen haben.

(dpa)

Handwerk begrüßt Beschlüsse gegen vierte Corona-Welle

19:11
18.11.2021
Der Handwerksverband hat die Beschlüsse von Bund und Ländern zur Eindämmung der vierten Corona-Welle begrüßt. Die politischen Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene hätten sich endlich auf eine länderübergreifend, an einheitlichen Schwellenwerten orientierte Pandemiebekämpfung verständigt, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, am Donnerstagabend in Berlin. «Das war angesichts dramatisch steigender Infektions- und Hospitalisierungsraten auch höchste Zeit.» Es gehe nicht nur um den Gesundheitsschutz, sondern auch um Planungssicherheit für Betriebe.

Mit Blick auf den Instrumentenkasten gegen die Pandemie nannte es der ZDH-Präsident ein gutes Ergebnis, dass überprüft werden solle, ob gegebenenfalls nachgeschärft werden müsse. Zu begrüßen sei auch die Verständigung auf einheitliche Schwellenwerte zur Anwendung der 2G- oder 2Gplus-Regeln. Positiv sei aus Sicht der Betriebe zudem, dass die finanziellen Hilfen wie insbesondere die Überbrückungshilfe III einschließlich Neustarthilfe bis 31. März 2022 verlängert werden sollen.

Um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu kriegen, legten Bund und Länder neue Grenzwerte für Beschränkungen fest. Ausschlaggebend ist künftig die Hospitalisierungsrate. Der Wert gibt an, wie viele Corona-Infizierte pro 100 000 Menschen in den vergangenen sieben Tagen ins Krankenhaus kamen. Liegt die Rate über drei, soll in dem Bundesland für Freizeiteinrichtungen, Kultur- und Sportveranstaltungen, Gastronomie und bestimmte Dienstleistungen flächendeckend 2G gelten. Zutritt haben dann nur Geimpfte und Genesene. Steigt die Krankenhaus-Rate auf mehr als sechs, sollen Geimpfte und Genesene in bestimmten Einrichtungen wie Diskotheken, Clubs und Bars zusätzlich einen Test vorlegen (2G plus).

(dpa)

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