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Kanzleramtschef Braun fordert Verlängerung der epidemischen Lage

02:52
18.11.2021
Vor der Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Pandemie hat der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) die Ampel-Parteien aufgefordert, die epidemische Lage nationaler Tragweite doch noch zu verlängern.

«Am besten wäre nach wie vor die Verlängerung der epidemischen Lage. Das gäbe den Ländern alle Möglichkeiten für den Fall noch höherer Inzidenzen», sagte Braun dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). «Der Katalog, den die Ampel vorgelegt hat, wurde zwar verschärft, ist aber eben nicht vollständig.» Am Donnerstag wollen die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten mit der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen beraten.

Die epidemische Lage von nationaler Tragweite läuft am 25. November aus. Anstatt dessen wollen die Ampel-Koalitionäre in spe Neuregelungen als Corona-Bremse besiegeln. Sie sollen eine andere Rechtsgrundlage für Auflagen vor Ort schaffen. Die Corona-Welle baut sich immer weiter auf. Die Gesundheitsämter hatten am Mittwoch den Höchstwert von 52 826 neuen Fällen an einem Tag gemeldet.

Braun sagte, Veranstaltungen und Märkte müssten regional rechtssicher abgesagt und Einrichtungen geschlossen werden können, wenn die Inzidenzzahlen extreme Werte erreichten, wie sie derzeit bereits zu sehen seien. «Maßnahmen, die eine weitgehende Kontaktbeschränkung für Ungeimpfte bedeuten, sind jetzt nicht mehr zu vermeiden.» Schulschließungen seien derzeit nicht geplant, allerdings auch nicht sicher auszuschließen. «Das war immer das letzte Mittel. Aber die Pandemie hat uns gelehrt, dass man nicht alles für die Zukunft komplett ausschließen sollte.»

Braun rief vor allem Ältere dazu auf, sich noch vor Weihnachten eine Auffrischungsimpfung geben zu lassen. «Die Großeltern, die jetzt eine Auffrischimpfung erhalten, haben einen bestmöglichen Schutz», sagte er. «Das ist die beste Vorbereitung auf Weihnachten. Da muss man dann nicht auf Verwandtenbesuche verzichten.»

(dpa)

RKI-Chef Wieler fordert Corona-Impfungen in Apotheken

02:37
18.11.2021
Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, will das Impf-Tempo durch Corona-Impfungen in Apotheken erhöhen.

«Wir sind in einer Notlage, und in einer Notlage muss man bestimmte Dinge großzügig gestalten», sagte Wieler am Mittwochabend bei einer Online-Diskussionsveranstaltung mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Deshalb sei er dafür, dass unter anderem Apotheker impfen sollten.

«Ich sag das jetzt mal ganz klar: Es muss jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen aufgrund von irgendwelchen Umständen nicht gestattet zu impfen. Wir sind in einer Notlage», betonte Wieler. «Wir brauchen jede und jedem zum Impfen.» Es gebe viele Millionen Menschen, die geimpft werden müssten, auch mit Auffrischungsimpfungen. «Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff.»

Zugleich plädierte Wieler für die 2G-Regeln (geimpft und genesen). «Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, zum Beispiel, indem sie sich freitesten lassen.» Momentan laufe Deutschland auf eine «ernste Notlage» zu. «Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.»

Wieler zeichnete ein dramatisches Bild der aktuellen Corona-Lage in Deutschland. Die Zahlen gingen steil nach oben, und sie seien weitaus höher als bekannt: «Die Untererfassung der wahren Zahlen verstärkt sich.» Hinter den mehr als 50 000 Infektionen, die derzeit pro Tag registriert würden, «verbergen sich mindestens noch einmal doppelt oder dreimal so viele», so der RKI-Chef.

In den vergangenen Wochen seien 0,8 Prozent der Erkrankten gestorben. Das bedeute, dass von den mehr als 50 000 Menschen pro Tag, bei denen derzeit eine Neuinfektion festgestellt werde, in den nächsten Wochen 400 sterben würden.

In der Bundespressekonferenz habe er zuletzt noch zurückhaltend von 200 Toten pro Tag gesprochen, tatsächlich sei die Zahl aber viel höher. Am Tod dieser Menschen sei nichts mehr zu ändern, niemand können ihnen noch helfen, selbst mit bester medizinischer Versorgung nicht. «Das Kind ist in den Brunnen gefallen.»

Auch die Lage in den Krankenhäusern wird laut Wieler immer schlimmer. Die Zahl der schwerkranken Corona-Patienten steige, für Schlaganfall-Patienten und andere Schwerkranke müsse mancherorts bis zu zwei Stunden nach einem freien Intensivbett gesucht werden. «Die Versorgung ist bereits in allen Bundesländern nicht mehr der Regel entsprechend», sagte der RKI-Chef. Und das werde noch zunehmen. «Sie sehen, die Prognosen sind super düster. Sie sind richtig düster», sagte Wieler. «Es herrscht eine Notlage in unserem Land. Wer das nicht sieht, der macht einen sehr großen Fehler.»

(dpa)

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