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Hausärzte warnen vor Anstieg von Infektionskrankheiten

06:02
07.10.2021
Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einem starken Anstieg von Infektionskrankheiten infolge der Corona-Pandemie. «Das liegt auch daran, dass die Menschen wegen der Corona-Beschränkungen eineinhalb Jahre kaum Kontakt zu verschiedenen Viren hatten», sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). «Insofern ist ihr Immunsystem nicht gut trainiert gegen viele Viren, mit denen wir normalerweise gut fertig werden. Das Resultat: Erkältungskrankheiten fallen stärker ins Gewicht. Die Lockdowns haben also nicht nur Vorteile gebracht.»

Gerade bei Kindern sehe man mehr und mehr Infektionskrankheiten, die viele vorher nicht auf dem Radar gehabt hätten, sagte Weigeldt. Immer wieder seien Lehrende beziehungsweise Erwachsene Infektionsquellen für Kinder. Weigeldt befürwortet daher die «Impfpflicht für solche Berufsgruppen». Er sprach sich für eine Aufhebung der Maskenpflicht aus - zumindest für die jüngeren Jahrgänge an Schulen, und verpflichtende Impfungen für das Lehrpersonal, wie auch Beschäftigte in anderen sensiblen Berufsgruppen, wie in der Pflege.

Auch Kassenarzt-Chef Andreas Gassen plädierte für eine Aufhebung der Maskenpflicht in Schulen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag): «Aus meiner Sicht ist es vertretbar, in Schulen auf Masken zu verzichten.» Gassen verwies zur Begründung auf die regelmäßigen Corona-Tests in den Schulen und auf unerwünschte gesundheitliche Folgen der Corona-Schutzmaßnahmen. «Durch die langen Phasen des Lockdowns, Social Distancing und des Maskentragens sind die Immunsysteme der Kinder mittlerweile so untrainiert, dass sie an Viren erkranken, die ihnen früher nichts anhaben konnten».

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte vor dem Treffen der Kultusminister am Donnerstag und Freitag bundesweit einheitliche Regeln in der Frage der Corona-Schutzmaßnahmen in den Schulen. «Die GEW appelliert an die Kultusministerkonferenz, sich auf eine gemeinsame Linie beim Thema Maskenpflicht zu verständigen», sagte GEW-Chefin Maike Finnern dem RND. «Wir wollen, dass die Schulen auch in der kalten Jahreszeit geöffnet bleiben, das wird nicht ohne Hygienemaßnahmen und -konzepte gehen.»

(dpa)

Zehntausende Kinder in USA verlieren Elternteil oder Betreuer

04:11
07.10.2021
Mehr als 140 000 Kinder in den USA haben einer Analyse zufolge im Zuge der Corona-Pandemie mindestens ein Elternteil oder eine für sie sorgende Betreuungsperson verloren. Diese Hochrechnung gelte allein für den Zeitraum April 2020 bis Juni 2021, berichten Forscher um Susan Hillis von der US-Gesundheitsbehörde CDC im Fachjournal «Pediatrics». Etwa jedes 500. Kind in den USA sei betroffen.

Auf etwa vier Menschen, die in den USA nach einer Corona-Infektion starben, komme jeweils ein Kind jünger als 18 Jahre, das dadurch ein Elternteil, ein es aufziehendes Großelternteil oder eine andere für es sorgende Betreuungsperson verloren habe, schreiben die Wissenschaftler. Das sei eine «versteckte und anhaltende, von der Corona-Pandemie ausgelöste sekundäre Tragödie», um die man sich dringend verstärkt kümmern müsse.

Für die Studie arbeiteten Wissenschaftler des CDC gemeinsam mit Kollegen vom Imperial College in London, den Universitäten Harvard und Oxford sowie der University of Cape Town in Südafrika. Sie nutzten unter anderem Zensusdaten der US-Bundesstaaten. In den USA sind seit Beginn der Pandemie nach Daten der Universität Johns Hopkins mehr als 700 000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben.

Vor einigen Wochen war eine Studie im Fachjournal «The Lancet» veröffentlicht worden, der zufolge weltweit rund 1,1 Millionen Kinder in Folge der Corona-Pandemie mindestens ein Elternteil oder ein für sie sorgendes Großelternteil verloren haben. Die Zahl der durch die Pandemie zu Halbwaisen und Waisen gewordenen Kinder sei bezogen auf die Bevölkerungszahl unter anderem in Südafrika, Mexiko, Brasilien und Kolumbien besonders hoch.

In vielen Ländern sank einer kürzlich im «International Journal of Epidemiology» veröffentlichten Studie zufolge im Zuge der Corona-Pandemie die Lebenserwartung so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa nicht mehr. Laut dieser Analyse starben in den USA vergleichsweise viele jüngere Menschen.

(dpa)

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