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Friesland: Doch Spritzen mit Impfstoff gespritzt?

14:04
12.08.2021
Nach möglichen Impfungen mit Kochsalzlösungen im Landkreis Friesland hat der Anwalt der beschuldigten Krankenschwester früheren Angaben der Polizei und des Kreises widersprochen. Unzutreffend sei, dass seine Mandantin bei dem Vorfall im April sechs Spritzen allein mit einer Kochsalzlösung aufgezogen habe. Vielmehr habe die Frau bereits bei einer ersten Aussage nach der Tat angegeben, Impfstoffreste aus übrigen Ampullen genutzt zu haben, sagte ihr Wilhelmshavener Anwalt Christoph Klatt am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Auf diese Weise habe sie den Verlust des Impfstoffes aus einem zuvor zerbrochenen Fläschchen zumindest teilweise auffangen wollen. Zuvor hatten die «Ostfriesen-Zeitung» und weitere Medien berichtet.

Die Frau hatte nach der Tat eingeräumt, den Verlust des Impfstoffes aus Furcht ihren Job zu verlieren, vertuschen zu wollen. In einer gemeinsamen Mitteilung des Landkreises und der Polizei nach Bekanntwerden des Falles war bislang davon die Rede, die Spritzen seien nur mit Kochsalzlösungen aufgezogen worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigte am Donnerstag aber, dass die Frau bei einer Vernehmung Angaben, wie von ihrem Anwalt geschildert, gemacht habe. Sie gab demnach an, Impfstoffreste aus zwei Ampullen auf sechs Spritzen aufgeteilt zu haben. Warum die Angaben der Frau zuvor nicht mitgeteilt wurden, blieb zunächst offen.

Am Dienstag hatten dann Landkreis und Polizei mitgeteilt, dass nach weiteren Zeugenaussagen nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Frau bereits zuvor Spritzen mit Kochsalzlösungen aufgezogen habe und weitere Personen daher keinen ausreichenden Impfschutz gegen Covid-19 hätten. 8557 Kreisbewohner sollen daher nun nachgeimpft werden. Rechtsanwalt Klatt bekräftigte erneut die Aussage seiner Mandantin, dass es keine weiteren Fälle gebe. «Das war ein einmaliger Vorfall, bei dem ihr etwas runtergefallen war.»

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg teilte am Donnerstag zudem mit, es bestehe ein Anfangsverdacht, wonach der Impfausweis und ein Ersatzdokument der Beschuldigten manipuliert sein könnte. Der Rechtsanwalt der Beschuldigten wies auch diesen Vorwurf zurück. Seine Mandantin sei nach eigener Aussage gegen Covid-19 geimpft.

(dpa)

Zusätzliche Umfragen zum Corona-Impffortschritt geplant

14:03
12.08.2021
Für ein genaueres Bild zum Corona-Impffortschritt in Deutschland sind weitere begleitende Umfragen geplant. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag auf Anfrage mitteilte, sollen im frühen Herbst etwa 3000 Menschen zu Impfbereitschaft und Akzeptanz befragt werden. Vorbereitet werde auch eine ergänzende Befragung, die die häufigsten Fremdsprachen abdecken soll. So sollen auch Bürger erreicht werden, die an bisherigen deutschsprachigen Befragungen nicht teilnehmen können. Die Impfungen gehen unterdessen weiter voran - vor allem mit Zweitimpfungen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb auf Twitter erneut: «Das Impfen bringt uns allen die Freiheit zurück.»

Am Mittwoch wurden 511 000 Impfdosen gespritzt, davon führten 414 000 zu einer vollständigen Impfung. Insgesamt sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums nun knapp 46,7 Millionen Menschen oder 56,1 Prozent der Bevölkerung voll geimpft. Mindestens eine erste Impfung bekommen haben 52,2 Millionen Menschen oder 62,8 Prozent aller Einwohner. Unter den 16 Bundesländern hat nur Sachsen die Marke von 50 Prozent vollständig geimpften Einwohnern noch nicht erreicht - die dafür nötige zweite Spritze haben dort 49,3 Prozent bekommen. Spitzenreiter Bremen steuert mit nun 65,5 Prozent vollständig geimpften Einwohnern bereits auf die Zwei-Drittel-Marke zu.

Über Daten zum Impffortschritt ist unterdessen eine Debatte aufgekommen. Anlass ist, dass zwischen zwei Quellen erstmals eine größere Differenz aufgefallen ist, wie RKI und Gesundheitsministerium am Mittwoch mitgeteilt hatten. So fiel in einer RKI-Umfrage namens Covimo von Ende Juni bis Mitte Juli unter rund 1000 Erwachsenen die Quote der mindestens einmal Geimpften «um einiges höher» aus als im amtlichen digitalen Meldesystem für Impfzentren, Praxen und Betriebsärzte - besonders bei 18- bis 59-Jährigen: Während in der Umfrage 79 Prozent angaben, geimpft zu sein, waren es laut Meldesystem 59 Prozent.

Das RKI betonte, dass sich eine mögliche «Untererfassung» im Meldesystem auf Erstimpfungen beziehe und nicht auf die vollständigen Impfungen. Untererfassungen seien in Meldesystemen generell nicht unüblich. Das RKI gehe davon aus, dass die Impfquoten das Geschehen sehr zuverlässig abbilden. Als Erklärung für die Differenz führten die Experten mehrere mögliche Gründe an. Unter anderem werde ein Teil der Impfungen mit dem Mittel von Johnson&Johnson, bei dem nur eine Dosis für den vollen Schutz nötig ist, nur als Zweitimpfung erfasst.

Intensivmediziner hatten daraufhin eine unabhängige, repräsentative Bevölkerungsumfrage gefordert: «Wir müssen alles dafür tun, das Vertrauen in die Impfkampagne zu stärken», sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). «Verlässliche Zahlen sind die Basis für die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen», sagte Marx. Sollte die Impfquote der 18- bis 59-jährigen tatsächlich viel höher liegen als gemeldet, «hätten wir gerade mit Blick auf den Herbst eine viel entspanntere Lage.»

Das Infektionsgeschehen nimmt indes weiter zu. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen stieg laut RKI weiter auf nun 27,6 - am Vortag hatte der Wert 25,1 betragen, vor einer Woche lag er bei 19,4. Die Gesundheitsämter meldeten binnen eines Tages 5638 Corona-Neuinfektionen - nach 3539 vor einer Woche.

Trotz nachlassender Impfbereitschaft musste die Hälfte der Länder noch keine ungenutzten oder abgelaufenen Impfdosen in nennenswertem Umfang vernichten. Bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur gaben sieben der 16 Landesregierungen an, dass eine Impfstoff-Entsorgung weitgehend vermieden werden konnte. «Zu keinem Zeitpunkt musste Impfstoff vernichtet werden, weil er wegen ablaufender Haltbarkeit nicht genutzt werden konnte», versicherte etwa ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Länder wie Mecklenburg-Vorpommern und Hessen erklärten dies auch mit Maßnahmen wie einer «Impfstoffbörse».

Im Gegensatz dazu haben die Impfzentren in Bayern bereits rund 53 000 ungenutzte Dosen entsorgt - deutlich mehr als in jedem anderen Land. Die Hälfte davon entfällt auf den vergangenen Monat. Die im Sommer angestiegenen Zahlen seien die unmittelbare Folge einer abnehmenden Impfbereitschaft, hieß es im Landesgesundheitsministerium.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, äußerte sich zu vergleichsweise niedrigen Impfquoten in den meisten neuen Ländern. «Es gibt zwischen der Zustimmung für die AfD und Impfablehnung einen klaren Zusammenhang. Er lässt sich nicht wegdiskutieren», sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Die allermeisten AfD-Funktionäre gingen aggressiv gegen das Impfen sowie gegen sämtliche Corona-Maßnahmen vor - «ähnlich wie der frühere US-Präsident Donald Trump». Er gehe deshalb davon aus, «dass wir in Ostdeutschland im Herbst aufgrund der Delta-Variante eine Corona-Welle sehen werden, die das Gesundheitssystem erneut an seine Grenzen bringen wird».

(dpa)

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