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Baden-Württemberg macht auf - für Geimpfte

15:27
11.08.2021
Ab kommenden Montag dürfen alle Menschen in Baden-Württemberg unabhängig von der Inzidenz wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen - vorausgesetzt, sie sind geimpft, genesen oder getestet. In der neuen Corona-Verordnung, die bereits am 16. August in Kraft treten soll, soll die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz nicht mehr als ordnungspolitisches Instrument auftauchen, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. «Wir machen alles möglich für Geimpfte», sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. «Jetzt geht es darum, den Menschen Freiheitsrechte zurückzugeben.» Die Pläne seien mit dem Staatsministerium abgestimmt.

Das bedeutet: Auch falls die Inzidenz Ende August in den dreistelligen Bereich schießen sollte, plant das Land keine Einschränkungen mehr - sofern die Krankenhäuser dann noch genug Kapazitäten für Corona-Patienten haben. Die Regierung sieht vor, dass es bei kulturellen Veranstaltungen im Innenbereich sowie in Clubs und Diskotheken keine Personenobergrenze mehr geben soll, die Einrichtungen könnten unter Vollauslastung öffnen. Wer allerdings nicht geimpft und genesen ist, muss einen PCR-Test vorweisen können. Den müssen die Ungeimpften ab Montag bereits selbst zahlen, das Gesundheitsministerium nannte Beträge von 30 bis 50 Euro für einen Test. Bei der Innen-Gastro, bei Friseuren und körpernahen Dienstleistern soll ein Antigenschnelltest ausreichen. Diese seien erst ab Mitte Oktober kostenpflichtig, sagte die Sprecherin.

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) appellierte nochmal an die Menschen, sich impfen zu lassen. «Je mehr Menschen einen Impfschutz haben, desto entspannter wird unser aller Leben sein», sagte er der dpa. «Sie schützen nicht nur sich, sondern andere. Und Sie schützen vor allem das Gesundheitssystem vor Überlastung. Wir wollen und wir werden den Menschen ihre Freiheitsrechte zurückgeben.» Dennoch sei die Pandemie nicht vorbei.

Die Inzidenz werde zwar ordnungspolitisch keine Rolle mehr spielen in der nächsten Verordnung, das Land werde sich vom bisherigen Stufenkonzept verabschieden, sagte Lucha. «Dennoch werden wir künftig neue Parameter definieren, die zur Beurteilung der Lage dienen sollen.» So soll für die nächste Verordnung ab Mitte September ein Modell erarbeitet werden, das neben der Inzidenz die Hospitalisierung und die Auslastung der Intensivkapazitäten berücksichtigt. Damit wolle man vor die Lage kommen, sagte die Sprecherin.

(dpa)

Unterschätzung der Erstgeimpften? Diskrepanzen in RKI-Impfdaten

14:14
11.08.2021
Einer Befragung des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge scheinen mehr Erwachsene in Deutschland mindestens einmal geimpft zu sein als bislang offiziell erfasst. Der Unterschied zum sogenannten Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM), das dem Impfdashboard zugrundeliegt, sei besonders auffällig gewesen in der Altersgruppe der 18-59-Jährigen, geht aus einem RKI-Report zu der Befragung hervor. «In Bezug auf die Impfquoten zu vollständig Geimpften lag hingegen kein wesentlicher Unterschied vor», betonen die Autoren. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, sagte am Mittwoch auf Anfrage, die Ergebnisse seien kein Grund, die Impfquoten generell in Zweifel zu ziehen. «Wir unterschätzen womöglich die Zahl der Erstgeimpften etwas, aber wir sprechen hier über wenige Prozentpunkte.»

Während bei der Erhebung namens Covimo (kurz für: Covid-19 Impfquoten-Monitoring) 79 Prozent der Erwachsenen unter 60 Jahren angaben, mindestens einmal geimpft zu sein, waren es laut dem offiziellen System 59 Prozent. Dieses speist sich aus gemeldeten Impfungen von Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams, Betriebsmedizinern, Daten der niedergelassenen Ärzte und Privatärzte. Mehrere Überlegungen legten nahe, dass die Meldungen im DIM die Impfquoten vermutlich unterschätzen, während es durch die Befragung zu einer Überschätzung komme, heißt es im Report. Die tatsächliche Quote liege voraussichtlich dazwischen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass bei der Interpretation der Ergebnisse beider Quellen eine «gewisse Unsicherheit» zu berücksichtigen sei. An der jüngsten Covimo-Erhebung nahmen rund 1000 Menschen teil, Ziel ist es, Erkenntnisse zu Impfbereitschaft und -akzeptanz zu erhalten. In den fünf früheren Runden lagen die Impfquoten beider Quellen «auf einem vergleichbaren Niveau», wie es hieß.

Aus Sicht von Watzl sind Befragungen relativ kleiner Bevölkerungsgruppen wenig geeignet, um eine Impfquote abzuleiten, daher dürfe man die verzeichneten Unterschiede nicht überbewerten.

Im Bericht werden verschiedene Erklärungsansätze angeführt. Ein Punkt ist die Erfassung der Impfungen mit Johnson & Johnson, bei denen im Unterschied zu den anderen Herstellern nur eine Dosis für den vollen Schutz vorgesehen ist. Vertragsärzte meldeten diese Immunisierungen ausschließlich als zweite Impfdosen, zudem sei keine Zuordnung von Impfstoff und Altersgruppe möglich, erläutert das RKI. In den DIM-Daten findet sich mittlerweile ein Hinweis, dass die nach Altersgruppe aufgeschlüsselten Impfquoten der mindestens einmal geimpften Erwachsenen «systematisch zu niedrig ausgewiesen» werden.

Im Report heißt es darüber hinaus, dass bisher nur etwa die Hälfte der beim Meldesystem registrierten Betriebsärzte Impfungen über die Webanwendung meldeten. «Dies könnte ein Hinweis auf eine Untererfassung der Impfquoten durch DIM sein.»

Die RKI-Autoren diskutieren weitere denkbare Einflussfaktoren: etwa potenzielle Verzerrungen in der Befragung, die zu einer Überschätzung der Quote führen könnten. So sei etwa anzunehmen, dass Menschen, die Impfungen befürworten, eher mitmachen als Verweigerer. Auch Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse hätten nicht an den Interviews teilnehmen können. Für beide Aspekte geben die Autoren aber zu bedenken, dass dann auch bei den vollständig Geimpften eine größere Abweichung zwischen den Quellen hätte auftreten müssen.

In dem Bericht zur Befragung heißt es, dass demnach 91,6 Prozent impfbereit oder bereits geimpft seien. «Die Covid-19-Impfbereitschaft der Bevölkerung liegt auf einem hohen Niveau.»

Nach Ansicht von Carsten Watzl werden im RKI-Bericht einige erstzunehmende Punkte angesprochen, etwa das Problem der Johnson & Johnson-Erfassung durch Vertragsärzte und die offenbar noch unvollständige Beteiligung von Betriebsärzten an den Meldungen. Der Immunologe geht allerdings davon aus, dass es sich um ein vorübergehendes Problem handelt: «Die Daten werden irgendwann kommen, Impfungen werden ja auch abgerechnet. Wir können uns nicht einerseits beschweren, dass Ärzte mit zu viel Bürokratie belastet werden, und andererseits sofort vollkommene Daten erwarten.» Auch der Datenschutz in Deutschland spiele eine Rolle.

Die angenommene Unterschätzung bei mindestens einfach Geimpften ändere auch nichts an der Tatsache, dass die Anzahl verabreichter Impfungen zuletzt tatsächlich zurückgegangen sei, betonte der Dortmunder Wissenschaftler: «Wir wissen, dass noch nicht genug Leute geimpft sind.»

(dpa)

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