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Baden-Württemberger häufen in der Corona-Zeit mehr Hausmüll an

04:24
02.08.2021
Homeoffice, Kurzarbeit, Fernunterricht und verpacktes Essen aus dem Restaurant - im ersten Corona-Jahr 2020 haben Haushalte in Baden-Württemberg deutlich mehr Müll produziert als in den Jahren zuvor. Das geht aus der Abfallbilanz für das vergangene Jahr hervor, deren genaue Zahlen das Umweltministerium am Montag (10.00 Uhr) in Stuttgart vorstellen will. Auch beim Sperrmüll und bei den Bioabfällen legten die baden-württembergischen Haushalte dabei zu.

Viele Menschen seien häufiger zu Hause gewesen, hätten öfter selbst gekocht und Abfälle produziert, heißt es in der Datensammlung. Wertstoffhöfe hatten zuvor auch bereits deutliche Steigerungen unter anderem bei Bauabfall wie gemischtem Bauschutt und Altholz vermeldet. Der Grund: Während des Lockdowns seien mehr Renovierungsarbeiten daheim erledigt worden.

Allerdings bleibt der Müll auch teurer: Nach dem Anstieg der Abfallgebühren in den vergangenen Jahren wird erneut mit einer Zunahme gerechnet. Die Gebühren werden in jedem Stadt- und Landkreis durch Gebührensatzungen festgelegt. Im Jahr 2019 lagen sie für einen Vier-Personen-Haushalt noch bei 156 Euro, Anfang des vergangenen Jahres stiegen sie im Landesdurchschnitt um fast 9 Euro auf etwas mehr als 165 Euro. Gründe waren unter anderem sinkende Wertstofferlöse, auslaufende Verträge für Abfuhrleistungen, steigende Verbrennungspreise und Investitionen in die Infrastruktur.

Im Jahr 2019 fielen laut Abfallbilanz des Umweltministeriums pro Kopf 355 Kilogramm häusliche Abfälle an - Rest- und Sperrmüll, Bioabfälle und wertstoffhaltige Abfälle. Unterm Strich waren es 3,93 Millionen Tonnen.

(dpa)

Patientenschützer kritisieren mangelnde Planung vor dritter Impfung

04:23
02.08.2021
Trotz des baden-württembergischen Drucks in der Debatte um Auffrischungsimpfungen kritisieren Patientenschützer den nach ihrer Einschätzung späten Start in die Planungen für die neue Kampagne. «Es steht zu befürchten, dass Bund und Länder die Planung für die wichtige Auffrischungskampagne verschlafen», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutsche Presse-Agentur dpa. Die Politik müsse vorbereitet sein, wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) grünes Licht gebe. Viele politische Entscheidungen könnten vorbereitet werden, «ohne dass die Stiko sagt, wo es langgeht», betonte Brysch.

Bislang liegen der Stiko nach ihrer Einschätzung nicht die nötigen Daten vor, um Auffrischimpfungen gegen Corona für ältere Menschen in Deutschland zu empfehlen.

Die Impfkommission müsse unbedingt hauptamtlich personell gestärkt werden, um schneller zu entscheiden, forderte Brysch. Außerdem müsse die Politik die Organisation der Impfteams angehen. «Gebraucht werden aufsuchende Impfangebote in den 12 000 Pflegeheimen in Deutschland.» Solche Auffrischungen müssten von mobilen Impfteams übernommen werden. Die Logistik könne schwer werden, weil die Impfzentren auch in Baden-Württemberg Ende September geschlossen werden sollen. «Bislang waren sie aber verantwortlich für die Ausbildung und Aufstellung dieser Teams. Das hinterlässt eine Lücke, die die Politik bereits jetzt konzeptionell füllen muss», sagte der Patientenschützer.

Nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums ist noch unklar, wer in der anstehenden neuen Kampagne die Impfungen in den Heimen übernehmen könnte. Unter anderem werde der Einsatz mobiler Impfteams geprüft. Anders als in Bayern, wo die Impfzentren mit angepasster Kapazität und Fokus auf mobile Teams bis mindestens April 2022 erhalten bleiben sollen, spielen sie im Südwesten nur bis Ende September eine Rolle. Einen Betrieb darüber hinaus mit angepasster Kapazität strebe Baden-Württemberg aktuell eher nicht an, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Die Zahl der in den ersten vier Monaten gesetzten Spritzen in den vulnerablen Gruppen sei geprüft und ein Bedarf an Auffrischimpfungen ermittelt worden, hieß es weiter. «Wir bereiten uns darauf vor, dass entsprechende Zielgruppen möglichst eine zeitnahe Auffrischimpfung nach dem Start erhalten werden», sagte die Ministeriumssprecherin. Mittelfristig rechnet Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) damit, dass Schutzimpfungen gegen das Coronavirus ähnlich einer Grippeimpfung regelmäßig erneuert werden müssen.

Der Grünen-Politiker hatte zuletzt den Druck auch auf die Stiko erhöht. «Ich werde am Montag auf der Gesundheitsministerkonferenz fordern, dass wir mit den Auffrischimpfungen ab dem 1. September beginnen», hatte Lucha am vergangenen Freitag gesagt. Die vierte Welle rolle an und gleichzeitig gebe es freie Kapazitäten in den Impfzentren, die man nutzen müsse. Die Kommission müsse dringend eine Empfehlung abgeben, mit welchen Gruppen man starten könne.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte den Druck daraufhin scharf. «Das ist ein Spiel mit dem Feuer», sagte Brysch. «Wir torpedieren damit die Unabhängigkeit des Gremiums.» Er forderte die Stiko auf, robust zu sein gegen das politische Drängen.

(dpa)

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