Im Labor des Biotechnologieunternehmens Afrigen Biologics and Vaccines im südafrikanischen Kapstadt arbeiten Forscher unter Hochdruck.
Sie befinden sich in einer entscheidenden Phase bei der Entwicklung von Afrikas erstem eigenem Corona-Impfstoff. Dieser soll das hochwirksame mRNA-Präparat von Moderna nachahmen und damit die Abhängigkeit von der Pharma-Industrie mindern.
Unterstützt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem UN Medicines Patent Pool (MPP) sowie der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) will Afrigen die Verteilung von Impfstoffen weltweit günstiger, schneller und gerechter machen. Nicht nur das:
Afrigen will die beiden derzeit zugelassenen mRNA-Präparate von Moderna und Biontech/Pfizer verbessern. Ziel ist ein gefriergetrockneter Impfstoff, der keine Kühllagerung erfordert.
Anders als traditionellen Pharma-Unternehmen geht es Afrigen nicht um Profite.
Der neue Impfstoff werde nicht patentiert werden, sondern eine Art Open-Source-Technologie sein, erklärt Afrigens Geschäftsführerin Petro Terblanche. Die WHO werde kostenfreie Lizenzen an Entwicklungs- und Schwellenländer vergeben und damit ermöglichen, dass Produktionskapazitäten überall auf der Welt aufgebaut werden.
Allerdings gibt es Hürden. Zwar hat Moderna im Juli eine Verzichtserklärung für das geistige Eigentum an ihrem mRNA-Präparat abgegeben.
Diese gilt jedoch nur für einen begrenzten Zeitraum. „Weder von Moderna noch von Biontech/Pfizer haben wir einen Technologietransfer bekommen“, sagt Terblanche. Somit arbeiten Afrigens Forscher mit der öffentlich zugänglichen genetischen Sequenz für den Impfstoff und mit Hilfe von wissenschaftlichen Beratern an der Entwicklung einer ersten vollständigen Laborprobe, die das Präparat von Moderna nachahmt. „Aufgrund der Verzichtserklärung können wir den Impfstoff legal bis zu klinischen Studien bringen, ohne geistiges Eigentum zu verletzen“, erklärt Terblanche.
Schon im Januar 2022 sollen erste Studien an Tieren beginnen. Für November sei Phase I der klinischen Studie geplant.
Anfang 2024 soll die Mittel marktreif sein. Die WHO hat für das ehrgeizige Projekt ein Budget von 92 Millionen Euro bereitgestellt. „Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass es nicht ausreicht und gefährlich ist, sich bei der Versorgung der Welt mit globalen öffentlichen Gütern auf ein paar wenige Firmen zu verlassen“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus im Juni über das Projekt.
Jeff Wiltzius