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Gemischte Corona-Impfung: Wohl gute Verträglichkeit und Wirksamkeit

12:25
03.06.2021
Erst Astrazeneca und als zweite Dosis Biontech/Pfizer hat für Impflinge laut einer vorläufigen Charité-Auswertung wohl keine Nachteile bei Wirksamkeit und Verträglichkeit. Eine Kombination der Präparate in einem Abstand von zehn bis zwölf Wochen sei laut der Studie gut verträglich und rufe vergleichbare Immunantworten wie eine Impfserie mit zweimal Biontech hervor, schrieb der Charité-Wissenschaftler Leif Erik Sander auf Twitter.

Hintergrund der gemischten Impfserie ist eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nach dem Bekanntwerden von seltenen, aber schweren Komplikationen nach Astrazeneca-Erstimpfungen vor allem bei Jüngeren. Aus Risiko-Nutzen-Abwägungen heraus wird Menschen unter 60 Jahren, die schon eine Astrazeneca-Impfung haben, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer empfohlen. Allerdings sahen Experten noch einen Mangel an verlässlichen Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit.

Die Charité Zwischenauswertung ist als sogenanntes Preprint veröffentlicht worden. Das bedeutet, dass eine Überprüfung durch externe Experten und die Publikation in einer Fachzeitschrift noch ausstehen. Das Team um Sander erhob und verglich Daten von rund 340 Mitarbeitern des Gesundheitswesen, die zwischen Ende 2020 und 21. Mai geimpft wurden - davon eine Gruppe zweifach mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer im Abstand von drei Wochen und eine weitere mit Astrazeneca bei der Erst- und Biontech bei der Zweitimpfung.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek schrieb auf Twitter, es handle sich um «wichtige Daten». Sie kommentierte: «Kurz zusammengefasst: Immunantwort ist (wie erwartet) sehr gut und vergleichbar mit homologer Impfung mit mRNA Impfstoff.» SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte: «Diese Kombi wird gut vertragen und wirkt noch etwas stärker als doppelte BionTech Impfung. Die Kombination kann man empfehlen.»

Die Forscher selbst schränken ein, dass es sich nicht um eine randomisierte kontrollierte Studie handle, also mit zufälliger Zuordnung der Probanden zu den Gruppen. Unklar sei, inwieweit beobachtete Unterschiede auch mit dem längeren Impfintervall der Gruppe mit den verschiedenen Impfstoffen zusammenhängen könnten.

Die Ergebnisse scheinen im Widerspruch zu einer kürzlich veröffentlichten «Lancet»-Studie zu stehen, derzufolge Impflinge bei zwei unterschiedlichen Impfstoffen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Nebenwirkungen nach der zweiten Dosis haben. Die Charité-Wissenschaftler weisen aber auf Unterschiede beim Studiendesign, dem Alter der Probanden und unterschiedliche Impfintervalle hin. Der längere Abstand zwischen den beiden Dosen in der Berliner Untersuchung könne mit den weniger stark ausgeprägten Impfreaktionen zu tun haben, so die Vermutung.

(dpa)

Polizei kontrolliert im Südwesten wegen Randalen

12:21
03.06.2021
Die Polizei hat in mehreren Städten im Südwesten mit verstärkten Kräften für einen friedlichen Start in das lange Wochenende gesorgt. Nach Auseinandersetzungen zwischen jungen Menschen und Beamten kontrollierten die Polizisten beliebte Treffpunkte und Ausflugsziele in Stuttgart, Tübingen, Heidelberg und Mannheim.

STUTTGART

In Stuttgart haben die Beamten beispielsweise Bauzäune um die Freitreppe eingerichtet, von der aus junge Menschen am vergangenen Samstag Polizisten provoziert hatten. Den Angaben zufolge hatten sich teilweise zwischen 500 und 600 Menschen an der Treppe versammelt. Die Stimmung sei in der Nacht zum Sonntag gekippt, als Polizisten Feiernde wegen des Alkoholverbots und den Corona-Regeln ansprachen. Dabei wurden sie nach eigenen Angaben beleidigt, es kam zu Auseinandersetzungen. Fünf Polizisten seien verletzt worden.

Am Mittwochabend sprachen die Beamten rund 250 Menschen an. Die Nacht sei insgesamt «friedlich und entspannt» verlaufen, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstagmorgen. In der Nacht zum Donnerstag kam es allerdings zu einer Schlägerei zwischen etwa sieben Männern wegen einer Wodkaflasche. Ein Verdächtiger flüchtete und wurde später festgenommen. Bei der Festnahme wurden die Beamten von einer Gruppe von bis zu 40 Männern umstellt und beobachtet, aber nicht bedrängt.

TÜBINGEN

In Tübingen versammelten sich am Mittwochabend etwa 250 Menschen am Holzmarkt. «Die Menschen reagierten einsichtig und hielten sich an die Regeln», teilte ein Polizeisprecher am Donnerstag mit. «Es war wie im Schichtbetrieb: Die eine Gruppe ging, die andere kam.» Später hielten sich am botanischen Garten teils bis zu 600 Menschen auf. Dabei kam es zu Ordnungswidrigkeiten und Verstößen gegen die Corona-Regeln. Zudem wurde ein Körperverletzungsdelikt registriert, weitere Details waren nicht bekannt. Bei der Räumung des Ortes wurde eine Flasche in Richtung der Beamten geworfen, aber niemand verletzt. «In Tübingen sind solche Ansammlungen nicht ungewöhnlich», teilte der Polizeisprecher weiter mit. Am vergangenen Wochenende wurden Zusammenkünfte junger Menschen am Holzmarkt aufgelöst.

HEIDELBERG UND MANNHEIM

Auch in der Kurpfalz kontrollierte die Polizei beliebte Treffpunkte. So hatte die Heidelberger Neckarwiese am späten Mittwochnachmittag einen deutlichen Zulauf. Gegen 19 Uhr hielten sich etwa 1500 Menschen auf der Wiese auf. Die Stimmung war entspannt, nur wenige Gruppen wurden von der Polizei angesprochen. Ein 22-Jähriger muss sich beispielsweise wegen Beleidigung und Verstoß gegen das Waffengesetz verantworten. Er trug ein Messer mit sich. Die Menschen hielten sich an das Aufenthaltsverbot ab 22 Uhr, nur noch wenige Spaziergänger liefen am Neckar entlang.

In Heidelberg war vor allem die Neckarwiese nach tumultartigen Ausschreitungen an Pfingsten ein Konfliktherd. Auf dem beliebten Freizeitareal ist der Aufenthalt von Mittwoch bis Montag jeweils von 22.00 bis 6.00 Uhr verboten. Es wurde randaliert, Polizisten wurden unter anderem auch mit Flaschen beworfen. Wegen der Ausschreitungen wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt.

Am Stephanienufer in Mannheim sammelten sich rund 800 Menschen an, durch die Jungbuschpromenade in der Innenstadt flanierten rund 250 Menschen. Den Angaben zufolge blieb es allerdings ruhig. Zwei Männer mussten versorgt werden, nachdem sie bei einem Streit mit einer abgebrochenen Glasflasche verletzt wurden.

(dpa/lsw)

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