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Unternehmen erholen sich nur langsam von Pandemiefolgen

05:31
08.06.2021
Die deutschen Unternehmen erholen sich nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) nur langsam von den Folgen der Corona-Pandemie. In Gastronomie, Hotellerie und Freizeitwirtschaft steht beinahe jedes fünfte Unternehmen finanziell vor dem Aus, wie laut «Handelsblatt» eine Sonderauswertung der DIHK-Konjunkturumfrage ergab. In der Gastronomie klagen demnach zwei von drei Unternehmen über sinkendes Eigenkapital, in der Freizeitwirtschaft ist es jedes zweite. Gesamtwirtschaftlich seien davon 24 Prozent der gut 27 000 vom DIHK befragten Unternehmen betroffen.

Besser als noch zu Beginn des Jahres beurteilten viele unternehmensnahe Dienstleister etwa aus den Bereichen Vermietung, Messe- und Kongresswirtschaft ihre finanzielle Situation. Von den Einzelhändlern klage noch ein Viertel über Liquiditätsengpässe und ein Drittel über einen Eigenkapitalrückgang.

Die finanziellen Sorgen nehmen den Angaben zufolge mit steigender Betriebsgröße ab. Während von den Firmen mit weniger als 20 Beschäftigten nur jede zweite die eigene Finanzlage als unproblematisch bezeichne, seien es bei Unternehmen mit 200 bis 1000 Mitarbeitern drei von vier. Kleinere Firmen haben schwerer Zugang zu Fremdkapital und erleben häufiger Forderungsausfälle als größere.

Die Industrie blickt optimistischer in die Zukunft und investiert wieder. Allerdings ist ein Viertel der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, die ihre Investitionspläne angehoben haben, der Umfrage zufolge trotzdem mit einer problematischen Finanzlage konfrontiert.

(dpa)

Appell vor G7-Gipfel: Patente zur Impfstoffproduktion freigeben

05:16
08.06.2021
Vor dem G7-Gipfel in Großbritannien haben regierungsunabhängige Organisationen die reichen Industrieländer aufgefordert, im Kampf gegen die Pandemie die Patente für Impfstoffe freizugeben. Auch müsse Technologie in ärmere Länder transferiert werden, um dort eine Produktion aufzubauen. «Spenden können marginal helfen, aber die Entwicklungsländer brauchen die Rechte, das Know-how und die Technologie zur eigenen, regionalen Herstellung der Impfstoffe», sagte Jörn Kalinski von Oxfam International am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur vor dem Gipfel im britischen Carbis Bay.

Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Sieben (G7) aus USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Japan kommen von Donnerstag bis Sonntag in dem Touristenort in Cornwall zusammen. Der Kampf gegen Covid-19 ist eines der zentralen Themen des Gipfels, der Freitag beginnt. Oxfam und andere in der People's Vaccine Alliance zusammengeschlossene Organisationen warnten, dass ohne eine Ausweitung der Impfungen in Entwicklungsländern das Virus weiter mutieren und heutige Impfstoffe unwirksam machen könnte.

Scharfe Kritik wurde an Deutschland und G7-Gastgeber Großbritannien geübt, die einen Vorstoß von US-Präsident Joe Biden und Ländern wie Indien und Südafrika zur vorübergehenden Aufhebung der Impfpatente «blockieren». «Mit ein paar gespendeten, überzähligen Impfdosen kann die Welt nicht geimpft werden», sagte Kalinski. «Die Covid-19-Pandemie ist eine weltweite Katastrophe, und es kann nicht sein, dass die Mittel und das Wissen zu ihrer Bekämpfung sich in Privatbesitz befinden.» Die Entwicklung der Impfstoffe sei mit Milliarden an öffentlichen Geldern unterstützt worden. «Sie sind ein globales Gut und gehören unter öffentliche Kontrolle.»

Die Technologie zur Herstellung von Impfstoffen müsse über C-TAP (Covid-19 Technology Access Pool) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an qualifizierte Hersteller weltweit weitergegeben werden. Es müsse strategisch in allen Regionen der Welt in den Kapazitätsaufbau investiert werden. «Alles andere wird scheitern», sagte Kalinski. «Alles andere würde unnötig Millionen Menschenleben gefährden.»

«Langfristig braucht Afrika eigene Produktionskapazitäten, um selbst in die Herstellung von Vakzinen einzusteigen», sagte auch Karoline Lerche von der Entwicklungsorganisation One. Die G7-Staaten hätten sich zusammen mit der EU über 2,6 Milliarden mehr Impfdosen gesichert als sie benötigten. Das Nachsehen hätten ärmere Länder: Weniger als ein Prozent der Impfungen weltweit seien Menschen verabreicht worden, die in Ländern mit niedrigem Einkommen leben. «Dieser Impfnationalismus kann Leben kosten und die Pandemie um Jahre verlängern», warnte Lerche.

Daher müssten die reichen Länder bereits jetzt beginnen, Impfdosen an ärmere Länder abzugeben, forderte Lerche. Die bisherigen Zusagen reichten nicht. «Kanzlerin Merkel muss mit gutem Beispiel und ehrgeizigen Maßnahmen vorangehen, um die anderen G7-Staaten dazu zu bewegen, die zu viel bestellten Impfdosen abzugeben.»

(dpa)

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