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Mediziner sehen Corona-Impfungen für Kinder skeptisch

04:45
28.05.2021
Nach dem Impfgipfel von Bund und Ländern hat Ärztepräsident Klaus Reinhardt vor wachsendem politischem und gesellschaftlichem Druck auf Eltern gewarnt, ihre Kinder gegen Covid-19 impfen zu lassen. «Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann», sagte Reinhardt der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Freitag).

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA will an diesem Freitag über die Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren beraten. Bund und Länder haben sich am Donnerstag darauf verständigt, dass sich Kinder dieser Altersgruppe in Deutschland ab 7. Juni impfen lassen können, falls die EU-Behörde grünes Licht gibt.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland will sich mit ihrer Empfehlung für die Impfung von Kindern ab 12 Jahren noch Zeit lassen, weil aus ihrer Sicht die Daten über Nebenwirkungen noch zu dünn sind. Sie hat angedeutet, dass sie eine Impfung womöglich nurn für vorerkrankte Kinder empfehlen könnte.

Reinhardt begrüßte das Vorgehen der Stiko. «Es sollte jetzt auch kein politischer und gesellschaftlicher Druck ausgeübt werden, Eltern zur Impfung ihrer Kinder zu drängen», mahnte der Präsident der Bundesärztekammer. «Schon gar nicht darf die Teilnahme am Präsenzunterricht von einer Impfung abhängig gemacht werden. Dies wäre nichts anderes als eine Corona-Impfpflicht durch die Hintertür.»

Auch Intensivmediziner sehen eine Impfung junger Menschen skeptisch, aber aus anderen Gründen: «Kinder erkranken häufig asymptomatisch oder im Verlauf harmlos und haben deshalb derzeit bei knappen Impfstoffkapazitäten keine dringliche Indikation für eine Impfung», sagte der Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Florian Hoffmann, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). «Im Sinne der Intensivbettenkapazitäten haben erwachsene Patienten bei der Impfung also weiterhin höchste Priorität, da diese ein relevantes Risiko eines intensivpflichtigen Verlaufs haben.»

(dpa)

WHO: Afrika braucht dringend 20 Millionen Corona-Impfstoffdosen

04:44
28.05.2021
Afrika benötigt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation(WHO) binnen der kommenden sechs Wochen mindestens 20 Millionen Impfstoffdosen des Herstellers Astrazeneca. Nur so könnten alle, die eine erste Dosis mit diesem Vakzin erhalten hätten, innerhalb des empfohlenen acht- bis zwölfwöchigen Intervalls den zweiten Piks bekommen, teilte die WHO am Donnerstag mit. Zusätzlich würden weitere 200 Millionen Corona-Impfstoffdosen benötigt, damit der Kontinent bis September 2021 zehn Prozent seiner Bevölkerung impfen könne.

Bislang wurden nach WHO-Angaben in Afrika 28 Millionen Covid-19-Dosen verschiedener Hersteller verabreicht. Das seien weniger als zwei Dosen pro 100 Menschen in Afrika. Weltweit wurden laut WHO bereits 1,5 Milliarden Corona-Impfungen verabreicht.

Die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti, sagte: «Afrika braucht jetzt Impfstoffe. Jede Pause bei unseren Impfkampagnen wird zu verlorenen Leben und verlorener Hoffnung führen.» Es sei zu früh, um zu sagen, ob Afrika an der Schwelle zu einer dritten Welle stehe. «Wir wissen jedoch, dass die Zahl der Fälle ansteigt und die Uhr tickt. Daher appellieren wir dringend an die Länder, die ihre Hochrisikogruppen geimpft haben, den Austausch von Dosen zu beschleunigen, um die am meisten gefährdeten Menschen vollständig zu schützen.»

Frankreich ist der WHO zufolge das erste Land, das Covid-19-Impfstoffe aus seinen eigenen Beständen zur Verfügung stellt und mehr als 31 000 Dosen an Mauretanien gespendet hat. Zudem habe das Land zugesagt, in den nächsten Wochen eine halbe Million weiterer Dosen an sechs afrikanische Länder zu verteilen. Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben über 100 Millionen Dosen für einkommensschwache Länder bis Ende 2021 zugesagt. Die USA haben laut WHO zugesagt, 80 Millionen Dosen einkommensschwachen Ländern zur Verfügung zu stellen.

(dpa)

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