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20210525035944

Knapp zwei Drittel der Bürger für Rückkehr zu Präsenzunterricht

03:58
25.05.2021
Knapp zwei Drittel der Bundesbürger sind unter Einhaltung von Test- und Hygienekonzepten für eine sofortige Rückkehr der Schulen zum Präsenzunterricht. 65,2 Prozent sind einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag der FDP-Bundestagsfraktion auf jeden Fall oder eher dafür. Die Umfrage liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. 24,7 Prozent sind auf jeden Fall oder eher dagegen. Jeder Zehnte ist unentschieden. Die Mehrheit für die sofortige Rückkehr zum Präsenzunterricht reicht von 78,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 55 Prozent in Bremen.

Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding sagte der dpa, jede Verzögerung einer Rückkehr zum Präsenzunterricht sei ein Bruch des Versprechens, die Schulen bei sinkenden Fallzahlen als erstes wieder zu öffnen. «Luftfilter, Schnelltests, Impfungen für Lehrkräfte ermöglichen sicheren Präsenzunterricht», sagte Suding. «Es gibt längst keinen Grund mehr, Kindern ihr Recht auf Bildung auch nur einen Tag länger zu verwehren.»

In den Ländern wird die Frage teils kontrovers diskutiert. So sollen in Nordrhein-Westfalen alle 2,5 Millionen Schüler ab dem 31. Mai wieder Präsenzunterricht erhalten - bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern. Die Landeselternkonferenz kritisierte dort, die Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI), erst bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von weniger als 50 zu öffnen, werde ignoriert.

In Niedersachsen wechseln Schulen und Kindergärten vom 31. Mai an in den Präsenz- und Regelbetrieb, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in den jeweiligen Kreisen und Großstädten stabil unter 50 liegt. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper hatte in einem Interview gesagt, sie hoffe auf «ein bisschen Normalität» an den Schulen nach den Pfingstferien. Die Brandenburger Landesregierung wollte an diesem Dienstag über die Wiederaufnahme des vollen Präsenzunterrichts an Grundschulen beraten.

Laut dem jüngsten Tagesbericht des RKI sank in den vergangenen Wochen die Sieben-Tage-Inzidenz in allen Altersgruppen, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und sieben Tagen. Covid-19-Ausbrüche beträfen vor allem private Haushalte, aber auch das berufliche Umfeld sowie Kitas und Schulen. Mehr als 112 000 Fälle sind aus Kitas, Horten und Schulen gemeldet. 46 000 Mal waren dort Beschäftigte wie etwa Lehrkräfte betroffen.

(dpa)

Virenexperte Kremsner sieht bei Impfabständen Spielraum

03:56
25.05.2021
Der Tübinger Virenexperte und Reisemediziner Peter Kremsner sieht Abweichungen bei den Abständen der Corona-Impfungen mit Blick auf die Sommerferien durchaus locker.

Die Corona-Impfstoffe hätten ihre Zulassung in Verbindung mit den entsprechenden Impfabständen erhalten und sollten auch so geimpft werden, sagte der Leiter des Instituts für Tropen- und Reisemedizin des Universitätsklinikums in Tübingen. «Nur mit guten Gründen sollte man davon abweichen.»

Doch in der Reisemedizin sei es etwa durchaus üblich, von solchen Vorgaben abzuweichen, um Menschen kurz vor einer Reise noch einen Impfschutz zu ermöglichen. Auch bei den Corona-Impfungen sei eine Abweichung von den vorgesehenen Impfabständen möglich, sagte Kremsner, der die Studie für den Corona-Impfstoff des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac leitet.

Hausärzte im Südwesten hatten berichtet, dass sie Anfragen erhielten von Menschen, die lieber mit den Corona-Impfstoffen von Biontech und Moderna geimpft werden wollten, da bei diesen die Zweitimpfung bereits nach rund sechs Wochen anstehe und so schneller ein vollständiger Impfschutz erreicht werden könne. Vollständig Geimpfte dürfen derzeit wie auch Genesene und Getestete wieder mehr Freiheiten genießen. Für den Impfstoff von Astrazeneca wird ein Abstand von zwölf Wochen zwischen den beiden Impfdosen empfohlen. Anfang Mai stellte das Bundesgesundheitsministerium es den Ärzten und Impfwilligen frei, den Abstand auf bis zu vier Wochen zu verkürzen.

Virenexperte Kremsner erinnerte daran, dass Menschen nach der ersten Impfung nicht über den vollen Impfschutz verfügten. Zudem sind der Verkürzung der Impfabstände aus Sicht Kremsners Grenzen gesetzt. «Die zweite Impfdosis bereits nach wenigen Tagen zu impfen, macht keinen Sinn.»

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, der Ulmer Virologe Thomas Mertens, sprach sich im Gespräch mit «Zeit Online» klar gegen eine Verkürzung etwa bei Astrazeneca aus. Den Abstand zu verkürzen, sei wissenschaftlich Unsinn. Wenn statt zwölf nur vier Wochen zwischen den beiden Impfungen lägen, verringere sich der Impfschutz, sagte Mertens. Bei zwölf Wochen Abstand betrage die Wirksamkeit über 80 Prozent, bei vier nur gut über 50.

Anders sieht es laut Kremsner bei einem längeren Abstand als empfohlen zwischen den beiden Impfdosen aus. Verlängere man den Abstand, habe man vor der zweiten Impfdosis vermutlich einen geringeren Schutz als sonst vorgesehen. «Doch nach der zweiten Impfung sollte der Impfschutz gleich gut sein - auch bei einem längeren Abstand zwischen den Impfungen als vorgesehen», so Kremsner.

Ob nach den Sommerferien im Herbst erneut eine Impfung notwendig sein wird, lässt sich aus Sicht Kremsners derzeit nicht sagen. Dazu fehlten noch die Daten. «Schaden wird eine dritte Impfung aber sicher nicht.» Wie lange und wie gut der Schutz einer Impfung anhalte, könne individuell sehr unterschiedlich sein. Abschätzen lasse sich das etwa durch das Messen von Antikörpern. «Doch selbst bei Impfstoffen, die wir schon sehr lange kennen, fehlt uns zum Teil die Erfahrung, wie lange sie wie gut wirklich schützen», sagte Kremsner.

(dpa/lsw)

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