Nach fast eineinhalb Jahren ohne persönlichen Kontakt hat die erste freiwillige Testperson für einen Corona-Impfstoff in Brasilien ihre Mutter wieder getroffen. «Ich bin mehr als 600 Kilometer mit dem Auto von São Paulo nach Araguari in Minas Gerais gefahren», sagte Denise Abranches, die von dem Wiedersehen zum Muttertag am Montag zurückreiste, der Deutschen Presse-Agentur.
«Das war eine Umarmung, die ich nie wieder vergessen werden», sagte Abranches (47). «Auch meine Mutter hat es sehr bewegt.» Wenigstens einen Tag habe sie mit ihrer Mutter verbringen wollen, hatte das brasilianische Nachrichtenportal «G1» sie zitiert.
Abranches, die die Abteilung für Zahnmedizin des Hospital São Paulo leitet und als Zahnchirurgin den Mund von Corona-Patienten reinigt, damit kein zusätzliches Infektionsrisiko entsteht, hatte im vergangenen Jahr an einer sogenannten Phase-III-Studie für den Astrazeneca-Impfstoff in Brasilien teilgenommen.
Tausende Freiwillige aus dem Gesundheitssektor und anderen Bereichen, in denen man dem Coronavirus verstärkt ausgesetzt ist, die sich noch nicht infiziert hatten, bekamen wie Abranches im vergangenen Jahr eine Impfung, etwa von Astrazeneca oder dem chinesische Pharmakonzern Sinovac, oder ein wirkungsloses Mittel für Kontrollwerte zum Vergleichen. Brasilien war zum Testlabor der Welt geworden.
Monatelang war Abranches fast nur zwischen Krankenhaus und Zuhause unterwegs, der tägliche Kampf gegen das Virus ist ihr Alltag. «Ich habe in diesem Krieg, an dieser Front sehr gelitten. Das waren viele Herausforderungen, vor allem mental», sagte sie der dpa.
Sechs Monate nach der Teilnahme an dem Test erfuhr Abranches, dass sie ein wirkungsloses Mittel für Kontrollwerte zum Vergleichen und nicht den Wirkstoff bekommen hatte. Von Januar an wurden im Rahmen der landesweiten Impfkampagne zuerst Denise Abranches und dann ihre Mutter Maria Vilma Pinto (74) geimpft.
«Ich war sehr angespannt, weil ich die ganze Woche über PCR-Tests gemacht habe», sagte Denise Abranches über die Tage vor dem Treffen. Seit Weihnachten 2019 hatten sich Mutter und Tochter nach eigenen Angaben nur über Videoanrufe unterhalten.