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Cybercrime nimmt zu - Angreifer interessieren sich für Impfstoff

14:31
10.05.2021
Die Attacken von Kriminellen, die in IT-Systeme eindringen, haben im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Wie der Leiter der Abteilung Cybercrime im Bundeskriminalamt (BKA), Carsten Meywirth, am Montag berichtete, stieg die Zahl der Cybercrime-Fälle im vergangenen Jahr um rund 8 Prozent auf mehr als 108 000 an. Das waren mehr als doppelt so viele bekannt gewordene Straftaten auf diesem Gebiet wie im Jahr 2015.

Unter Cybercrime im engeren Sinne versteht das BKA «Straftaten, die sich gegen das Internet, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten». Dazu zählen beispielsweise Attacken, die zu einer bewusst herbeigeführten Überlastung des Netzes einer Institution oder eines Unternehmens führen. Die größte Bedrohung für deutsche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind nach Einschätzung der Polizei sogenannte Ransomware-Angriffe, bei denen mit einer Schadsoftware Datenbestände verschlüsselt werden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte vergangene Woche in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur festgestellt, dass es bei der Cybersicherheit im Vergleich zu anderen Bereichen noch viel zu tun gebe.

Seit dem dritten Quartal 2020 wurden laut BKA zufolge vermehrte Angriffe auf Unternehmen und öffentliche Einrichtungen registriert, die bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie relevant sind. Betroffen waren demnach unter anderem Impf-Portale sowie die gesamte Impfstoff-Lieferkette. Die Polizei stellte zudem fest, dass einige Betreiber von Darknet-Plattformen versuchten, den Verkauf von Fake-Impfstoffen zu unterbinden, dies sei wohl auch «dem kontinuierlichen Strafverfolgungsdruck der letzten Jahre geschuldet», heißt es im aktuellen Bundeslagebild Cybercrime.

Das BKA sieht vor allem drei Gründe für den Anstieg im Bereich der Cyberkriminalität: mehr Tatgelegenheiten durch die stark voranschreitende Digitalisierung, eine Professionalisierung der Täter und ein wachsendes Angebot für technisch weniger versierte Kriminelle, sich Schadsoftware und andere Cybercrime-Tools quasi als Dienstleistung zu beschaffen.

Laut Polizeistatistik wurde von den in 2020 bundesweit erfassten 108 474 Cybercrime-Fällen etwas weniger als jeder dritte aufgeklärt. Die Aufklärungsquote blieb damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

(dpa)

Zahl der Anrufe bei Hilfetelefon für Frauen weiter gestiegen

13:21
10.05.2021
Die Zahl der Beratungen am bundesweiten Hilfetelefon «Gewalt gegen Frauen» ist im Corona-Jahr 2020 deutlich gestiegen. Wie aus dem Jahresbericht der Beratungsstelle hervorgeht, gab es rund 51 400 Beratungen. Das sei ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Anfragen zu häuslicher Gewalt hätten dabei überproportional zugenommen, hieß es vom Bundesfamilienministerium.

«Für viele Frauen ist dieses Hilfetelefon zum Rettungsanker geworden», sagte Familienministerin Franziska Giffey (SPD) bei der Vorstellung des Berichts am Montag in Berlin. Die Corona-Pandemie sei eine Ausnahmesituation, und wo ohnehin schon eine belastete familiäre Situation vorliege, komme es eher zu Aggressionen oder Gewalt.

Die gestiegenen Beratungszahlen lassen aber keine direkten Rückschlüsse auf tatsächlich gestiegene Fallzahlen zu. Während der Pandemie habe das Hilfetelefon eine erhöhte Medienpräsenz erzielt, hieß es vom Ministerium. «Die gestiegene Bekanntheit sorgte vermutlich für mehr Kontaktaufnahmen.» Giffey sagte, sie gehe davon aus, dass sowohl die gestiegene Bekanntheit des Angebots als auch ein tatsächlicher Anstieg der Fälle zu mehr Anrufen geführt haben.

Eine Umfrage der «Welt am Sonntag» bei Innenministerien und Landeskriminalämtern in den 16 Bundesländern hatte bereits gezeigt, dass es im vergangenen Jahr im Bereich häusliche Gewalt mehr Fälle gegeben habe. Demnach wurden 158 477 Opfer häuslicher Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner polizeilich registriert - ein Anstieg von sechs Prozent gegenüber 2019.

Das Hilfetelefon wurde im März 2013 eingerichtet. Die Nummer 08000 116 016 ist rund um die Uhr erreichbar. Rund 80 Beraterinnen helfen von Gewalt betroffenen Frauen kostenlos, anonym und vertraulich, auch in anderen Sprachen. Die Kontaktaufnahme ist auch über Chat oder E-Mail möglich. Neben der Unterstützung in akuten Krisensituationen vermittelt die Hotline betroffene Frauen und Mädchen auch an örtliche Beratungsstellen und an Frauenhäuser, wo sie Schutz suchen können.

(dpa)

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