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Virologe Drosten: «Der Sommer kann ganz gut werden in Deutschland»

03:54
10.05.2021
Der Berliner Virologe Christian Drosten hat sich zuversichtlich über den Verlauf der Corona-Pandemie im Sommer gezeigt. «Ich denke, dass wir zum Juni hin erstmals Effekte sehen, die der Impfung zuzuschreiben sind», sagte der Direktor der Virologie am Universitätsklinikum Charité am Sonntagabend im ZDF-«Heute Journal». «Der Sommer kann ganz gut werden in Deutschland.» Gerade im Außenbereich werde wieder vieles zugelassen werden können, erklärte er auf die Frage nach Urlaub, Außengastronomie und Grillen mit Freunden. Man dürfe aber nicht zu früh in «totale Euphorie» verfallen.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner lag laut RKI am Sonntagmorgen bundesweit bei 118,6 (Vortag: 121,5; Vorwoche: 146,5). Die Inzidenz geht seit etwa zwei Wochen ziemlich kontinuierlich zurück.

Für den Herbst werde die Herdenimmunität die Situation verbessern. «Die Krankheit wird im Herbst nicht verschwunden sein», Ungeimpfte würden sich weiter anstecken und erkranken können, sagte Drosten. Aber eine unkontrollierte Verbreitung werde es so nicht mehr geben.

Hinzu komme dann allerdings die Situation der noch ungeimpften kleineren Kinder. Viele Erwachsene hätten im Herbst ihre Impfung ein halbes Jahr hinter sich, und deren Schutz werde schwächer. Dabei gehe es dann weniger um die Gefahr einer eigenen Erkrankung der geimpften Erwachsenen als um das Risiko der Weitergabe des Virus an Kinder. Die Studien zu Impfungen kleinerer Kinder seien kompliziert und dauerten. «Ich bin ich nicht so sicher, ob man so schnell kleinere Kinder impfen kann», sagte Drosten.

(dpa)

Kapitel

Sonntag, 9. Mai

Run auf Astrazeneca bei Impfaktion - kurzzeitige Überlastung

18:10
09.05.2021
Ein «Astrazeneca-Impftag» für alle Erwachsenen ohne Termin hat am Sonntag Tausende Menschen zur Freiburger Messe gelockt. Vorübergehend geriet die Situation wegen der für die Organisatoren unerwartet großen Zahl der Interessenten außer Kontrolle. Dafür bat die Leitung des Zentralen Impfzentrums (ZIZ) um Verzeihung. Eine akute Gefahr für die Menschen habe aber nie bestanden.

Schon um sechs Uhr waren 1000 Menschen aus ganz Baden-Württemberg vor Ort, teils mit Wohnmobilen, teils mit Campingstühlen ausgestattet. Manche hatten die Nacht vor der Messe verbracht. Insgesamt fanden sich 2000 bis 3000 meist junge Leute ein, wie die Polizei mitteilte. Die Messe selbst zählte 3000 Interessenten vor dem ZIZ. Die Zahl der zusätzlichen Dosen des nun ohne feste Vorrangliste erhältlichen Impfstoffs lag bei nur 1400. Weil nach dem Wochenende nur noch Praxen Astrazeneca verwenden dürften, seien jetzt die Restbestände beim ZIZ aufgebraucht worden, erläuterte ein Messesprecher. Landesweit sollten die Impfzentren des Landes nur so viele Dosen bekommen, wie für die jeweiligen Zweitimpfungen in einer Woche notwendig seien.

Kurzzeitig kam es zu Ansammlungen, bei denen der Mindestabstand nicht mehr eingehalten wurde. «Wir bedauern die Situation und entschuldigen uns dafür», sagte Daniel Strowitzki, Geschäftsführer des ZIZ. Ähnliches dürfe sich nicht wiederholen.

Das ursprünglich geplante sporadische Vorbeifahren der Beamten wuchs sich angesichts der Massen zum Polizeieinsatz aus, bei dem verbale Konflikte der Wartenden etwa wegen Vordrängelns oder zu geringen Abstands geschlichtet wurden. Da zur selben Zeit der Impfbetrieb mit anderen Substanzen weiterlief, musste auch der Verkehr geregelt werden. Die Menge wurde durch drei Zeitfenster für ihre jeweilige Impfung bis in den späten Abend gegliedert. Nach drei Stunden schloss die Polizei ihren Einsatz ab, nachdem sich Menschen ohne oder mit späterem Termin zurückgezogen hatten.

Gegen Astrazeneca, ein Präparat des gleichnamigen britisch-schwedischen Pharmakonzerns, gibt es teils erhebliche Vorbehalte. Es wird nach dem Auftreten von Blutgerinnseln im Gehirn bei jüngeren Geimpften nur noch für über 60-Jährige empfohlen. Andererseits gibt es viele Jüngere, die sich gern damit impfen lassen würden, aber in der Impfreihenfolge bisher noch nicht dran waren.

(dpa/lsw)

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