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Corona bremst Provenienzforschung - Sorge um Finanzierung

04:49
21.04.2021
Die coronabedingten Einschränkungen in den Museen erschweren die sogenannte Provenienzforschung, also die Herkunftsrecherche zu Objekten in den Sammlungen. Der Dresdner Kunsthistoriker Gilbert Lupfer, Vorstand beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (Magdeburg), sieht sie «momentan stark behindert». Abstand und Zugangsbeschränkungen in Büros seien eine Herausforderung, im Homeoffice seien nur Datenpflege und Bildbearbeitung möglich. «Und wichtige externe Archive, für die Recherche etwa im NS-Bereich unverzichtbar, sind schwerer zugänglich.» Die Termin-Warteliste im Bundesarchiv reiche schon bis 2022, weil die Plätze in den Lesesälen coronabedingt reduziert sind. «Das ist ein Problem, da vieles an Akten noch nicht digitalisiert ist.»

Dabei ist laut Lupfer das Bewusstsein für die Aufgabe bei öffentlichen Institutionen in der Vergangenheit gewachsen. Das zeige sich auch im Interesse am «Erstcheck»-Angebot des Magdeburger Zentrums, dem national und international zentralen Ansprechpartner zu unrechtmäßigen Entziehungen von Kulturgut in Museen, Bibliotheken und Archiven. Damit können sich kleinere Museen oder Bibliotheken einen groben Überblick über ihren Bestand verschaffen.

Das wird laut Lupfer in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Bayern genutzt. Seit Gründung des Zentrums 2015 wurden 14 Projekte mit rund 530 000 Euro im Bereich NS-Raubgut gefördert. In diesem Jahr gingen laut Lupfer für das Frühjahr über 40 Anträge ein, «und auch für den Herbst zeichnet sich eine ähnliche Dimension ab».

Lupfer fürchtet, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie den Prozess verlangsamen und die Finanzierung zum Problem werden könnte. Fraglich sei, ob die Provenienzforschung bei knappen Kassen infolge der Pandemie in den Hintergrund rückt. Momentan sei «der beste Wille zur Förderung auch politisch da», sagt der Chef der Forschungsabteilung bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und mahnt: «Es bleibt eine wichtige und dauerhafte Aufgabe, eine moralische und politische Verpflichtung, die erledigt werden muss.»

(dpa)

Nachhilfeschulen leiden unter Corona

04:09
21.04.2021
Einkommenseinbußen bei den Eltern, null Bock auf weiteren Online-Unterricht bei den Kindern - die Nachhilfeschulen haben in der Corona-Krise einen schweren Stand. Bereits jetzt haben drei Prozent der vor der Corona-Krise noch 4000 Nachhilfeschulen aufgegeben, sagt Cornelia Sussieck, Vorsitzende des Bundesverbandes Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN/Solingen). Die Nachhilfeschulen seien in der Corona-Krise von der Politik übergangen worden. «Der Schulunterricht auf Sparflamme in der Pandemie hinterlässt bei vielen Schülern Wissenslücken - doch wir als Profis im Umgang mit Defiziten werden von der Politik nicht einbezogen», klagt die Verbandschefin.

Nach ihrer Einschätzung braucht etwa die Hälfte der Schüler aller Klassenstufen Hilfe, um den während der Schulschließungen entgangenen Unterrichtsstoff aufzuholen. «Die Kinder und Jugendlichen befinden sich gerade in einer Blase - bei der Rückkehr in den Regelbetrieb wird es für viele ein böses Erwachen geben.»

Statt Zusatzunterricht über die Nachhilfeschulen zu organisieren, so Sussieck, richte sich der Blick der Bildungspolitiker auf Lehramtsstudenten, Pensionäre und Volkshochschulen. «Wir brauchen ein solches Parallelsystem nicht - unsere Schulen werden von Schulämtern und Regierungspräsidien bereits überwacht.» Der VNN geht von einer Milliarde Umsatz im Jahr aus, wobei 360 Millionen Euro auf institutionelle Nachhilfe und 640 Millionen Euro auf den Schwarzmarkt entfielen.

Der VNN habe seit Beginn der Corona-Krise 120 Briefe an Bildungspolitiker von Bund und Ländern geschrieben, um über Fördermaßnahmen mitdiskutieren zu können - mit schwacher Resonanz, wie Sussieck berichtet. Klar ist nur, dass eine Milliarde Euro für Nachhilfe fließen wird. Das Bundesbildungsministerium betont, man sei sich mit den Ländern einig, dass sie als Verantwortliche für schulische Bildung die Hilfe in den bestehenden Strukturen verwirklichen. «Von daher ist es begrüßenswert, wenn die professionellen Nachhilfeeinrichtungen in erster Linie mit den Ländern über Konzepte der Soforthilfe sprechen», so das Ressort von Anja Karliczek (CDU).

(dpa)

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