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Forscher: Regionale Ausreisetests hochwirksam bei Corona-Bekämpfung

13:08
19.04.2021
 Die in Österreich geltenden regionalen Ausreisetests aus Gebieten mit hohen Corona-Infektionszahlen könnten sich nach Ansicht von Forschern zu einem extrem wirksamen Mittel zur Pandemie-Eindämmung entwickeln. In solchen Bezirken werde das tägliche Wachstum der Sieben-Tage-Inzidenz im Schnitt um sechs Prozent gebremst, wie Komplexitätsforscher um Peter Klimek vom Complexity Science Hub (CSH) in einem «Policy Brief» berechneten. Von dem Effekt profitieren die Regionen selbst, weil sich die Testzahlen dort erhöhen, aber natürlich auch die Nachbarregionen.

Werde der Grenzwert für diese vierwöchigen lokalen Maßnahmen von aktuell 400 im Laufe des Sommers auf eine Inzidenz von 100 gesenkt, sei damit zu rechnen, dass im Bundesschnitt in Folge dessen nach einiger Zeit nur noch um die 50 neu infizierte Personen pro 100 000 Einwohner und Woche zu verzeichnen wären, schrieben die Wissenschaftler in einem am Montag veröffentlichten Papier.

«Eine 7-Tage-Inzidenz von 50 ist im österreichischen Gesundheitssystem nachhaltig managebar», schreiben die Forscher aufgrund ihrer Modellrechnungen. Bei Öffnungsschritten solle daher das Konzept der Ausreisetests keinesfalls aufgegeben werden, sondern im Gegenteil der Grenzwert mit fallenden Fallzahlen schrittweise auf 25 gesenkt werden. «Diese Präventionsstrategie führt auch mittelfristig zu einer sehr niedrigen Wahrscheinlichkeit, dass eine Region zur Hochinzidenzregion wird, und ist ein zentraler Baustein zur pandemischen Kontrolle.»

Die Annahmen der Forscher basieren auf Analysen der Situation von 14 politischen Bezirken oder Gemeinden, in denen Ausreisetests bisher verordnet wurden. Auch durch
verminderte Mobilität und Kontakthäufigkeit ebbe eine Welle unter diesen Bedingungen rascher ab, hieß es.

Wer aus Gebieten mit sehr hoher Inzidenz ausreisen will, braucht einen maximal 48 Stunden alten negativen Antigentest oder einen höchstens 72 Stunden alten negativen PCR-Tests. Es wird jeweils stichprobenartig kontrolliert. Ausnahmen bestehen unter anderem für die Durchreise ohne Zwischenstopp.

(dpa)

Weiterbildung im Mittelstand bricht in Corona-Krise ein

13:06
19.04.2021
Vielen mittelständischen Firmen fehlt es in der Krise an Geld und Zeit für die Weiterbildung der Beschäftigten. Die Förderbank KfW fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Mittelständische Firmen haben die Weiterbildungsangebote für ihre Beschäftigten in der Corona-Krise einer Studie zufolge zusammengestrichen. Nach der am Montag veröffentlichten Analyse der staatlichen Förderbank KfW lag die Weiterqualifizierung bei der Hälfte aller Mittelständler, das waren rund 1,89 Millionen Unternehmen, im vergangenen Jahr auf Eis. KfW und Mittelstandsverband BVMW fürchten um die Wettbewerbsfähigkeit von kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland.

«Die betriebliche Weiterbildung wurde im Jahr 2020 durch die Corona-Krise hart ausgebremst, weil es vielen Unternehmen an Geld, Zeit und Planungssicherheit mangelt», erläuterte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. So reduzierten 38 Prozent der kleinen und mittleren Firmen die Weiterbildungsaktivitäten für ihre Belegschaft, gut jedes zweite davon (20 Prozent) auf null, wie aus der Befragung im Rahmen des KfW-Mittelstandspanels hervorgeht. Weitere 29 Prozent der Mittelständler führten unverändert gar keine Fortbildung durch. Zuvor hatte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Montag) darüber berichtet.

In der Krise gehe es für viele Unternehmen ums Überleben, erläuterte die KfW. Der Studie zufolge hat jeder zweite Mittelständler, der sich in seiner Existenz bedroht sieht (25 Prozent), die Weiterbildung der Belegschaft eingestellt. Ein weiteres Problem: Fortbildungen finden normalerweise überwiegend als Präsenzveranstaltung statt. Das ist in der Pandemie nur schwer mit dem Infektionsschutz vereinbar. Digitale Weiterbildungsangebote lassen sich der KfW zufolge nicht ohne Weiteres beliebig ausweiten.

Köhler-Geib fürchtet angesichts der Entwicklung um die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes, der als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gilt. «Fehlende Kompetenzen der Beschäftigten sind eine der größten Hürden der Digitalisierung im Mittelstand.» Schon vor der Krise habe ein Drittel der Unternehmen Engpässe bei Digitalkompetenzen gehabt.

«Ohne eine erhebliche Steigerung der Weiterbildungsaktivitäten – am besten noch während der Krise – wird die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands Schaden nehmen», mahnte Köhler-Geib. Die Unternehmen seien mehr als zuvor auf Unterstützung bei der Weiterbildung angewiesen. Hierzu könnte neben Förderkrediten und Kostenerstattung auch eine steuerliche Förderung von Weiterbildungsausgaben gehören, regte die Ökonomin an.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) befürchtet, das ohne verstärkte Anstrengungen in der Weiterbildung insbesondere bei den Digitalkompetenzen in den kommenden Jahren eine wachsende Qualifikationslücke droht. «Jetzt bedarf es zusätzlicher Hilfen des Staates, um die Weiterbildungsaktivitäten im Mittelstand während der Krise zu fördern», sagte BVMW-Bundesgeschäftsführer Markus Jerger. Der Verband schlug Förderkredite und steuerliche Erleichterungen vor.

Die Unternehmen selbst sehen den Angaben zufolge ebenfalls Weiterbildungsbedarf, besonders bei Digitalkompetenzen. Knapp die Hälfte der Mittelständler (46 Prozent) hatte in diesem Bereich zu Beginn dieses Jahres mittleren oder großen Bedarf. Das ist den Angaben zufolge inzwischen mehr als bei den berufsfachlichen Kernkompetenzen (44 Prozent) oder jedem anderen Thema. 

(dpa)

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