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Energiekonzern RWE will Beschäftigte gegen Corona impfen

10:26
17.04.2021
Der Energiekonzern RWE steht in den Startlöchern, um Beschäftigte gegen das Coronavirus zu impfen. «RWE könnte nächste Woche loslegen – wenn es Impfstoff für die Betriebe gibt», sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz der «Rheinischen Post» (Samstag). «Unsere 17 Betriebsärzte stehen bereit, sie könnten 80 bis 100 Mitarbeiter am Tag impfen. Dann wären wir in zwei Wochen mit der Belegschaft durch und würden anschließend anbieten, die Familien der Mitarbeiter zu impfen.» An vielen Standorten seien Test- und Impfstraßen schon eingerichtet.

Zudem seien zahlreiche Schnelltests und Selbsttests geordert worden, damit sich alle Mitarbeiter, die nicht von zu Hause arbeiten, regelmäßig testen könnten. Von einer Testpflicht für Unternehmen halte er jedoch nichts, sagte Schmitz.

Schmitz kritisierte die deutsche Impfkampagne. Es werde zunehmend schwieriger, Verständnis aufzubringen. «Warum hat man die Hausärzte nicht früher einbezogen? Warum gibt es immer noch nicht genug Impfstoff?» Großbritannien habe es besser gemacht, «dort sind viele unserer Kollegen bereits geimpft».

Auch zahlreiche andere Unternehmen signalisierten in den vergangenen Tagen ihre Bereitschaft, Mitarbeiter von Betriebsärzten impfen zu lassen. Mehr als Pilotprojekte sind aber bisher nicht absehbar.

Denn auf die Forderung, Impfungen in Betrieben rasch voranzutreiben, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zuletzt mehrmals auf den wenigen verfügbaren Impfstoff verwiesen. Die Betriebsärzte sollten nach Hausärzten in die Impfaktion einsteigen. In dieser Woche griff Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Forderung auf und schlug Beratungen zwischen Bund und Ländern vor. Spahn hatte mit Blick auf die Rangfolge gesagt, er finde es schwierig, jüngere Mitarbeiter von Unternehmen zu impfen, solange die Älteren noch nicht geschützt seien.

(dpa)

Bühnenverein: Begründung für Infektionsschutzgesetz «fatales Zeichen»

10:25
17.04.2021
Mit der geplanten Novelle des Infektionsschutzgesetzes sehen sich Theater in Deutschland in großer Unsicherheit vor dem Pandemie-Sommer. In den Plänen der Bundesregierung gebe es keine Differenzierung zwischen drinnen und draußen, kritisierte der Präsident des Bühnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda. «Zum momentanen Zeitpunkt fordert keiner, dass man draußen etwas machen kann», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Aber wir müssten die nächsten Tage und Wochen nutzen, um da vielleicht zu mehr Differenzierung zu kommen, weil natürlich draußen etwas anderes ist als drinnen.»

Brosda verwies darauf, dass viele Theater spätestens ab dem Frühsommer viele Dinge nach draußen verlagern wollten, «damit wir überhaupt wieder ein kulturelles Leben anfangen können. Viele haben Planungen, draußen Bühnen aufzustellen und dort zu spielen.» Das sei teilweise auch im vergangenen Sommer schon gemacht worden.

«Natürlich wächst bezüglich dieser Pläne jetzt die Unsicherheit, wenn da so eine harte und auch durch nichts aufzuweichende Kante mit dieser Hunderterinzidenz in einem Gesetz steht», kritisierte Brosda. «Das so unterschiedslos zwischen Indoor und Outdoor zu halten, sorgt gerade für eine ganze Menge Verunsicherung.»

Brosda hofft nach seinen Worten, «dass wir da noch einen klugen Weg finden, wie wir diese Unsicherheit nehmen und damit auch das Planen für das Wiederaufnehmen des kulturellen Betriebs perspektivisch erleichtern können».

Auch den Stopp von Modellen für Tests wie etwa mit Theatern in Berlin sieht der Bühnenverein kritisch. «Es ist natürlich ärgerlich, dass jegliche Form von Modellprojekten nicht mehr möglich ist.» Das habe aber auch damit zu tun, «dass einige in den vergangenen Wochen etwas über die Stränge geschlagen haben in der Interpretation, was denn ein Modellprojekt ist und dann flächendeckend ganze Bundesländer zu Modellregionen erklärt haben», sagte Brosda mit Verweis auf das Saarland.

«Das führt dazu, dass die sinnvollen und präzisen kleinen Projekte nicht mehr möglich sind und damit auch durchs Raster fallen», sagte er. «Wir müssen jetzt zusehen, wie wir uns darauf vorbereiten, dass wir bei Inzidenzwerten unter 100 mit der Kultur trotzdem nach dem vereinbarten Stufenplan sofort wieder schrittweise anfangen können.» Das werde aber schwieriger, «denn jetzt müssen wir die ganzen Fragen aus dem Trockendock heraus beantworten, weil wir nicht mal ausprobieren können».

Brosda sieht in der Kulturszene eine große Akzeptanz für schnelle, harte Maßnahmen. «In der Kultur sagen eigentlich fast alle: Da wir ja seit November im kompletten kulturellen Lockdown sind, wäre es schön, wenn die Notbremse jetzt flächendeckend und übergreifend so rigide ist, dass es dann auch eine Perspektive darauf gibt, wieder anzufangen.»

Mit der Novelle sieht der Bühnenverein die Stellung der Kultur erneut erschüttert. «Wer den Begründungstext für die Kulturklausel liest, in dem steht, dass man das machen kann, weil es ja Hilfsprogramme für die Einnahmeausfälle gibt, der möchte die Debatte über die Frage, ob Politik eigentlich die Rolle und den Wert von Kultur versteht, nochmal neu führen», sagte Brosda. «Wenn das tatsächlich der gesamte Abwägungsraum sein soll, dann halte ich das für ein fatales Zeichen.»

Die Gesellschaft müsse sich immer wieder klar machen, «dass wir uns mit den aktuellen Beschränkungen auf einer ideellen Basis so viel mehr nehmen als nur die Einnahme- und Erlösoptionen für Künstler und Kulturinstitutionen». Dafür müsse die Politik auch ein Bewusstsein schaffen. «Wenn wieder mal nicht gezeigt wird, dass es sich um einen besonderen gesellschaftlichen Bereich handelt, dann wird das wieder Akzeptanzprobleme schaffen, die einfach unnötig sind und die man verhindern könnte, wenn man sensibel wäre für das Ideelle, für das eben nicht bloß materiell Erfassbare.»

Brosda macht Frust in der Szene aus. «Da ballt der eine oder andere die Faust in der Tasche und sagt: Jetzt reduziert uns nicht schon wieder aufs Materielle. Es geht um so viel mehr und zwar auch gerade jetzt in der Pandemie. Es geht um Sinn.»

(dpa)

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