Letztes Update:
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Mehr Lastwagenverkehr als vor der Krise

07:13
09.04.2021
Auf den deutschen Straßen ist von einer Corona-Krise nichts zu spüren. Im März lag die Fahrleistung der mautpflichtigen Lastwagen nicht nur deutlich über den Werten aus dem Februar und aus dem März 2020, sondern auch 4,8 Prozent über dem Durchschnitt der Vorkrisenzeit, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete. Der seit 2015 berechnete Transport-Index, der eng mit der inländischen Industrieproduktion zusammenhängt, kletterte im März auf den zweithöchsten jemals festgestellten Wert. Lediglich im Dezember 2020 waren kalender- und saisonbereinigt noch mehr Lastwagen unterwegs.

(dpa)

Esken: Notbremse auf Bundesebene regeln

07:13
09.04.2021
Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat sich dafür ausgesprochen, die sogenannten Notbremse gegen die Corona-Pandemie auf Bundesebene gesetzlich zu regeln. Sie machte aber deutlich, dass die Länder darauf nicht warten müssen, sondern gehalten seien, sie gegebenenfalls bereits jetzt umzusetzen. «Bei Inzidenzen größer als 100 greift die Notbremse - auch dieser Teil der Vereinbarung muss in allen Ländern konsequent umgesetzt werden. Es ist sinnvoll, die Notbremse im Bundesgesetz klar zu regeln, aber darauf warten muss auch ein MP Laschet nicht», schrieb Esken am Freitag auf Twitter mit Blick auf den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, der einen kurzen harten Lockdown gefordert hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder hatten sich darauf geeinigt, ab einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und Woche schärfere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, also die sogenannten Notbremse zu ziehen und Lockerungen zurückzunehmen. Die rechtliche und praktische Umsetzung obliegt aber den Ländern - nicht alle setzen dies konsequent durch. Deshalb hatte Merkel angekündigt, notfalls eine Bundesregelung anzustreben. Unionsabgeordnete werben bei Fraktionskollegen bereits für eine entsprechende Initiative.

Esken schrieb weiter: «Um die dritte Welle mit der Virusvariante B117 zu bestehen, müssen wir weiterhin Kontakte reduzieren, beruflich wie privat, und uns auf eine kleine, klar definierte Kontaktgruppe (Social Bubble) beschränken. In Betrieben wie in Schulen muss gelten: Keine Präsenz ohne Test.»

(dpa)

Gefühle im Lockdown - Aggressivität und Ignoranz in der dritten Welle

04:49
09.04.2021
Deutschlands Psychotherapeuten fordern von Bund, Ländern und Kommunen einen stärkeren Schutz der Menschen vor psychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie. «Neben Ängsten und Depressionen nehmen auch Anspannung und Aggression zu, oft zeigen sie sich, oft werden sie verdrängt», sagte der Präsident der Psychotherapeutenkammer, Dietrich Munz, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Wenn nun aber der Lockdown trotzdem verlängert und verschärft werden muss, wäre es wichtig, dass nicht nur wirtschaftliche Entschädigung fließt.»

Dass sich die Krise durch die dritte Welle momentan immer weiter zuspitzt, ist nach Ansicht von Munz Folge von Ignoranz gegenüber steigenden Infektionszahlen früher im Jahr. Dass die dritte Welle kommen würde, sei früh erkennbar gewesen. «Wir haben als Menschen die Tendenz, kleinere Warnsignale zu ignorieren, um das Lustvolle machen zu können. Das hat sich gerächt.»

Die Perspektive eines Impfangebots für alle und eines Endes der Einschränkungen sei für die seelische Widerstandsfähigkeit zentral. «Wir brauchen ein erreichbares Ziel», sagte Munz. Die dritte Welle mit der britischen Mutante und einem schärferen Lockdown schiebe sich aber wie ein großer Schatten vor die Perspektive. «Die Selbstheilungskräfte scheinen bei vielen allmählich erschöpft zu sein.» Laut des im März veröffentlichten «Deutschland Barometer Depression» empfanden fast drei Viertel (71 Prozent) der Bundesbürger die Situation im zweiten Lockdown als bedrückend.

LOCKDOWN UND AGGRESSIVITÄT:

Andauernder Lockdown begünstigt nach Ansicht des Kammerpräsidenten aggressiveres Verhalten - doch man könne etwas dagegen machen. «Stress bringt immer eine Zunahme von Aggressionspotenzial mit sich.» Unkontrollierbare Angst bedeute Stress. «Angst bewirkt innere Aktivierung für unsere zwei typischen Reaktionen: Fliehen oder Dagegenhalten», sagte der Psychologe und Therapeut. Aktiv zu werden sei kaum möglich - in der Pandemie würden die Menschen zur Passivität verurteilt.

«Deshalb führt die Aktivierung durch Angst bei vielen zur Aggressivität - gegenüber Mitmenschen, bei manchen auch gegenüber der Politik oder sogar der Wissenschaft, die uns das vermeintlich alles eingebrockt hat», sagte er. Laut «Depressions-Barometer» halten 46 Prozent der Bundesbürger Mitmenschen für rücksichtsloser als im Lockdown Anfang 2020. Munz betonte, Stress und Aggression könnten durch Bewegung abgebaut werden. «Die Menschen sollten im Lockdown Sport machen, zügig gehen, walken, joggen, Rad fahren oder auch Fitness mit digitalen Angeboten – wie es ihnen am ehesten liegt.»

KINDER UND JUGENDLICHE:

Vor allem viele Kinder und Jugendliche litten unter dem Lockdown. Sie müssten für ihre Entwicklung eigentlich Alltag mit Gleichaltrigen teilen können. Logopädinnen und Logopäden berichteten bereits von vermehrten Störungen bei der Sprachentwicklung. «Wenn Kindergärten und Schulen erstmal nicht in Präsenz weitermachen können, muss mehr gegen entstandene Entwicklungsdefizite getan werden.» Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien stärker betroffen.

«Bei den Minderjährigen ist der erste Schritt, die Kinder zu identifizieren, die aktuell und vor allem auch nach Abklingen der Pandemie Unterstützung brauchen», sagte Munz. «Lehrkräfte wissen nach monatelangem Homeschooling oft genau, welche Schülerinnen und Schüler abdriften.» Für diese sollten zusätzliche Betreuungs- und Unterstützungsmöglichkeiten durch Schulpsychologen geschaffen werden. «Eine Idee wäre, dass Länder und Kommunen den Einsatz von Studierenden auch noch vor einem Abschluss möglich machen. Sie könnten etwa eine Patenschaft für ein Kind übernehmen.» Gerade bei wärmeren Temperaturen wären verstärkt Angebote im Freien denkbar.

SINGLES UND PAARE:

Einsamkeit - ein verstärktes Problem sei dies jetzt bei Singles. Viele Menschen, die akut belastet seien, entwickelten dadurch aber noch keine psychische Erkrankung. «Ihnen wäre mit niedrigschwelligen Hilfsangebote gedient», sagte Munz. «Doch gerade diese fallen häufig weg, denn das sind meist Gruppenangebote, Kontaktvermittlung, Treffpunkte, gemeinsame Aktivitäten.»

Aber nicht nur Rückzug und Alleinsein sind ein Problem. «Bei vielen Paaren und Familien erzeugt die Enge oft Stress», sagte Munz. «Unter normalen Umständen pendeln wir zwischen Nähe und Distanz.» Es gebe viele Hinweise über mehr Gewalt und sexuelle Übergriffe in Familien schon im ersten Lockdown. Wenn alle immer zuhause sind, gebe es für Betroffene wenig unkontrollierte Zeiten, etwa um ein Frauenhaus anzurufen. «Stärkere Aufklärung zur Vermeidung von psychischer Anspannung und aggressiven Auseinandersetzungen wäre wichtig.»

PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN:

«Wenn die Pandemie abklingt, dürften die psychischen Erkrankungen spürbar zunehmen», sagte Munz. Schon heute stellten mehr Patienten Anfragen an Therapeuten als noch vor einem Jahr. Sie könnten über die Terminhotline der Ärzte zwar meist problemlos eine Sprechstunde bei einem Therapeuten ausmachen. Doch werde Behandlungsbedarf festgestellt, warteten rund 40 Prozent der Patientinnen und Patienten mindestens drei bis neun Monate auf den Beginn einer Behandlung.

«Wir haben einfach zu wenig Behandlungsplätze», sagte Munz. 2018 habe ein offizielles Gutachten eine Lücke von 2400 Stellen festgestellt, 800 mehr seien es geworden. Um das Angebot an Psychotherapie rasch zu vergrößern, sollten auch Privatpraxen bis Ende des Jahres Menschen mit Beschwerden auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen versorgen können. Langfristig müssten mehr Praxen zugelassen werden.

(dpa)

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