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Kontroverse im Parlament um Bundes-Notbremse

13:54
16.04.2021
Es gibt Streit um den Pandemiekurs der Regierung und Zweifel an den geplanten Ausgangsbeschränkungen. Doch auch Teile der Opposition wollen jetzt handeln.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zur Eile bei der geplanten bundesweiten Corona-Notbremse aufgerufen.

"Jeder Tag früher, an dem die Notbremse bundesweit angewandt ist, ist ein gewonnener Tag", sagte Merkel mit Blick auf die drohende Überlastung der Krankenhäuser in der ersten Beratung des Bundestags.

Eine hitzige Debatte entzündete sich an den geplanten Ausgangsbeschränkungen ab 21 Uhr. Eine generelle Ablehnung der Pläne signalisierten die AfD und die Linke, wenngleich auch die FDP mit Verfassungsklage drohte. Unterdessen wurden 25.831 neue Coronafälle gemeldet.

Merkel sagte: "Das Virus verzeiht keine Halbherzigkeiten, sie machen alles nur noch schwerer. Das Virus verzeiht kein Zögern, es dauert alles nur noch länger. Das Virus lässt nicht mit sich verhandeln, es versteht nur eine einzige Sprache, die Sprache der Entschlossenheit." Im Bundestag wird nun fieberhaft über Details des geplanten Gesetzes verhandelt. Am Mittwoch soll es beschlossen werden. Kurz darauf soll der Bundesrat sein Votum abgeben. Kontaktbeschränkungen zum Brechen der dritten Welle sollen in Kreisen und Städten ab einer Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in einer Woche greifen. Am Donnerstag hatten 351 von 412 Kreise die Schwelle überschritten.

"Die Intensivmediziner senden einen Hilferuf nach dem anderen - wer sind wir denn, wenn wir diese Notrufe überhören würden?", so Merkel. Die Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte könnten den Kampf alleine nicht gewinnen. Merkel ordnete das Gesetz als Schritt in Richtung Überwindung der Pandemie ein. "Die Notbremse ist also das Instrument, die drohende Überlastung unseres Gesundheitswesens zu verhindern. Systematisches Testen ist das Mittel bei niedrigeren Inzidenzen, konsequente, nachhaltige Öffnungen zu ermöglichen. Impfen ist der Schlüssel, die Pandemie zu überwinden."

Mit Blick auf den Frühjahrslockdown 2020 sagte Merkel: "Wir haben es doch schon einmal geschafft, wir können es jetzt wieder schaffen." Die Politik mache es den Bürgerinnen und Bürgern nicht leicht. Die übergroße Mehrheit der Menschen in Deutschland helfe aber bereits unverändert durch Einhaltung der Schutzmaßnahmen mit.

Trotz kritischer Haltung versicherte auch FDP-Chef Christian Lindner der Koalition Zustimmung für eine größere Rolle des Bundes. "Es ist richtig, dass nun bundeseinheitlich gehandelt wird", sagte er. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel hingegen sprach von einem Angriff auf Grund- und Freiheitsrechte. "Sie misstrauen den Bürgern, deshalb wollen Sie sie tagsüber gängeln und nachts einsperren", sagte Weidel. Die Regierung nutze die Corona-Krise, um sonst unmögliche Eingriffe durchzusetzen. Weidel sprach von "Notstandsgesetzgebung durch die Hintertüre". Grüne und Linke warfen der Regierung außerdem vor, das Wirtschaftsleben in dem Gesetz nicht ausreichend zu berücksichtigen. In der Wirtschaft gebe es faktisch null Beschränkung, kritisierte der Linken-Politiker Klaus Ernst.

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch warf der Regierung Scheitern vor. "Wir haben seit November einen permanenten Halb-Lockdown, und Sie sind immer nach der Welle." Bartsch stellte raschere Fortschritte beim Impfen wie in den USA und eine nationale Teststrategie als Lösungen dagegen. Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) entgegnete: "Das ist an Linkspopulismus nicht zu überbieten."

Auch mehrere andere Abgeordnete der Koalition betonten, das Gesetz sei wichtig.

AUSGANGSBESCHRÄNKUNGEN - WIE WEITGEHEND?

Mit Blick auf die geplanten Ausgangsbeschränkungen kündigte Lindner Vorschläge an, das Gesetz "verfassungsfest" zu machen. Die FDP werde vors Bundesverfassungsgericht ziehen, wenn auf die Bedenken nicht eingegangen werde. Bisher sei geplant, "dass ein geimpftes Ehepaar aufgrund eines Ausbruchs kilometerweit entfernt in einem einzelnen Betrieb daran gehindert wird, alleine nach 21 Uhr vor die Tür zu treten zum Abendspaziergang". Merkel verteidigte die Pläne. Andere Staaten hätten solche Maßnahmen "zum Teil erheblich restriktiver" praktiziert. "Es geht darum, abendliche Besuchsbewegungen von einem Ort zum anderen – im Übrigen auch unter Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs - zu reduzieren." Die Vorteile überwögen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: "Es wird alleine nicht reichen, aber in keinem Land ist es gelungen, eine Welle mit Variante B.1.1.7 noch einmal in den Griff zu bekommen, ohne dass man nicht auch das Instrument der Ausgangsbeschränkung, und nicht -sperre, genutzt hätte."

Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz setzte eine abendliche Ausgangssperre aus, nachdem das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren die aufschiebende Wirkung angeordnet hatte. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist gegen Ausgangsbeschränkungen und für mehr Tests, wie er im WDR sagte.

STREIT UM SCHULE:

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte: "Erst ab einer Inzidenz von 200 zu handeln, ist zu spät", das sei kein Schutz für Schüler und Schülerinnen und kein Schutz für Eltern. Geplant ist, dass Schulen in Kreisen und Städten mit über 200 Corona-Neuinfektionen pro Woche und 100 000 Einwohnern keinen Präsenzunterricht mehr anbieten. Ab einer Inzidenz vom 100 soll es bei Präsenzunterricht zwei Corona-Tests pro Woche geben. "Wir wissen, dass die Mutation jetzt sehr stark Kinder betrifft, dass die Kinder ihre Eltern anstecken", sagte Göring-Eckardt. Die Grünen wollten entsprechende Nachbesserungen. Zugleich kritisierte sie, dass das Gesetz nicht schneller als geplant auf den Weg gebracht werden soll.

NICHT NUR FRUST:

In der Pandemie hat sich die Lebenszufriedenheit vieler Bürger einer Umfrage zufolge in einigen Bereichen verbessert. So schätzen zahlreiche Erwachsene ihre Gesundheit wie ihren Schlaf als deutlich besser ein, wie Daten des "Sozio-oekonomischen Panels" mit mehr als 6500 Menschen zeigen, die im April und Juni 2020 sowie Januar 2021 befragt wurden. Etwa Anfahrtswege zur Arbeit entfielen. Einbußen gibt es demnach bei Freizeit und Familienleben.

Der Philosoph Richard David Precht wies auf die überschaubare Dauer der geplanten Grundrechtseinschränkungen hin: "Ich habe keine Befürchtungen, dass hier maßlos überreagiert wird oder die Grundrechtseinschränkungen nicht sofort wieder rückgängig gemacht werden, sowie wir aus dem Gröbsten der Pandemie raus sind", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

Tests auch in Mainleus und Stadtsteinach

13:37
16.04.2021
Das Schnelltestkonzept im Landkreis Kulmbach wird ausgebaut. Es werden auch weiterhin Helfer der Bundeswehr in den Testzentren eingesetzt.

Kulmbach - Neben den bereits bestehenden Schnelltestzentren in Kulmbach, Kupferberg und in Thurnau eröffnet der Landkreis Kulmbach mit Unterstützung des Kreisverbandes Kulmbach des Bayerischen Roten Kreuzes in der kommenden Woche zwei zusätzliche Stationen in Mainleus und Stadtsteinach. Das ist einer Pressemitteilung des Landratsamtes zu entnehmen.

Ab 19. April besteht in der Sommerhalle in Mainleus montags, donnerstags und am Samstag jeweils von 10 bis 12 Uhr und ab 20. April im Rot-Kreuz-Haus in Stadtsteinach dienstags von 15 Uhr bis 17 Uhr die Möglichkeit einer Schnelltestung.

Zusätzlich werden die Öffnungszeiten des Schnelltestzentrums des BRK-Kreisverbandes am Rot-Kreuz-Platz 1 in Kulmbach erweitert. Ab sofort kann man an Wochentagen dort von 6 bis 19 Uhr einen Schnelltest bekommen. Lediglich zwischen 12 und 13 Uhr ist geschlossen. Am Samstag wird von 13 bis 16 Uhr getestet.

„Wir sind dem Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold und den fleißigen Mitarbeitern des BRK dankbar dafür, dass sie das Schnelltestkonzept des Landkreises so tatkräftig unterstützen“, sagt Landrat Klaus Peter Söllner.

„Zudem freuen wir uns, dass uns auch acht Mitarbeiter der Bundeswehr weitere drei Wochen erhalten bleiben. Ohne sie könnten wir dieses Angebot an unsere Bevölkerung nicht machen.“

Die Schnelltestzentren:

Kulmbach
BRK-Kreisverband, Rot-Kreuz-Platz 1: Montag bis Freitag von 6 bis 12 Uhr und von 13 bis 19 Uhr. Am Samstag von 13 bis 16 Uhr.

Kupferberg
Stadthalle: Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 11 bis 14 Uhr.

Thurnau
Schützenhaus: Dienstag und Donnerstag jeweils von 11 bis 14 Uhr und am Samstag von 8 bis 11 Uhr.

Mainleus
Sommerhalle, Heinersreuther Str.: Montag, Donnerstag und Samstag von 10 bis 12 Uhr.

Stadtsteinach
Rotkreuz-Haus: Dienstag von 15 bis 17 Uhr.

Die Möglichkeit eines PCR-Tests mit Termin in der Kulmbacher Abstrichstelle in der Flessastraße bleibt ebenfalls weiterhin bestehen.

In folgenden Apotheken sind Schnelltests möglich:

Kulmbach
Stern-Apotheke, Melkendorfer-Str. 9: Montag 9 bis 11 Uhr, Donnerstag 9 bis 11 Uhr, Freitag 9 bis 11 Uhr.

Apotheke im Fritz, Fritz-Hornschuch-Straße 9: Dienstag 9 bis 11 Uhr, Mittwoch 9 bis 11 Uhr.

Stadtsteinach
Frankenwald-Apotheke, Kronacher Str. 10, Tel. 09225/ 95-67-33: Donnerstag und Freitag, jeweils von 8 bis 18.30 Uhr (nur nach telefonischer Terminvergabe), Samstag 8 bis 12.30 Uhr (nur nach telefonischer Terminvergabe).

Neuenmarkt
Apotheke Neuenmarkt Schützenstr. 2: Mittwoch und Freitag von 8.30 bis 9.30 Uhr.

Neudrossenfeld
Apotheke am Schlossberg: Mittwoch 15 bis 17 in der Geflügelzuchthalle, Samstag 10 bis 12 Uhr in der Geflügelzuchthalle.

Weitere Infos unter der Internetadresse www.landkreis-kulmbach.de/coronavirus