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Nach Merkel-Kritik: Ministerpräsidenten verteidigen Corona-Linie

11:55
29.03.2021
   

Die Kanzlerin hat ein Machtwort gesprochen: Die Länder müssten ihre Lockdown-Versprechen umsetzen und konsequent die Notbremse ziehen. Doch viele Ministerpräsidenten sehen keinen Grund zum Handeln.

Berlin - Nach der deutlichen Kritik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Vorgehen verschiedener Länder im Corona-Lockdown haben mehrere Ministerpräsidenten ihre Linie verteidigt.

   

Unter anderem Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Niedersachsen und das Saarland sahen am Montag zunächst keinen Grund für schnelle Anpassungen. CDU-Parteichef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wies die Kritik für sein Land zurück. "Nordrhein-Westfalen hat die Notbremse flächendeckend verpflichtend für alle Landkreise per Verordnung umgesetzt."

"Jeder will, dass die Infektionszahlen runtergehen, und jeder hat für sein Land entsprechende Maßnahmen gemacht", sagte Laschet am Montag in Berlin nach einer Sitzung des CDU-Präsidiums. Er räumte ein, dass diese Maßnahmen "sehr unterschiedlich" seien.

Ausdrücklich verteidigte der CDU-Chef auch das unter anderem in Berlin geplante Konzept, Einkaufsmöglichkeiten mit Terminvergabe und Vorlage eines negativen Coronatests zu schaffen. Das sei eine Möglichkeit unter vielen, mehr infizierte Menschen zu entdecken und Infektionsketten zu durchbrechen.

Merkel hatte am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will" massiven Druck auf die Länder ausgeübt, um diese zum Umsetzen der Notbremse und schärferer Maßnahmen gegen die dritte Infektionswelle zu bewegen. Modellprojekten erteilte sie eine klare Absage - und deutete an, notfalls könne der Bund tätig werden, wenn die Länder nicht handelten. "Wir müssen mit einer großen Ernsthaftigkeit jetzt die geeigneten Maßnahmen einsetzen. Und einige Bundesländer tun das, andere tun es noch nicht", sagte Merkel. Wenn "in sehr absehbarer Zeit" nichts passiere, müsse sie sich überlegen, wie sich das vielleicht auch bundeseinheitlich regeln lasse.

Ein Möglichkeit ist laut Merkel, "das Infektionsschutzgesetz noch mal anzupacken und ganz spezifisch zu sagen, was muss in welchem Fall geschehen". Auch Innenminister Horst Seehofer sprach sich dafür aus, dass der Bund stärker das Ruder übernimmt. Dafür könne entweder das Infektionsschutzgesetz präzisiert oder ein eigenes Gesetz beschlossen werden, sagte der CSU-Politiker der "Süddeutschen Zeitung".

Eine Gesetzesänderung müssten allerdings Bundestag und Bundesrat beschließen. Bislang ist die nächste Sitzung des Bundestags für Mitte April geplant. In der gleichen Woche wollen die Ministerpräsidenten un Ministerpräsidentinnen erneut mit Merkel über die Pandemie beraten. Derzeit gebe es keine Pläne, diese Beratungen vorzuziehen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Stattdessen sei jetzt nötig, dass die Länder das Versprochene auch umsetzten.

Bund und Länder hatten vereinbart, dass bereits umgesetzte Lockerungen der Corona-Regeln wieder zurückgenommen werden müssen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Land oder einer Region drei Tage lang bei über 100 liegt. Das betrifft Öffnungen des Einzelhandels, von Museen, Zoos oder Sportanlagen. Die Länder hatten diese Regelung jedoch unterschiedlich konsequent umgesetzt.

Die rot-schwarz-grüne Landesregierung in Brandenburg sieht sich auf dem Kurs des Bund-Länder-Beschlusses. "Brandenburg setzt die 100er-Notbremse auf Kreisebene um", teilte Regierungssprecher Florian Engels mit. Hinzu kämen Ausgangsbeschränkungen von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr in der Osterzeit. Das Kabinett wolle am Dienstag über kommunale Modellprojekte beraten.

Der Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans (CDU), verteidigte laut Teilnehmerangaben im CDU-Präsidium geplante Öffnungen. Im Saarland würden Testauflagen an die Stelle von Beschränkungen gesetzt. Damit bringe man die Menschen dazu, im Freien getestet zusammenzukommen, statt im Verborgenen ohne Tests und Maßnahmen.

Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann verteidigte geplante Öffnungen in rund 25 Modellkommunen. "Ich befürchte, wir werden mit einem gewissen Infektionsgeschehen in Deutschland leben müssen. Deshalb sind solche Modellversuche, wie ich finde, nicht unvorsichtig oder gar leichtsinnig", sagte der CDU-Politiker dem Radiosender NDR Info. Niedersachsen will in den Modellkommunen Öffnungen von Geschäften, Außengastronomie, Theatern, Kinos und Fitnessstudios an Schnelltests koppeln. Voraussetzung ist eine stabile Sieben-Tages-Inzidenz von nicht über 200.

Andere Länder deuteten an, den härteren Kurs von Merkel mitgehen zu wollen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte in den ARD-"Tagesthemen", er könne sich mehr Kompetenzen in Bundeshand vorstellen, die die Länder zu klaren Regeln zwängen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) forderte den Bund zum Handeln auf. "Man kann es im Infektionsschutzgesetz festlegen - ist mir auch recht - Hauptsache, es ist ein einheitlicher Rahmen", sagte er der dpa. Es gehe darum, endlich etwas zu tun statt zu reden.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sprach sich für nächtliche Ausgangsbeschränkungen aus. "Ich hätte gar nichts dagegen zu sagen: Ab 20 Uhr ist wirklich Ruhe", sagte er in einer Gesprächsrunde der "Bild"-Zeitung. In Tübingen feierten häufig nach 20.00 Uhr große Gruppen auf innerstädtischen Wiesen Partys - mit Alkohol statt Abstand. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte angesichts der schnell steigenden Inzidenzzahlen einen "letzten harten Lockdown", eine Pflicht zum Homeoffice und Ausgangssperren am Abend. "Wir können es nicht so laufen lassen", betonte er im WDR.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut Robert Koch-Institut am Montagmorgen bundesweit bei 134,4 - und damit erneut höher als am Vortag. Binnen eines Tages wurden zuletzt 9872 Corona-Neuinfektionen und 43 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 7709 Neuinfektionen und 50 neue Todesfälle registriert.


Coronatests in Bärenhalle: Teststraßen für mehr Sicherheit

11:39
29.03.2021
Es sei ein wichtiger Baustein, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, sagt der Bindlacher Bürgermeister Christian Brunner: Deshalb wird ab Dienstag drei Mal in der Woche eine Testmöglichkeit für die Bürger in der Bärenhalle zur Verfügung stehen. Die Kapazität ist groß.

Bindlach - Schnell musste es gehen: Ab Dienstag wird in der Bindlacher Bärenhalle ein Testzentrum zur Verfügung stehen, in dem sich die Bürger in zwei Teststraßen auf Corona testen lassen können. „Wir haben seit vergangener Woche organisiert“, sagt der Bindlacher Bürgermeister Christian Brunner. Um zusätzlich zu weiteren Möglichkeiten bei den Ärzten oder in der Apotheke eine Testmöglichkeit mit großer Kapazität anbieten zu können. Gerade vor den Osterfeiertagen sei das wichtig, sagt Brunner, um den Bürgern die Möglichkeit zu geben, mit mehr Sicherheit beispielsweise Verwandte besuchen zu können.
Viele Telefonate im Vorfeld

„Viele Telefonate“ hätte es gebraucht, „das Testzentrum in Seybothenreuth habe ich mir auch angeschaut“, sagt Brunner. Und letztendlich hätten sich mit der SKS Ambulanz GmbH aus Bayreuth und der BRK-Bereitschaft Bad Berneck schnell und unbürokratisch zwei Partner gefunden, die das Testkonzept stemmen können. Am Dienstag soll es losgehen: 16 bis 19 Uhr ist der Zeitraum, der vorgesehen ist – und der in der Osterwoche auch am Donnerstag und am Samstag wiederholt werden soll. Ab der kommenden Woche dann jeweils Montag, Mittwoch und Samstag von 16 bis 19 Uhr, „den Freitag haben wir bei großem Zuspruch noch als Option“, sagt Brunner.
Zwei Teststraßen mit großer Kapazität

Die zwei Teststraßen, die in einer Art Rundlauf durchlaufen werden, werden von jeweils vier geschulten Kräften der beiden Hilfsorganisationen betreut. Wie Korbinian Specht und Brunner sagen, liege die Kapazität bei beiden jeweils „entspannt bei 60 bis 70 Personen pro Stunde“. Die Nutzer der Testmöglichkeit werden registriert, bekommen den Abstrich – „wobei es sowohl möglich ist, einen Mund- als auch Nasenabstrich machen zu lassen“, wie Specht sagt – und können dann außerhalb auf ihr Testergebnis warten. „Es ist auch möglich, eine Bescheinigung auszustellen, falls das gewünscht wird“, sagt Brunner.
FFP2-Maske, Ausweis und Stift

„Zwingend nötig ist, dass alle, die zum Testen kommen, eine FFP2-Maske tragen“, sagt Sven Judas von der BRK-Bereitschaft. Und sinnvoll wäre, dass jeder auch einen eigenen Stift für die Registrierung bereit halte, sagt Specht. „Das macht das Desinfizieren einfacher.“ Ebenso wichtig: Dass die Test-Willigen ein Ausweisdokument bereithalten – also Führerschein oder Personalausweis.
Wichtiger Beitrag gegen die Pandemie

Mit dem neuen Angebot könne man die Testverordnung des Bundes umsetzen „und einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leisten“, sagt Brunner.