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Kulmbacher OB Lehmann will Perspektiven

10:31
25.03.2021
Der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann schließt sich einer Initiative an, die nach dem Tübinger Modell eine Öffnung von Handel, Gastronomie und Kulturbetrieben in Kulmbach ermöglichen will.

Kulmbach - „Die Corona-Pandemie stellt uns alle tagtäglich vor große Herausforderungen. Gerade Stadt und Landkreis Kulmbach sind von hohen Inzidenzen betroffen, deutschlandweit sind wir leider auf einem führenden Platz, was die Zahl der Infizierten betrifft. Nach wie vor sind Vorsicht, Rücksicht und die Einhaltung der geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen unsere Handlungsmaximen“, schreibt der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann.

Er schließt sich der Initiative seines Stellvertreters Frank Wilzok, dem Landtagsabgeordneten Rainer Ludwig und Landrat Klaus Peter Söllner an. Sie hatten, wie bereits berichtet, einen Antrag an die Staatsregierung gerichtet, dass Kulmbach als Modellregion nach Tübinger Vorbild ausgewählt wird, damit Handel und Gastronomie bald wieder öffnen können.

Lehmann legt dazu ein Konzept vor und bietet auch städtisches Personal an, um die Umsetzung sicher zu gewährleisten.

Ob Kulmbach eine Chance hat, ist noch offen. Die inzidenzwerte im Landkreis sind hoch. Ministerpräsident Markus Söder hat bekannt gegeben, dass er bei der Vergabe der „Modellregionen“ eher an solche Gebietskörperschaften denkt, deren inzidenzwerte zwischen 100 und 150 liegen.

Doch auch die Konkurrenz ist groß. Andere oberfränkische Städte und Landkreise wollen sich auch bewerben, und wie es bislang geplant ist, soll pro Regierungsbezirk nur einer zum Zuge kommen. MdL Rainer Ludwig hat versprochen, zu kämpfen, damit Kulmbach ausgewählt wird.

„Die dritte Welle hat unser aller Leben im Griff“, schreibt Lehmann, der gerade zusammen mit allen Mitgliedern der SPD-Stadtratsfraktion selbst in Quarantäne ist und die Einschränkungen, die damit verbunden sind, am eigenen Leib verspürt. Sowohl beruflich als auch im privaten Bereich man mit Einschränkungen leben.

Der Kulmbacher OB ruft dennoch zur Vorsicht auf: „Auch wenn uns dies nach vielen Monaten der Pandemie immer schwerer fällt, möchte ich Sie alle noch einmal dazu aufrufen, sich an die vorgegebenen Schutzmaßnahmen zu halten. Wir müssen zusammenstehen und aufeinander Acht geben – im Kreise der Familie, am Arbeitsplatz und auch in der Öffentlichkeit. Ich habe großes Verständnis für den Frust, den viele Menschen haben, allerdings lässt uns die Pandemie derzeit keine andere Wahl.“

Es sei ihm ein großes Anliegen, trotz der besorgniserregenden Entwicklung auch die Zeit nach Corona nicht aus den Augen zu verlieren. „Es braucht dringend Perspektiven – für Einzelhandel, Gastronomie und Kultur gleichermaßen. Neben der Bekämpfung der steigenden Inzidenzzahlen sollten wir mit genauso großer Kraftanstrengung nach Möglichkeiten suchen, um zu gegebener Zeit auch wieder ein Stück weit Normalität einkehren zu lassen.“ Deshalb

Als Kulmbacher Oberbürgermeister will Lehmann einen konkreten Vorschlag beisteuern, wie eine Öffnung verschiedener Bereiche unter kontrollierten Auflagen wieder möglich sein kann. Dabei orientiert sich auch Lehmann am „Tübinger Modell“.

Wenn es nach dem OB geht, könnte schon bald die Stadthalle zum Schnelltestzentrum gemacht werden. Wer sich dort ein negatives Testergebnis abholt, könnte einen Tagespass erhalten, der es möglich macht, in den dann wieder offenen Geschäften einzukaufen und auch in einem der Kulmbacher Lokale einzukehren.

Auch der Besuch kultureller Veranstaltungen wäre damit wieder möglich. Ausstellungen beispielsweise wären dann nicht mehr länger nur auf den virtuellen Raum beschränkt. Hygienekonzepte müssen, wie Lehmann sagt, natürlich trotz Tests überall vorhanden sein.

Die Stadt Kulmbach sei bereit, Personal für die Abnahme Schnelltests bereitzustellen. Auch unter den städtischen Mitarbeitern sind einige von Kurzarbeit betroffen. Die könnten, so regt der OB an, nach vorheriger fachkundiger Einweisung die Abstriche nehmen, die Ergebnisse dokumentieren und die Tagespässe ausstellen. Die Kosten für die Schnelltests können vorerst auch von der Stadt Kulmbach getragen werden.

Ingo Lehmann macht sich auch für den Einsatz von Corona-Apps stark. Ob „Luca“ oder „Darfichrein?“: Nach Absprachen mit den Behörden und auch den Gastronomen und dem Handel könnte auch auf diesem Weg eine Öffnung in Sichtweite gebracht werden.

„Ich bin mir sicher, dass es Möglichkeiten gibt. Nun liegt es an uns, diese zu nutzen und aus Hoffnungen und Ideen tatsächliche Perspektiven zu machen“, meint das Stadtoberhaupt. „Mir liegt nichts sehnlicher am Herzen, als dass unsere schöne Stadt mit ihrer vielfältigen Gastronomie und dem breit aufgestellten Einzelhandel so gut es geht unbeschadet aus dieser Krise kommt.“ Alle politisch Verantwortlichen müssten alles tun, um den Weg für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität ebnen und Konzepte erarbeiten möglich zu machen.

„Als Oberbürgermeister möchte ich nichts unversucht lassen, wieder Leben in unsere Stadt zu bringen.“, verspricht Lehmann. Es sei ihm dabei bewusst, dass angesichts der aktuellen Zahlen im Landkreis eine Öffnung wohl kaum unmittelbar möglich sein wird. „ Aber wir sollten alle trotz des derzeitigen Geschehens zuversichtlich in die Zukunft sehen. Die Impfquote wird steigen, die Inzidenzzahlen werden sinken. Und auf diese Zeit müssen wir vorbereitet sein, denn dann kann ein entsprechendes Öffnungskonzept greifen.“

Lehmann freut sich, dass sich bereits verschiedene Verantwortliche, darunter Landtagsabgeordneter Rainer Ludwig, Landrat Klaus Peter Söllner und Bürgermeister Frank Wilzok ebenfalls für eine derartige Strategie ausgesprochen haben. „Ich bin mir sicher, dass wir hier gemeinsam Perspektiven schaffen können.“

Wunsiedel will Modellregion werden

09:43
25.03.2021
Die Städte und Gemeinden sowie der Landkreis entwickeln ein Konzept, wie eine sichere Öffnung möglich ist. Damit bewerben sie sich bei der Staatsregierung.

Wunsiedel - Seit dem Jahreswechsel stemmt man sich im Landkreis Wunsiedel gegen die hohen Inzidenzen. Die getroffenen Maßnahmen beginnen laut einer Mitteilung des Landratsamts zu greifen und die Zahlen gingen zuletzt leicht zurück. „Allerdings wird wegen der Ausbreitung der Mutation weiterhin Geduld erforderlich sein.“

Um den Einwohnern dennoch Perspektiven zu ermöglichen, haben sich Landrat Peter Berek und die Bürgermeister aller Kommunen im Landkreis einstimmig geeinigt, das gemeinsame Vorgehen zu verstärken, und ein Forderungspapier erarbeitet. Dieses wird nun der bayerischen Staatsregierung vorgelegt. Alle Beteiligten hoffen, dass der Landkreis als Modellregion mit einer besonderen Strategie im Kampf gegen das Virus anerkannt wird und so zu einem „normaleren“ Leben zurückkommen kann.
Wieder ein normaleres Leben

Der Ministerrat hat in seinem jüngsten Beschluss die Einrichtung eben dieser Modellprojekte in Aussicht gestellt. Diese sollen „nach den Osterferien trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept für die Dauer von 14 Tagen einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens öffnen, um die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten unter Nutzung insbesondere eines konsequenten Testregimes zu untersuchen“. Die 17 Städte und Gemeinden im Landkreis haben sich am Mittwoch gemeinsam mit dem Landkreis für die Einrichtung einer solchen Modellregion beworben. Die Intention der Bürgermeister und des Landrats für die Bewerbung ist es, nach den inzwischen monatelangen Schließungen von Kitas und Schulen auch den Familien im Landkreis eine Perspektive zu bieten.

Ziel der Öffnungsstrategie ist, den Einwohnern im Landkreis Aktivitäten zu ermöglichen, die ihnen bislang verschlossen sind. Ein tagesaktueller negativer Schnelltest soll dabei eine Art Eintrittskarte für einen Besuch (zunächst) des Handels sein. Die umfangreichen Testmöglichkeiten des örtlichen Testnetzes fungieren als eine Art Ticketshop. Dies erhöht nach Ansicht der Bürgermeister und des Landrats die Bereitschaft, sich einem Test zu unterziehen, und hilft damit gleichzeitig, die Dunkelziffer der Infizierten, die keine Symptome aufweisen, weiter zu reduzieren. Um maximale Sicherheit zu gewährleisten, setze man auf professionell durchgeführte Schnelltests, heißt es in dem Schreiben.
Digitale Tools kommen zum Einsatz

Flankiert wird die Öffnungsstrategie durch die Nutzung eines digitalen Tools (Luca-App), das die Bewegungen der Menschen im Landkreis und ihre Kontakte erfasst und in der Folge auch für die Kontaktverfolgung durch das Gesundheitsamt genutzt werden kann. Eine sofortige Umsetzung und eine schrittweise Weiterentwicklung beispielsweise für die Gastronomie sowie kulturelle Angebote seien so problemlos machbar, heißt es aus dem Landratsamt.

Im Mittelpunkt steht eine Strategie, die dem Landkreis die dringend nötigen Handlungsspielräume ermöglicht. Sie basiert auf den bisherigen Impfungen und verfolgt gleichzeitig das Ziel, hier schnell weitere Fortschritte zu erzielen. Letztlich geht es um eine durchdachte Öffnungsstrategie mit umfangreichen Testungen der Bürger und in den Schulen. Dies soll eine größtmögliche Sicherheit gewährleisten. Das von den Bürgermeistern und dem Landrat für modellhaft erachtete Arbeitspapier sieht vor, neben der Sieben-Tage-Inzidenz zahlreiche weitere Parameter auszuwerten, die grundsätzlich bei der Bewertung der Situation in einer Region immer in Betracht gezogen werden sollten. Im Einzelnen sind das der aktuelle R-Wert (dieser zeigt, wie viele Menschen von einem Infizierten angesteckt werden), die Krankenhausauslastung mit Differenzierung zwischen Normal- und Intensivstation, die Impfquote (wie viel Prozent der Bevölkerung sind bereits geimpft und wie viele davon in den gefährdetsten Gruppen) sowie die Sieben-Tage-Inzidenz in Verbindung mit dem nominalen Testaufkommen.
Mehr Impfungen als im Bayern-Durchschnitt

Landrat Berek sowie alle Bürgermeister sehen laut der Mitteilung die bisherigen Impfungen als eine Basis, die es schnellstmöglich weiter auszubauen gilt. Schon jetzt liegt die Impfquote im Landkreis über dem bayernweiten Schnitt (Erstimpfungen: Landkreis rund zwölf Prozent der Bevölkerung, Bayern rund zehn Prozent). „Dies liefert ein solides Fundament, auf dem die weitere Strategie aufgebaut werden kann. Ziel muss aber auch sein, hier nicht nachzulassen und alle Interessierten ab 18 Jahren schnell zu impfen. Für diese Maßnahme muss über die Zuweisung weiterer Sonderkontingente ausreichend Impfstoff zur Verfügung gestellt werden.“

Wie berichtet, wurden die Kapazitäten des Impfzentrums von drei auf sechs Impfkabinen ausgebaut, mobile Teams sind jederzeit einsatzbereit und auch rund 35 Hausärzte im Landkreis haben ihre Bereitschaft erklärt, mit zu impfen. „Die zuverlässige und schnelle Verimpfung aller eintreffenden Lieferungen ist damit sichergestellt“, heißt es in dem Schreiben.

Der Landkreis Wunsiedel sowie alle Gemeinden plädieren in dem Bewerbungsschreiben für die Modellregion dafür, den Aufbau eines Testnetzes mit vielen dezentralen Stationen und niederschwelligen Angeboten zu ermöglichen. Auch sei eine rasche und umfangreiche Versorgung mit Selbsttests erforderlich. Diese kostenfreien Testangebote sollen langfristig gesichert sein.
Umfangreiches Testangebot

Der Landkreis Wunsiedel war einer der ersten Landkreise in Bayern, der seiner Bevölkerung ein eigenes umfangreiches Testangebot in lokalen Teststellen zur Verfügung gestellt hat. Dieses Angebot wurde durch die verpflichtenden Tests für Grenzgänger aus Tschechien weiter ausgebaut (wir berichteten ausführlich). Neben den Tests in den lokalen Testzentren hat das Landratsamt Schnelltests an Unternehmen ausgegeben und die Mitarbeiter für deren Anwendung geschult.

Parallel dazu wurde eine verstärkte Kontrolle der Hygienemaßnahmen in den Unternehmen in die Wege geleitet, wobei die Kontrollen des Gewerbeaufsichtsamts inzwischen durch landkreiseigene Kontrollteams unterstützt werden. Diese überprüfen die in den Betrieben vorhandenen Hygienekonzepte und beraten über Optimierungsmöglichkeiten. Inzwischen arbeitet das Landratsamt daran, Ärzte und Apotheken in diese Teststrategie einzubinden. Auch stehen die Kommunen als Partner für die Bürgertestungen bereit.

„Darüber hinaus wurde für die Schulen ein eigenes Testkonzept entwickelt, das durch das bayerische Gesundheitsministerium als vorbildlich und nachahmenswert anerkannt wurde und aus diesem Grund von dort inzwischen maximal unterstützt wird.“ Das Modellprojekt Gurgel-Pool-PCR wurde nach der Startphase in den Notgruppen von sechs Grundschulen bereits auf zehn Grundschulen erweitert. Alle anderen Schulen (auch die weiterführenden) erhalten laut der Mitteilung nun das Angebot, die Testmethode ebenfalls zu übernehmen. Ergänzend dazu sei die Versorgung der Schulen durch Selbsttests zu sehen, die von der Staatsregierung bereits geliefert worden seien.
Wissenschaftler beobachten die Entwicklung

Interessiert wissenschaftlich begleitet wurden die bisherige Entwicklung im Landkreis sowie dessen Strategien im Kampf gegen Corona von namhaften Experten auf dem Gebiet der Pandemie. Im Einzelnen handelt es sich um die Virologin Professor Ulrike Protzer von der Technischen Universität München, den Virologen Professor Klaus Überla von der Universität Erlangen und dem Robert-Koch-Institut, Professor Alexander Markowetz von der Philipps-Universität Marburg und von Professor Thorsten Lehr von der Universität Saarland, Lehrstuhl „Clinical Pharmacy“.

Bayern erwartet im April rund 2,3 Millionen Corona-Impfdosen

09:00
25.03.2021
Bayern erwartet im April rund 2,3 Millionen Corona-Impfdosen. Die Impfzentren erhielten davon etwa 1,4 Millionen Impfdosen, die Arztpraxen 942 641, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Donnerstag im Landtag in München. Bayern erhält damit 15,78 Prozent der Impfdosen, die im nächsten Monat für ganz Deutschland erwartet werden (etwa 14,978 Millionen).