Der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann schließt sich einer Initiative an, die nach dem Tübinger Modell eine Öffnung von Handel, Gastronomie und Kulturbetrieben in Kulmbach ermöglichen will.
Kulmbach - „Die Corona-Pandemie stellt uns alle tagtäglich vor große Herausforderungen. Gerade Stadt und Landkreis Kulmbach sind von hohen Inzidenzen betroffen, deutschlandweit sind wir leider auf einem führenden Platz, was die Zahl der Infizierten betrifft. Nach wie vor sind Vorsicht, Rücksicht und die Einhaltung der geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen unsere Handlungsmaximen“, schreibt der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann.
Er schließt sich der Initiative seines Stellvertreters Frank Wilzok, dem Landtagsabgeordneten Rainer Ludwig und Landrat Klaus Peter Söllner an. Sie hatten, wie bereits berichtet, einen Antrag an die Staatsregierung gerichtet, dass Kulmbach als Modellregion nach Tübinger Vorbild ausgewählt wird, damit Handel und Gastronomie bald wieder öffnen können.
Lehmann legt dazu ein Konzept vor und bietet auch städtisches Personal an, um die Umsetzung sicher zu gewährleisten.
Ob Kulmbach eine Chance hat, ist noch offen. Die inzidenzwerte im Landkreis sind hoch. Ministerpräsident Markus Söder hat bekannt gegeben, dass er bei der Vergabe der „Modellregionen“ eher an solche Gebietskörperschaften denkt, deren inzidenzwerte zwischen 100 und 150 liegen.
Doch auch die Konkurrenz ist groß. Andere oberfränkische Städte und Landkreise wollen sich auch bewerben, und wie es bislang geplant ist, soll pro Regierungsbezirk nur einer zum Zuge kommen. MdL Rainer Ludwig hat versprochen, zu kämpfen, damit Kulmbach ausgewählt wird.
„Die dritte Welle hat unser aller Leben im Griff“, schreibt Lehmann, der gerade zusammen mit allen Mitgliedern der SPD-Stadtratsfraktion selbst in Quarantäne ist und die Einschränkungen, die damit verbunden sind, am eigenen Leib verspürt. Sowohl beruflich als auch im privaten Bereich man mit Einschränkungen leben.
Der Kulmbacher OB ruft dennoch zur Vorsicht auf: „Auch wenn uns dies nach vielen Monaten der Pandemie immer schwerer fällt, möchte ich Sie alle noch einmal dazu aufrufen, sich an die vorgegebenen Schutzmaßnahmen zu halten. Wir müssen zusammenstehen und aufeinander Acht geben – im Kreise der Familie, am Arbeitsplatz und auch in der Öffentlichkeit. Ich habe großes Verständnis für den Frust, den viele Menschen haben, allerdings lässt uns die Pandemie derzeit keine andere Wahl.“
Es sei ihm ein großes Anliegen, trotz der besorgniserregenden Entwicklung auch die Zeit nach Corona nicht aus den Augen zu verlieren. „Es braucht dringend Perspektiven – für Einzelhandel, Gastronomie und Kultur gleichermaßen. Neben der Bekämpfung der steigenden Inzidenzzahlen sollten wir mit genauso großer Kraftanstrengung nach Möglichkeiten suchen, um zu gegebener Zeit auch wieder ein Stück weit Normalität einkehren zu lassen.“ Deshalb
Als Kulmbacher Oberbürgermeister will Lehmann einen konkreten Vorschlag beisteuern, wie eine Öffnung verschiedener Bereiche unter kontrollierten Auflagen wieder möglich sein kann. Dabei orientiert sich auch Lehmann am „Tübinger Modell“.
Wenn es nach dem OB geht, könnte schon bald die Stadthalle zum Schnelltestzentrum gemacht werden. Wer sich dort ein negatives Testergebnis abholt, könnte einen Tagespass erhalten, der es möglich macht, in den dann wieder offenen Geschäften einzukaufen und auch in einem der Kulmbacher Lokale einzukehren.
Auch der Besuch kultureller Veranstaltungen wäre damit wieder möglich. Ausstellungen beispielsweise wären dann nicht mehr länger nur auf den virtuellen Raum beschränkt. Hygienekonzepte müssen, wie Lehmann sagt, natürlich trotz Tests überall vorhanden sein.
Die Stadt Kulmbach sei bereit, Personal für die Abnahme Schnelltests bereitzustellen. Auch unter den städtischen Mitarbeitern sind einige von Kurzarbeit betroffen. Die könnten, so regt der OB an, nach vorheriger fachkundiger Einweisung die Abstriche nehmen, die Ergebnisse dokumentieren und die Tagespässe ausstellen. Die Kosten für die Schnelltests können vorerst auch von der Stadt Kulmbach getragen werden.
Ingo Lehmann macht sich auch für den Einsatz von Corona-Apps stark. Ob „Luca“ oder „Darfichrein?“: Nach Absprachen mit den Behörden und auch den Gastronomen und dem Handel könnte auch auf diesem Weg eine Öffnung in Sichtweite gebracht werden.
„Ich bin mir sicher, dass es Möglichkeiten gibt. Nun liegt es an uns, diese zu nutzen und aus Hoffnungen und Ideen tatsächliche Perspektiven zu machen“, meint das Stadtoberhaupt. „Mir liegt nichts sehnlicher am Herzen, als dass unsere schöne Stadt mit ihrer vielfältigen Gastronomie und dem breit aufgestellten Einzelhandel so gut es geht unbeschadet aus dieser Krise kommt.“ Alle politisch Verantwortlichen müssten alles tun, um den Weg für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität ebnen und Konzepte erarbeiten möglich zu machen.
„Als Oberbürgermeister möchte ich nichts unversucht lassen, wieder Leben in unsere Stadt zu bringen.“, verspricht Lehmann. Es sei ihm dabei bewusst, dass angesichts der aktuellen Zahlen im Landkreis eine Öffnung wohl kaum unmittelbar möglich sein wird. „ Aber wir sollten alle trotz des derzeitigen Geschehens zuversichtlich in die Zukunft sehen. Die Impfquote wird steigen, die Inzidenzzahlen werden sinken. Und auf diese Zeit müssen wir vorbereitet sein, denn dann kann ein entsprechendes Öffnungskonzept greifen.“
Lehmann freut sich, dass sich bereits verschiedene Verantwortliche, darunter Landtagsabgeordneter Rainer Ludwig, Landrat Klaus Peter Söllner und Bürgermeister Frank Wilzok ebenfalls für eine derartige Strategie ausgesprochen haben. „Ich bin mir sicher, dass wir hier gemeinsam Perspektiven schaffen können.“