Eine gute Seite hat das Corona-Jahr 2020: Bei der Verkehrsunfallstatistik. Weniger Verkehr bedeutet in fast allen Bereichen einen deutliche Rückgang – bei den Unfällen, bei den Verletzten und bei der Schadenssumme. Nichts geändert hat sich bei den Unfall-Ursachen, sagen Polizei und Straßenverkehrsamt bei der Vorstellung der Statistik am Montagnachmittag im Verkehrsausschuss.
Bayreuth - Corona hat zumindest eine positive Entwicklung beeinflusst: Weniger Verkehr durch lange Lockdown-Phasen bedeutet auch weniger Unfälle. In Bayreuth hat sich das Unfall-Geschehen noch besser entwickelt als im landesweiten Trend, sagen Polizei-Oberkommissar Eike Leppert, der neue Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, und der Leiter des Straßenverkehrsamts der Stadt, Heinz Pfister, bei der Vorstellung der Unfallstatistik vor dem Verkehrsausschuss. Was sich nicht geändert hat: Nach wie vor ist unaufmerksames Verhalten Unfallursache Nummer eins.
Unfallentwicklung
Unfallentwicklung: 511 Unfälle weniger als im Jahr davor bedeutet einen Rückgang um 21,5 Prozent auf 1867 Unfälle insgesamt. Besser als im Bayern-Schnitt, der bei rund 17 Prozent Rückgang gelegen sei, sagt Leppert. Bi 258 Unfällen (58 oder 18, 3 Prozent weniger) wurden Menschen 288 Menschen (54 weniger als 2019) verletzt, Die Zahl der Schwerverletzten sei von 56 auf 48 gesunken. 570 Unfälle (178 oder fast 24 Prozent weniger) zählt die Polizei wegen des Sachschadens als schwerwiegende Unfälle. Leider sei wieder ein Mensch – bei einem tragischen Fahrradunfall – tödlich verletzt worden.
Schulwegunfälle
Schulwegunfälle: Auch weil deutlich weniger Unterrichtszeit in Präsenzunterricht stattgefunden hat, ging die Zahl der Schulwegunfälle zurück. Von sieben im Vorjahr auf fünf im Jahr 2020. Dabei seien, sagt Leppert vier Schüler leicht verletzt worden, zwei schwer. Zurückzuführen seien die Unfälle „auf das Fehlverhalten der Kinder“ gewesen. Was unter anderem Mirko Matros (CSU) und der BG-Fraktionsvorsitzende Stephan Müller hinterfragen. Es sei „natürlich schade“, sagt Matros, dass Schulwegtraining wegen Corona kaum stattgefunden habe. Das liege daran, „dass die Kindergärten keine Externen in den Kindergärten haben“ wollte, wie Leppert sagt. Auf Nachfrage von Müller, was man „denn tun“ könne, entgegnet Pfister, dass das Verkehrsamt durchaus bei der Betrachtung der Knotenpunkte prüfe, ob bauliche Maßnahmen nötig seien. Generell ein Problem sei aber, dass „wir große Probleme bei den Schulweghelfern haben“. Es gebe, sagt Oberbürgermeister Thomas Ebersberger „sehr wenige junge Schulweghelfer“. Auch eine von Müller sofort beantragte Erhöhung der Aufwandsentschädigung von 6,50 auf neun Euro könne kaum helfen. „Die Regelmäßigkeit schreckt die Leute ab“, sagt etwa Gaby Hemmer (Grüne), die als Schulleiterin nur zu genau das Problem kennt: „Die Eltern, die am lautesten nach Schulweghelfern schreien, wollen am wenigsten tun.“ Deshalb sei es wichtig, die Werbetrommel für das Ehrenamt zu rühren, regt Gert-Dieter Meier (DU) in der Diskussion an.
Unfälle mit Radlern
Fahrradunfälle: Einen starken Rückgang verzeichnet die Statistik auch hier: 112 statt 136 (minus 17,6 Prozent) Unfälle mit Radlern hat es gegeben. Allerdings wurden 103 Radler verletzt (minus 13). Die Zahl der allein oder am Unfall mitschuldigen Radler ist hoch, sagt Leppert: 62,5 Prozent.
Fußgänger selten selber schuld
Unfälle mit Fußgängern: Lediglich sechs der 23 (minus neun) Unfälle mit Fußgängern seien auch von diesen Verkehrsteilnehmern verursacht worden, sagt Leppert. Das Problem liege auch hier im Verhalten der Autofahrer: Die hätten die Geschwindigkeit nicht im Griff, achteten nicht auf ausreichend Abstand.
Senioren verursachen zwei Drittel der Unfälle selbst
Unfälle mit Senioren: Unfälle, in die Senioren verwickelt waren, zählt Statistik 198 und damit ein Minus von 37 gegenüber 2019. Allerdings zeige sich auch hier, dass 132 dieser Unfälle – 66,6 Prozent – von den Senioren entweder allein verursacht wurden, oder dass man ihnen bei der Unfallaufnahme zumindest eine Mitschuld nachgewiesen habe.
Alkohol und Drogen auf Rückzug als Unfallursache
Alkohol und Drogen: Erfreuliche Entwicklung in dem Unfallfeld. Sowohl bei den Alkohol- als auch bei den Drogenunfällen gibt es einen deutlichen Rückgang auf einen – von sechs im Vorjahr – bei den Unfällen unter Drogeneinfluss, und auf 22 (statt 28) mit zwölf statt 15 Verletzten bei den Unfällen, bei denen Alkohol im Spiel war.
Drei Unfallschwerpunkte
Unfallschwerpunkte: Drei Unfallschwerpunkte gibt es im Stadtgebiet aktuell, sagt Heinz Pfister. „Bei allen Unfällen stellen wir fest, dass die Verkehrsteilnehmer deutlich mehr Sorgfalt walten lassen müssen“, sagt Pfister. Das zeige sich zum Beispiel an der Einmündung der Bundesstraße 2 in die Theodor-Schmidt-Straße unter der Hochbrücke. „Fünf Auffahrunfälle mit sechs Verletzten“, sagt Pfister, sorgten für die zweifelhafte Auszeichnung als Unfallschwerpunkt. Immerhin: Die Polizei habe Tempomessungen gemacht: „Erlaubt ist 60, der Schnellste fuhr 65“, sagt Pfister. Am Tempo liegt es nicht.
Einfaches Mittel an Birken-Kreuzung
Die Birken-Kreuzung – Wittelsbacherring, Unversitätsstraße, Birkenstraße – ist mit vier Rotlicht-Verstößen, alle in der gleichen Richtung, insgesamt sechs Unfällen mit neun Verletzten, nach 2018 und 2019 auch wieder in der Runde der Unfallschwerpunkte mit dabei. Kontrastblenden an den Ampeln hätten als Sofortmaßnahme im Sommer fast Wunder gewirkt. Seitdem sei die Kreuzung unauffällig.
Mangelnde Aufmerksamkeit vor der Ampel
Die Nordring-Kreuzung – Kulmbacher Straße, Hindenburgstraße, Dr.-Würzburger-Straße – macht den Sack zu in der Beweislage der mangelnden Konzentration der Autofahrer: „Sechs Auffahrunfälle mit sieben Verletzten. Und ein Abbiegeunfall“, zählt Pfister auf. „Liegt wohl alles an der mangelnden Aufmerksamkeit.“ Denn die Ampel läuft jetzt 24 Stunden durch, was die Kreuzung insgesamt entschärft habe.