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160 Teilnehmer bei Demo von „Querdenkern“

16:12
22.03.2021
Unter der Überschrift „Lasst uns endlich öffnen“ versammeln sich zahlreiche Menschen. Die Kundgebung verläuft friedlich, jedoch auch emotional.

Mitterteich - Zwei Wochen nachdem Helmut Bauer aus Eslarn eine „Querdenker“-Demo in Tirschenreuth organisiert hatte, kam er am Sonntagnachmittag mit einer ähnlichen Versammlung unter der Überschrift „Lasst uns endlich öffnen“ nach Mitterteich. Während der zwei Stunden waren laut Schätzungen der Polizei rund 160 Teilnehmer vor Ort. Die Kundgebung verlief friedlich, jedoch wurde es auch emotional.

Der Untere Marktplatz war komplett abgesperrt, der Durchgangsverkehr wurde umgeleitet. „Das polizeiliche Konzept von Präsenz und Kommunikation zeigte seine gewünschte Wirkung. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Einhaltung der Auflagen des Versammlungsbescheids sowie der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln. Der Maskentragepflicht wurde nachgekommen“, bilanzierte Polizeihauptkommissar Harald Fuchs. Die Waldsassener Polizei wurde von der Bayerischen Bereitschaftspolizei sowie weiteren Dienststellen des Polizeipräsidiums Oberpfalz unterstützt.

Helmut Bauer berichtete, dass er am Samstag auch auf der Großdemons-tration in Kassel war. Dort waren massiv die gerichtlich bestätigten Auflagen der Stadt missachtet worden. Erster Redner war der Weidener AfD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Manfred Schiller. Die Maske sei ein Symbol der Unterwerfung. Steffen Görschel aus Mitterteich erklärte: „Ich bin kein Corona-Leugner, ich bin geimpft, und Corona wird es immer geben.“ Er nannte die Vielzahl der Firmen im Landkreis unbegreiflich, die als systemrelevant gelten. Emotional wurde es mit Vanessa Bareuther aus Arzberg. Die zweifache Mutter kämpfte in ihrer Rede mehrmals mit den Tränen. Sie berichtete, sie habe zu Hause zwei kleine Kinder, denen der Kita-Besuch und Kontakte zu Gleichaltrigen untersagt seien. „Wo ist der Alltag unserer Kinder, unsere Kinder brauchen sich gegenseitig.“ Eine Geschäftsfrau klagte über die enormen Kosten, die Corona und die Schließung bei ihr verursacht hätten. Unverständnis äußerte sie zu jenen Menschen, die sich trotz Corona treffen, ohne auf Abstand und Masken zu achten. jr

Freiluftkneipen sollen Wirten helfen

16:02
22.03.2021
Stadt plant Hilfen für Corona geschädigte. Vielleicht verengt man sogar Fahrstreifen, damit Platz für Außengastronomie entsteht. Alle Parteien sind sich einig.

Coburg - „Wir sollten jede Chance nutzen, um es für die Gastronomie erträglicher zu machen“, appellierte Stadtrat Norbert Tessmer (SPD). Jürgen Heeb (Pro Coburg) nannte es „den einzigen Strohhalm, den viele noch haben“ und Barbara Kammerscheid und Roland Eibl (beide CSU) waren sich einig, dass ein Entgegenkommen der Stadt „die letzte Hoffnung für eine ganze Reihe von Gewerbetreibenden und Gastronomen sein“ könne.

Der Verwaltungssenat der Stadt Coburg setzte am Montag über alle Parteigrenzen hinweg ein Zeichen: Sobald das Ende des Lockdown naht, der mittlerweile seit Ende Oktober 2020 dauert, will die Stadt der Gastronomie so viele Wünsche wie möglich erfüllen, damit das Geschäft mit Speisen und Getränken wenigstens im Freien wieder anlaufen kann.

Oberbürgermeister Dominik Sauerteig ließ sich deshalb von den Senatsmitgliedern explizit absegnen, „dass wir noch einen Schritt weiter gehen könnten als 2020“. Im letzten Jahr senkte man bereits einige behördlichen Hürden und ermöglichte es Wirtinnen und Wirten, vor ihren Gaststätten Tische und Bänke aufzubauen – was sonst nicht so einfach möglich ist. Jetzt könnte sich die Stadtspitze sogar vorstellen, öffentliche Straßen oder Bürgersteige schmaler zu machen, um Platz für neue Freiluftkneipen zu schaffen. „Dort, wo es verkehrsrechtlich möglich ist, könnten beispielsweise mit Holzpaletten Zonen für die Gastronomie abgesperrt werden“, meinte OB Sauerteig. IHK und Zentrum Coburg seien solchen Plänen gegenüber jedenfalls nicht abgeneigt. Natürlich müsse in konkreten Fällen dann auch mit den Anwohnern verhandelt werden, sagte der OB.

Klar ist auf jeden Fall jetzt schon, dass die Betreiber von Kneipen und Restaurants wieder auf die Genehmigung von Außengastronomie in unmittelbarer Nähe ihrer Lokale hoffen können. Das versicherte Ordnungsamtsleiter Kai Holland am Montag vor dem Verwaltungssenat: „Wir haben 2020 unbürokratische Lösungen gefunden und werden es auch jetzt wieder tun.“

Im vergangenen Jahr hatten Gastronomen die Möglichkeit, Bürgersteige, kleine Plätze oder öffentliche Grünflächen kostenlos zu nutzen, um dort zusätzlich Speisen und Getränke anbieten zu können. So sollten die Beschränkungen, die coronabedingt für geschlossene Räume gelten, ein wenig kompensiert werden. Wie Kai Holland sagte, müsse lediglich darauf geachtet werden, dass die Außengastronomie nicht die Verkehrssicherheit gefährdet oder Bürgersteige für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen unpassierbar werden.

Die Kommunalpolitiker unterstützten die Haltung der Ordnungsbehörde zu hundert Prozent: „Unsere Gastronomie braucht Unterstützung. Deshalb sollten wir unbürokratisch handeln“, appellierte Norbert Tessmer (SPD). Das sah auch Jürgen Heeb (Pro Coburg) so: „Im vergangenen Jahr gab es keine großen Probleme. Deshalb sollten wir auch heuer alles ermöglichen, was irgendwie möglich ist“, meinte er. Barbara Kammerscheid (CSU) war der Ansicht, dass Coburg so auch ein Zeichen für die Region setzen könne und ihr Fraktionskollege Roland Eibl forderte dazu auf, auch den Einzelhandel unbürokratisch unter die Arme zu greifen.

Die jetzt beschlossenen Ausnahmeregelungen sollen erst einmal bis Ende Oktober gelten.