Die frühzeitige Corona-Impfung des früheren Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus sorgt für Aufsehen. Offenbar hatte sich der CDU-Politiker schon im Februar impfen lassen.
Erfurt/Heiligenstadt - Das Gesundheitsministerium in Erfurt bestätigte, dass der 62-Jährige Anfang Februar in einem Pflegeheim in Heiligenstadt geimpft wurde, dessen Aufsichtsrat Althaus ist.
Zuvor hatten Medien darüber berichtet. Laut MDR Thüringen gehörte Althaus damals nicht zu jener Gruppe, der eine Impfung laut Prioritätenliste zustand. Zu dem Zeitpunkt wurden vorrangig ab 80-Jährige sowie Mitarbeiter von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen geimpft. Der einstige Regierungschef wollte sich am Freitag auf Anfrage nicht dazu äußern. Auch von dem betroffenen Heim war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.
Eine Ministeriumssprecherin sagte, es gebe keine Handhabe gegen Impfvordrängler. Für eine Ahndung fehlten entsprechende Vorschriften. Allerdings sei das Vordrängeln bei knappen Impfstoffen «moralisch falsch». Althaus war von 2003 bis 2009 Regierungschef in Thüringen.
Vorzeitige Impfungen haben auch schon in anderen Bundesländern für Kritik gesorgt. So waren etwa in Halle (Sachsen-Anhalt) Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) sowie mehrere Stadträte und Mitglieder des Katastrophenstabes geimpft worden, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren. Ähnlich verhielt es sich bei dem Landrat vom Erzgebirge (Sachsen), Frank Vogel (CDU). Gegen diesen ermittelt die Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen Vorteilsannahme. Auch im Fall Wiegand hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Mehrere Stadträte streben seine Suspendierung an.