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Privater Konsum schrumpft 2020 so stark wie seit 50 Jahren nicht

08:27
15.03.2021
Im Coronajahr haben die privaten Haushalte in Deutschland ihre Konsumausgaben stark eingeschränkt. Der Rückgang betrug 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Berlin - Mehr Geld für Einkaufen und Essen, weniger Geld für Reisen und Restaurants: Die Menschen in Deutschland haben ihren Konsum wegen der Corona-Krise 2020 insgesamt so stark eingeschränkt wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Die Ausgaben der privaten Haushalte sanken - um die Inflation bereinigt - um 5,0 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. „Dies war der stärkste Rückgang seit 1970.“ Die Entwicklung im Rezessionsjahr unterscheide sich aber von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, „als der private Konsum weniger beeinträchtigt war und dadurch eine stabilisierende Wirkung auf die deutsche Volkswirtschaft hatte“.

Für Nahrungsmittel und Getränke gaben die Deutschen nominal 6,3 Prozent mehr aus. Grund dafür dürfte sein, dass mehr von zu Hause gearbeitet, auf Vorrat gekauft und durch den Lockdown im Gastgewerbe weniger auswärts gegessen wurde. Hotels und Restaurants bekamen dies hart zu spüren: Die Konsumausgaben für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen fielen 2020 um ein Drittel. Für Verkehr gab die Bevölkerung knapp zwölf Prozent weniger aus. Während die Ausgaben für Flug-, Bahn- und Busreisen im Jahresverlauf weiter zurückgingen (1. Halbjahr -28,6 Prozent; 2. Halbjahr -38,6 Prozent), stieg die Nachfrage nach Kraftfahrzeugen – nach einem Rückgang im ersten Halbjahr 2020 um 20 Prozent – im zweiten Halbjahr um rund zehn Prozent.

Als Grund nannten die Statistiker die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent von Juli und bis Dezember 2020. Dies führte auch dazu, dass die Nachfrage nach langlebigen Gebrauchsgütern anderer Branchen deutlich anzog. So stiegen die Konsumausgaben für Einrichtungsgegenstände sowie Haushaltsgeräte im zweiten Halbjahr spürbar um fast sieben Prozent. Branchenübergreifend gingen die Konsumausgaben für langlebige Güter im ersten Halbjahr um 8,5 Prozent zurück, im zweiten Halbjahr stiegen sie um 7,8 Prozent. „Auf die Käufe kurzlebiger Gebrauchsgüter - zum Beispiel Bekleidung und Schuhe - hatte die Mehrwertsteuersatzsenkung hingegen keinen durchschlagenden Effekt.“ Diese Käufe waren ab Jahresmitte ebenfalls weiter rückläufig, wenngleich auch nicht so stark wie von Januar bis Juni. Für Dienstleistungen gaben die Menschen in den beiden Halbjahren in ähnlichem Umfang weniger aus.

Malle jubelt über deutsche Touristen, viele Spanier meckern

08:16
15.03.2021
Seit Sonntag müssen Deutsche, die Mallorca und mehrere andere spanische Urlaubs-Regionen besuchen, bei der Rückkehr nicht mehr in Quarantäne gehen. Aber nicht alle Spanier sind glücklich. Im Gegenteil.

Madrid/Palma - Nach der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca werden in Deutschland bereits beschwingt die Koffer gepackt, real oder zumindest in Gedanken.

Die Buchungen steigen sprunghaft an. Auf der coronageplagten spanischen Urlaubsinsel wecken die guten News nach monatelanger Tristesse plötzlich wieder Freude und Zuversicht. "Das ist eine fantastische Nachricht", zitierte die "Mallorca Zeitung" den Fremdenführer Adán André Alomar. Ohne eine Rückkehr der Touristen würde "die Insel an Hunger sterben", weiß der junge Mann.

"Die beste Nachricht überhaupt", jubelte auch Ballermann-Gastronom Juan Miguel Ferrer. Man sehe "das Licht am Ende des Tunnels". Nach der Berliner Entscheidung kündigte der Chef des Interessenverbandes "Palma Beach" mit seinen Mitstreitern - Hoteliers, Lokalbesitzern und anderen Unternehmern - für Ostern gleich die Wiedereröffnung von mindestens 15 Hotels für insgesamt 4000 Besucher an. Der angesehene Analyst Miguel Otero twitterte: "Die Deutschen kommen wieder!"

Sonne, Strand und Sangria für die einen, Konjunkturantrieb und klingelnde Kassen für die anderen - eine typische Win-Win-Situation? Von wegen. Unzählige Menschen in Spanien schäumen vor Wut. Bis zum 9. April dürfen die Einheimischen nach einem jüngsten Beschluss der Zentralregierung ihre Region nur in seltenen Ausnahmefällen verlassen. Verwandtenbesuch oder Urlaub außerhalb der eigenen "Autonomen Gemeinschaft" etwa sind strikt untersagt. Deutsche und Bürger anderer Länder werden derweil nahezu hindernisfrei ins Land gelassen. Meist reicht ein PCR-Test.

Geschimpft wird daher dieser Tage überall. In Cafés, in den Medien, im Fernsehen, im Netz. Und auch in der Politik. Vor allem in der Comunidad Autónoma Madrid, wo man traditionell besonders stolz, streitbar und selbstbewusst ist und sich nur ungern etwas vorschreiben lässt, ist der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez zum Buhmann geworden. Die konservative Regionalregierung, die Corona mit eher laxen Regeln bekämpft, schimpft besonders laut: "Es ist unverständlich, dass sich ein Madrilene in Spanien nicht frei bewegen darf, und ein Franzose, ein Deutscher oder Belgier einreisen kann", kritisierte Gesundheitsminister Enrique Ruiz Escudero.

Kunststudent Pedro (23) räumt in einem Café im Madrider Szeneviertel Chueca ein: "Ich bin eigentlich mit ganzem Herzen Sozialist, aber diese Maßnahmen sind wirklich nicht zu rechtfertigen. Ach, Mensch, Pedro, du hast mich enttäuscht!". Ana Rosa, Starmoderatorin des Madrider TV-Senders "Telecinco", machte ihrem Ärger vor laufenden Kameras hemmungslos Luft, als sie vom Beschluss erfuhr. "Was? Ausländer lässt man rein und ich darf nicht nach Extremadura?"

"Spanien wird zu Ostern ein Bunker für die Spanier und eine Oase für die Touristen aus dem Ausland sein", titelte am Wochenende ebenso groß wie kritisch die Zeitung "ABC". Das Blatt "Última Hora" sprach von "Willkür", und sogar die "Mallorca Zeitung" stellte fest: "Osterferien auf Mallorca: für Deutsche Ja, für Spanier Nein".

Im Netz ist die Entrüstung nicht minder groß. Es gibt Hunderte von Klagen. "Mal schauen, ob ich das richtig verstanden habe: Ich wohne im Süden Madrids. Zu Ostern darf mich also meine in Deutschland wohnende Tochter besuchen, aber mein Sohn, der in Illescas nur fünf Kilometer von mir entfernt lebt, der darf das nicht? Sehr logisch", protestiert Yeni auf Twitter. Dort äußerte auch Jiménez Caballero Verwunderung: "Zu Ostern darf ich nicht in mein Ferienhaus am Strand, aber mein Nachbar, der in Deutschland wohnt, der darf das?"

Dabei geht es nicht nur um Frust, Neid und Unverständnis. Nachdem die Zahl der Infektionsfälle zuletzt im Zuge von teils sehr strengen Einschränkungen rapide gesenkt wurde, haben viele Angst, dass die Touristen aus Ländern mit deutlich höheren Werten - und dazu gehört auch Deutschland - eine neue Corona-Welle verursachen könnten. Zu gut sind noch die Bilder des Sommers 2020 in Erinnerung, als nach monatelangem Lockdown mit "Hausarrest" und Grenzschließungen wieder Tourismus erlaubt wurde und angetrunkene Urlauber aus Deutschland und Großbritannien am Ballermann ohne Corona-Schutz wild Party feierten, aus nächster Nähe mit Fremden flirteten und Straßenhändler umarmten.

Auch auf den Balearen mischt sich Skepsis in die Freude. Dabei wissen die Menschen auf den Mittelmeer-Inseln besser als jeder andere Spanier, dass man ohne die Touristen nicht überleben kann. Der Anteil der Reisebranche am Regionaleinkommen beträgt hier 35 Prozent, für ganz Spanien sind es "nur" 12 Prozent. Im Zuge der Pandemie und der Einschränkungen der Reisefreiheit wuchsen Arbeitslosigkeit und Armut auf den Balearen drastisch - mehr als irgendwo sonst in Spanien. Die Schlangen vor den Tafeln werden immer noch täglich ein Stück länger.

Viele sind hier trotzdem dagegen, Tourismus zuzulassen. "Das ist die beste Art und Weise, wieder zum Risikogebiet zu werden", zitierte die "Mallorca Zeitung" den bekannten Insel-Cartoonisten Pau. "Für eine allenfalls mittelmäßige Saison" setze man "noch mehr Leben aufs Spiel". Schriftstellerin Antònia Vicens spricht von überstürzten Lockerungen und Musikerin Isis "Apache" Montero meint: "Solange wir Bewohner während der Osterwoche Restriktionen unterworfen sind - nur Versammlungen von maximal zwei Haushalten, Schließung der Bars und Restaurants um 17 Uhr, Ausgangssperre etc. - sollten sie niemanden hineinlassen, der nicht seinen Erstwohnsitz auf Mallorca hat."

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur appelliert Joan Trian Riu, Managing Director der großen mallorquinischen Hotelkette Riu Hotels & Resorts, an die Vernunft: "Die Touristen müssen sich verantwortungsbewusst verhalten." Ferrer, dessen Vater Ende der 1970er Jahre im legendären "Köpi" an der Playa de Palma als erster Fassbier ausgeschenkt hat und so als Gründer von "Bierstraße" und Ballermann gelten darf, gibt sich unterdessen optimistisch: Nicht nur wegen der noch geltenden Einschränkungen, sondern auch wegen der strengeren Gesetze und des Kurswechsels der Branche auf Mallorca, werde "Sauftourismus eine immer geringere Rolle spielen."