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Deutschland holt USA bei Corona-Erstimpfungen ein

14:41
30.06.2021
Lange Zeit blickten viele Deutsche mit Neid auf das Impftempo in den USA. Beim vollen Impfschutz liegen die Amerikaner auch weiter deutlich vorne - aber nicht mehr bei den Erstimpfungen.

Berlin - Deutschland hat die USA bei den Corona-Erstimpfungen eingeholt. "Die USA sind schnell gestartet, heute liegt Deutschland bei Erstimpfungen erstmals gleichauf", schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Vormittag bei Twitter.

45,3 Millionen der rund 83 Millionen Bürgerinnen und Bürger oder 54,5 Prozent seien mindestens einmal geimpft. Die Webseite der US-Gesundheitsbehörde CDC zeigte am Mittwoch eine Quote von 54,2 Prozent Erstimpfungen an. Allerdings lagen dort zunächst noch die Daten vom Vortag vor.


Beim Blick auf die vollständigen Impfungen liegt Deutschland noch deutlich hinter den Vereinigten Staaten: Spahn zufolge haben inzwischen 30,3 Millionen Menschen in Deutschland (36,5 Prozent) den vollen Impfschutz. In den USA sind es laut CDC mehr als 46 Prozent der rund 330 Millionen Einwohner.

Das Interesse an den Impfungen in Deutschland sei nach wie vor ungebrochen, sagte ein Sprecher der Bundesregierung. Im Tagesschnitt gebe es aktuell 800.000 Impfungen. Spahn rief angesichts der Delta-Variante dazu auf, das Impfangebot wahrzunehmen.

dpa

Niederlande impfen nun auch Jugendliche gegen Covid-19

13:20
30.06.2021
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen eine Impfung gegen das Coronavirus. In den Niederlanden war die Lage bislang ähnlich - nun kommt die Wende.

Den Haag - Die Niederlande wollen nun auch 12- bis 17-Jährige gegen das Coronavirus impfen lassen. Dafür solle der Impfstoff der Hersteller Pfizer und Biontech genutzt werden, teilte Gesundheitsminister Hugo de Jonge in Den Haag mit.


Er folgt damit einer Empfehlung des Gesundheitsrates. Bisher konnten nur Jugendliche mit Vorerkrankungen geimpft werden. In der EU dürfen 12- bis 17-Jährige nur mit dem Impfstoff von Pfizer und Biontech geimpft werden.

Die Vorzüge einer Impfung würden auch bei Jugendlichen schwerer wiegen als mögliche Nachteile. Kinder und Jugendliche würden zwar nur sehr selten schwer an Covid-19 erkranken, schreibt der Minister in einem Brief an das Parlament. Aber auch Minderjährige müssten in Krankenhäusern behandelt werden und einige litten langfristig unter den schweren Folgen. Ein hoher Impfgrad in der Bevölkerung könne auch eine vierte Infektionswelle im Herbst verhindern.

dpa

Zahl der Arbeitslosen sinkt um 73.000

12:49
30.06.2021
Sonnenschein auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit sinkt wie schon lange nicht mehr in einem Juni. Auch die Kurzarbeit geht zurück. Lediglich der Ausbildungsmarkt gibt Anlass zur Sorge.

Nürnberg - Auf dem Weg aus der Corona-Pandemie ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland so stark gesunken wie seit zehn Jahren nicht mehr in einem Juni.

Im Vergleich zum Mai sank die Zahl der Menschen ohne Job deutlich um 73.000 auf 2,614 Millionen, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mit. Das sind 239.000 Arbeitslose weniger als im Juni 2020. Die Arbeitslosenquote sank bundesweit im Vergleich zum Mai um 0,2 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergibt sich sogar ein Minus von 0,5 Punkten.


"Hoffnung, dass wir das Schlimmste bewältigt haben"


Von den 2,614 Millionen Arbeitslosen gehen noch 400.000 auf das Konto der Corona-Pandemie. In Spitzenzeiten waren es 650.000. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, glaubt, dass entweder mit dem Herbstaufschwung 2023 oder mit dem Frühjahrsbelebung 2024 auch dieser Sockel abgebaut sein wird. Im laufenden Jahr werde sich der Abbau jedenfalls nach derzeitigem Erkenntnisstand fortsetzen, vielleicht sogar schon im Juli - einem Monat, in dem die Zahl der Arbeitslosen gewöhnlich steigt. "Der Arbeitsmarkt erholt sich und die Zahlen geben Hoffnung, dass wir das Schlimmste bewältigt haben", sagte der Arbeitsmarktpolitiker Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne).


"Die umfassende Besserung auf dem Arbeitsmarkt setzt sich im Juni fort", sagte Scheele. "Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind weiter kräftig gesunken." Die Unternehmen reduzierten weiter die Kurzarbeit und suchten wieder verstärkt nach Personal. Für die Monatsstatistik hat die Bundesagentur Daten bis zum 14. Juni berücksichtigt.




Rückgang auch bei der Kurzarbeit

Auch die Langzeitarbeitslosigkeit ging im Juni leicht zurück - um 4000 auf 1,06 Millionen. Das sei nicht viel, aber immerhin sei der fortlaufende Anstieg während der Pandemie gebrochen. Nach Ende der Pandemie müsse man sich daran machen, die verloren gegangenen Erfolge wieder zu erlangen. Der sozialpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Pascal Kober, forderte, die Instrumente zur Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen müssten auf den Prüfstand. Nur 8,9 Prozent nähmen aktuell an einer Fördermaßnahme teil. "Langzeitarbeitslosigkeit darf sich nicht verfestigen", mahnte er.

Bei der Kurzarbeit habe sich ein spürbarer Rückgang ergeben, hieß es von der Bundesagentur. In der Zeit vom 1. bis 24. Juni habe es lediglich noch neue Anzeigen für 59.000 Personen gegeben. Meist wird für weniger Personen Kurzarbeit tatsächlich in Anspruch genommen als angezeigt. Daten für die tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen der Bundesagentur nur bis zum April vor. In diesem Monat wurde Hochrechnungen zufolge für 2,34 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld gezahlt. In der Spitze waren es im April 2020 fast sechs Millionen.

Angespannte Lage auf Lehrstellenmarkt

Zum Start des Ausbildungsjahres ist die Situation auf dem Lehrstellenmarkt angespannt. Von Oktober 2020 bis Juni 2021 hätten sich 385 000 junge Leute und damit 32.000 weniger als ein Jahr zuvor auf einen Ausbildungsplatz beworben - bei einem in etwa gleichem Aufkommen von Schulabgängern. 158.000 Bewerber seien im Juni noch unversorgt gewesen. Die Betriebe hatten bis dato 468.000 Lehrstellen gemeldet, 15.000 weniger als im Jahr zuvor. Davon waren 216.000 im Juni noch unbesetzt.

Ein Problem ist, dass Lehrbetriebe und Bewerber wegen pandemiebedingt fehlender Ausbildungsmessen, schwieriger Praktikumssituationen und erschwerter Berufsberatung in den Schulen nicht ausreichend zueinander fanden. "Jetzt muss alles dafür getan werden, um das Matching von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt voranzubringen. Verlorene Ausbildungsjahrgänge wegen Corona können wir uns nicht leisten", sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.

Arbeitskräftepotenzial in Deutschland schrumpft

Dulger hat - wie auch Scheele - dabei ein Problem des Arbeitsmarktes im Blick, das in den vergangenen Monaten hinter der Corona-Problematik zurückstehen musste, aber deswegen nicht wegging: den Fachkräftemangel. Das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland schrumpfe, die Netto-Zuwanderung sei viel zu gering, um den Bedarf ausgleichen zu können.

"Die Unternehmen und der Wirtschaftsstandort Deutschland als Ganzes sind auf diese Fachkräfte dringend angewiesen", sagte die Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Leonie Gebers. "Deshalb unterstützen wir Unternehmen, die trotz Krise weiter ausbilden mit der Azubi-Prämie und werben in zahlreichen Aktionstagen um Auszubildende und Ausbildungsbetriebe", betonte sie.

"Statt lautstark den zunehmenden Fachkräftemangel zu beklagen, ist jetzt die Zeit für Politik und Arbeitgeber, die Ärmel hochzukrempeln und alles daran zu setzen, mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. "Die Uhr für das neue Ausbildungsjahr tickt, denn die Ferienzeit hat begonnen", erklärte sie. Fast 160.000 Bewerberinnen und Bewerber seien noch nicht versorgt. "Das sind zwar weniger als im Vorjahr – aber es sind immer noch viel zu viele."

dpa