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Merkel warnt vor Corona-Rückschlägen - Delta macht Sorge

19:15
23.06.2021
Die Delta-Variante kann in Deutschland auf viele Menschen ohne vollen Impfschutz treffen. Die Mutation besorgt die Behörden und die Kanzlerin - denn sie wird sich wohl zügig weiter ausbreiten.

Berlin - Angesichts der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus in Teilen Europas hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor Rückschlägen gewarnt.

"Wir dürfen jetzt das, was wir gemeinsam erreicht haben, nicht leichtfertig riskieren", sagte Merkel bei ihrem letzten Auftritt bei der Regierungsbefragung im Bundestag. Den vollen Impfschutz, der für die ansteckendere Delta-Variante als nötig gilt, hat mittlerweile knapp jeder Dritte in Deutschland. Die zunächst in Indien aufgetretene Variante wird sich nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC im Laufe des Sommers deutlich in Europa ausbreiten.


"Bewegen uns immer noch auf dünnem Eis"


"Auch wenn die dritte Welle eindrucksvoll gebrochen ist - vorbei ist die Pandemie noch nicht", sagte Merkel. "Wir bewegen uns immer noch auf dünnem Eis." Das geringe Infektionsgeschehen sei ermutigend und lasse Öffnungen zu. Es gelte aber, dabei mit Augenmaß vorzugehen. So gebe es etwa in Portugal und Russland stark steigende Neuinfektionen mit der Delta-Variante. "Das sollte uns Warnung und Auftrag zugleich sein, denn auch bei uns steigt der Anteil der Delta-Mutation an den Infektionen." Merkel bedauerte, dass nicht alle europäischen Länder dieselben Reiseregeln vorsähen, etwa mit Quarantäne bei Einreise aus Virusvariantengebieten. Wenn man nun vorsichtig und aufmerksam bleibe und die vergleichsweise erträglichen Schutzregeln beachte, werde die Pandemie "ihren Schrecken verlieren und endgültig überwunden werden".


Laut Robert Koch-Institut haben inzwischen 43 Millionen Menschen mindestens eine Impfung bekommen - 51,6 Prozent. 26,9 Millionen oder 32,4 Prozent sind vollständig geimpft. Merkel bekräftigte die Zusage, allen Bürgern bis Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen. Wenn die Lieferungen der Hersteller gut liefen, gebe es sogar "einen kleinen Puffer". Impfzentren würden aber im Herbst weiter gebraucht. Die mobilen Impfteams, die dort oft gebildet würden, müssten dann wieder zum Einsatz kommen - etwa für Nachimpfungen in Pflegeheimen.




Delta besonders für Jüngere gefährlich

Die Direktorin der EU-Gesundheitsbehörde ECDC, Andrea Ammon, sagte: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante während des Sommers stark zirkulieren wird." Dies gelte ganz besonders für Jüngere, die nicht zu den Zielgruppen der Impfkampagnen gehörten. Dies könne ein Risiko verursachen, dass sich gefährdetere Personen anstecken und einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf erleben oder sterben könnten, wenn sie nicht vollständig geimpft seien.

Den verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sei die Delta-Variante (B.1.617.2) um 40 bis 60 Prozent übertragbarer als die zunächst in England aufgetretene Alpha-Variante (B.1.1.7), erklärte die in Stockholm ansässige Behörde. Sie rechnet damit, dass schon Anfang August 70 Prozent aller Neuinfektionen in der Europäischen Union und den mit ihr verbundenen Ländern Norwegen, Island und Liechtenstein auf Delta zurückzuführen sein werden. Ende August dürften es dann bereits 90 Prozent sein.

Vorläufige Daten zeigten, dass sich auch Menschen mit der Delta-Variante anstecken könnten, die erst eine Dosis der derzeit verfügbaren Impfstoffe erhalten hätten, erklärte Ammon. Zwei Impfdosen böten hohen Schutz gegen diese Variante und ihre Folgen.

Vor diesem Hintergrund rief die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar Urlauber zu besonderer Wachsamkeit auf. "Gerade mit Blick auf die Sommerferien ist es extrem wichtig, darauf zu achten, dass durch Reiserückkehrende keine Infektionen eingetragen werden", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion der Deutschen Presse-Agentur. "Wir alle haben uns einen Urlaub verdient, allerdings rate ich davon ab, in Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete zu reisen."

Drosten: Bewusstsein für Impfung stärken

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus zeigte sich optimistisch, dass Schulen in Deutschland nicht erneut wegen der Corona-Pandemie schließen müssen. Jedoch sagte er RTL/ntv auch: "Jemand, der jetzt definitive Versprechen abgibt, der wagt sich da weit aus dem Fenster raus, weil das Geschehen natürlich noch weiter dynamisch ist." Man wisse nicht, welche Virusvarianten noch auftauchten.

Der Virologe Christian Drosten plädierte dafür, das Bewusstsein für die Bedeutung der Impfung zu stärken. "Das ist wirklich das, was wir jetzt machen müssen", sagte der Experte der Berliner Charité im Podcast "Coronavirus-Update" (NDR-Info). Er legte sich nicht fest, ob es wegen der Ausbreitung der Delta-Variante bereits im Sommer oder erst im Herbst zu einer Trendumkehr kommen könnte. Im Herbst werde die Inzidenz auf jeden Fall wieder steigen, sagte Drosten und betonte die Wichtigkeit der Impfung bei Eltern von Schulkindern.

"Wir müssen einfach schnell impfen", lautet sein Appell. Reiche dies nicht, müsse man erneut mit Kontaktbeschränkungen gegensteuern. "Aber es gibt auch gute Gründe zu denken, dass das in Deutschland nicht notwendig wird." In England, wo sich die Corona-Lage wegen der Delta-Variante wieder verschlechtert hat, sei die Inzidenz nicht so heruntergebremst gewesen wie jetzt in Deutschland.

Delta-Anteil erneut fast verdoppelt

In Deutschland wächst der Anteil der Delta-Variante deutlich. Er verdoppelte sich in einer Stichprobe im Vergleich zur Vorwoche fast auf nun 15,1 Prozent, wie aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwochabend hervorgeht. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni. Die Werte für die Woche zuvor wurden wegen Nachmeldungen rückwirkend von etwa sechs auf acht Prozent korrigiert.

In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von 4 auf 8 auf 15 Prozent. Dieses Tempo hatten Fachleute befürchtet. Noch dominiert die in Großbritannien entdeckte Variante Alpha (B.1.1.7) das Infektionsgeschehen, der Anteil an den positiven Fällen in der Stichprobe ist nun jedoch nach Wochen mit Werten von um 90 Prozent auf 74 Prozent geschrumpft.

dpa

RKI: 1016 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz bei 7,2

19:14
23.06.2021
Die Zahl der Neuansteckungen sinkt im Wochenvergleich weiter. Auch die Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 gehen zurück.

Berlin - Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 1016 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.06 Uhr wiedergeben.

Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1455 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 7,2 an (Vortag: 8,0; Vorwoche: 13,2).


Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 51 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 137 Tote.


Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.723.798 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.


Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.611.500 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 90.523 angegeben.

Den 7-Tage-R-Wert gab das RKI am Mittwochabend mit 0,72 (Vortag: 0,68) an. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 72 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

dpa

Online-Tickets fürs Schwimmbad - öfter Reibereien am Freibad

19:14
23.06.2021
An heißen Tagen werden Freibäder zu Hotspots. Doch in der Pandemie wird der Zutritt meist über Online-Tickets geregelt. Mancherorts wird es deshalb hitzig. Die Bäder setzen auf mehr Sicherheitsdienste.

Berlin - Auch im zweiten Corona-Sommer sind die Plätze in den Freibädern pandemiebedingt begrenzt - bei hochsommerlichem Wetter kann das für Unmut und Gedrängel sorgen. So steigt etwa manchen Badegästen in der Hauptstadt die Hitze zu Kopf.

Die Berliner Bäderbetriebe haben deshalb an den heißen Tagen laut einer Sprecherin teilweise das Sicherheitspersonal aufgestockt. Bei Hitze komme es demnach häufiger zu Unstimmigkeiten.

Um in Corona-Zeiten Überfüllung zu vermeiden, müssen die Besucher vielerorts vorab Zeitfenster reservieren oder Online-Tickets kaufen. Gerade an heißen Tagen sind die Kapazitäten deshalb schnell ausgeschöpft. Wer spontan den Weg ins Freibad antritt, könnte nicht eingelassen werden.

Weil es zu Auseinandersetzungen zwischen wartenden Badegästen kam, erwägt auch die Stadt Bayreuth einen Sicherheitsdienst vor dem Freibad einzusetzen. In Berliner Freibädern in den Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg sind seit Jahren Wachleute von privaten Firmen im Einsatz. Es hatte vereinzelt vor einigen Jahren Massenschlägereien und Badelatschen-Schläge für Bademeister gegeben, oder Jugendliche hatten den Sprungturm besetzt. Mehrmals waren in der Vergangenheit Bäder geräumt worden, weil die Stimmung wegen nichtiger Anlässe gekippt war.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Württemberg sieht dagegen keine Sicherheitsprobleme. Auch ein Sprecher der Stadt Stuttgart sagt: "Von Drängeleien ist uns nichts bekannt." Es sei zwar Security vor Ort, aber die Beschäftigten hätten vor allem damit zu tun, darauf zu achten, dass in den Warteschlangen der Abstand eingehalten werde.

In Frankfurt am Main mussten während der zurückliegenden heißen Sommertage vereinzelt Gäste abgewiesen werden, es sei aber nicht zu größeren Reibereien gekommen, sagt der Geschäftsführer der BäderBetriebe Frankfurt GmbH, Boris Zielinski. Die meisten Menschen wüssten, dass sie Tickets vorab kaufen müssen und kämen dann erst gar nicht zum Schwimmbad, falls bereits alle Plätze weg sind.

Im hessischen Hanau war das Heinrich-Fischer-Bad an den Hitzetagen zeitweise komplett ausgebucht, Gäste hätten wieder gehen oder vor dem Eingang warten müssen, bis andere herauskamen, sagt der Geschäftsführer der Hanauer Bäder GmbH, Uwe Weier. Dies habe in einigen Fällen auch zu Verstimmungen und Diskussionen geführt. Größere Zwischenfälle habe es aber nicht gegeben - man setze in solchen Fällen auch auf einen Sicherheitsdienst, der die Leute aktiv anspreche, um zu deeskalieren.

Ein Besuchermagnet im Rhein-Main-Gebiet ist an warmen Sommertagen auch der Langener Waldsee. Bis zu 15.000 Menschen tummeln sich in normalen Jahren an dem Badesee zwischen Frankfurt und Darmstadt. In diesem Jahr ist das Angebot jedoch auf 5000 Plätze pro Tag beschränkt. Zutritt gibt es ausschließlich über vorab im Internet gekaufte Tickets. Nadelöhr sind am Langener Waldsee aber vor allem die Parkplätze - nur rund 700 bietet das Gelände an dem Badesee. Wer mit dem Auto anreisen will, sollte deshalb nicht nur ein Online-Ticket für den See-Besuch, sondern auch ein Parkplatzticket kaufen - oder sich einen anderen Anreiseweg überlegen.

Schon im vergangenen Jahr kam es zu teils chaotischen Zuständen, weil Besucher ihre Autos unerlaubt an einer Bundesstraße abstellten, Rettungs- und Waldwege zuparkten und dadurch sogar ein Waldbrand ausgelöst wurde. Deshalb würden konsequent Strafzettel verteilt und Autos auch abgeschleppt, sagt ein Sprecher der Stadt Langen.

dpa