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Delle in der Baukonjunktur: Materialmangel verschärft sich

11:39
01.06.2021
Deutschlands Baufirmen haben ein goldenes Jahrzehnt hinter sich. Doch dieses Jahr sieht mau aus - und der Materialmangel macht immer mehr Unternehmen Probleme.

Düsseldorf - Die deutsche Baubranche kann nach einer neuen Studie nach dem Ende der Corona-Krise nicht mit einem neuerlichen Boom rechnen.

Die Unternehmensberatung EY Parthenon prophezeite für den Hochbau Stagnation im laufenden und eine Erholung im kommenden Jahr - aber insgesamt schwächeres Wachstum. Die Fachleute nannten mehrere Gründe: sinkende Mietrenditen, Kapazitätsengpässe in der Baubranche, knapper werdendes Bauland und damit einhergehend steigende Baukosten.

Architekten und Planer unterscheiden zwischen Hoch- und Tiefbau: Zum Hochbau gehört der Bau von Gebäuden jeder Art, ob Wohnungen, Büros oder Türme. Zum Tiefbau zählt alles, was wie Straßen oder Tunnels an oder unter der Erdoberfläche liegt. Nach einer Unternehmensumfrage des Münchner Ifo-Instituts hat sich der Materialmangel auf Deutschlands Baustellen in den vergangenen Wochen dramatisch verschärft.

Baustoffbeschaffung bereitet Probleme

Im Hochbau berichteten im Mai demnach 43,9 Prozent der befragten rund 800 Firmen über Probleme bei der rechtzeitigen Beschaffung von Baustoffen. Im April waren es 23,9 Prozent gewesen. Die Baubranche leidet auch unter rasant steigenden Rohstoffpreisen, wie Ifo-Umfragefachmann Felix Leiss sagte.

EY Parthenon erwartet für 2022, dass im Hochbau 253,2 Milliarden Euro ausgegeben werden, und zwar für Neubau und Renovierungen insgesamt. Das wären 1,4 Prozent mehr als in diesem Jahr. Für 2023 erwarten die Unternehmensberater ein Plus von 1,5 Prozent.

Die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre würden noch nicht wieder erreicht, heißt es in dem Papier. Vor allem im Einzelhandel, zum Teil aber auch in Hotellerie und Gaststätten erwarten die Berater schwächeres Wachstum. Die Prozentzahlen beziehen sich auf das gesamte Bauvolumen in Milliarden Euro, bereinigt um die Inflation.

Rückgang beim Wirtschaftsbau

im Hochbau machte sich die Corona-Krise 2020 laut Studie vor allem in einem Rückgang des Wirtschaftsbaus bemerkbar, der Bautätigkeit für gewerbliche Zwecke: Der Neubau ging demnach um 3,5 Prozent zurück, die Renovierung bestehender Gebäude um 2,5 Prozent.

Insgesamt schrumpfte der Nicht-Wohnungsbau demnach im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent, während der Wohnungsbau weiter kräftig zulegte. Motor des Hochbaus war 2020 laut Studie mit einem Wachstum von 4,9 Prozent vor allem der Staat, da öffentliche Bauaufträge von der Corona-Krise kaum beeinträchtigt wurden.

Ungeachtet der erwarteten schwächeren Wachstumsraten gehen die Studienautoren davon aus, dass die Baupreise auch in Zukunft steigen und die allgemeine Inflationsrate übertreffen. Gründe sind demnach teurere Baumaterialien, die Kapazitätsengpässe der Baubranche, aber auch die bürokratischen und politischen Vorgaben etwa für Barrierefreiheit oder Wärmedämmung. "Wir rechnen auch in den nächsten Jahren mit überdurchschnittlichen Preissteigerungen im Baugewerbe", sagte Axel Schäfer, einer der Baufachleute bei EY Parthenon.

dpa

Zahl der Arbeitslosen sinkt im Mai um 84.000

11:07
01.06.2021
Weniger Arbeitslose und Kurzarbeiter, ganz leichte Entspannung sogar bei der Langzeitarbeitslosigkeit: Der Mai 2021 ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach der langen Corona-Durststrecke ein Wonnemonat.

Nürnberg - Der erste Lichtschein am Ende des Tunnels ist schon zu sehen, doch der Weg ist noch lang: Auf dem deutschen Arbeitsmarkt geht es aufwärts, wenngleich es bis zu dem Niveau, das vor der Corona-Krise erreicht worden war, noch weit ist.

Erst 2024 oder 2025, so schätzt der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, könnte es soweit sein. Derzeit sind nach seiner Darstellung noch 450.000 Menschen in Deutschland pandemiebedingt ohne Job. In der Spitze waren es im vergangenen Jahr rund 650.000, noch im April rund 500.000.

Folgen der Corona-Krise "kleiner"

"Im Mai zeigen sich erste Anzeichen für eine umfassende Besserung am Arbeitsmarkt", sagte Scheele am Dienstag in Nürnberg. "Die Folgen der Corona-Krise sind zwar immer noch sehr deutlich sichtbar, werden aber etwas kleiner", betonte er. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht Grund zur Zuversicht. Die Bundesregierung kämpfe mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln um die Stabilität auf dem Arbeitsmarkt.

Dank einer Fortsetzung der Frühjahrsbelebung ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Mai auf 2,687 Millionen gesunken. Das sind 84.000 weniger als im Vormonat April und 126.000 weniger als im Mai 2020. Der Vergleichsmonat Mai 2020 gilt als einer der am stärksten von der Corona-Problematik betroffenen Monate.

Die Arbeitslosenquote sank im Mai 2021 im Vergleich zum April um 0,1 Punkte auf 5,9 Prozent, im Vergleich zum Mai 2020 um 0,2 Punkte. Ohne den Corona-Effekt läge sie nach Scheeles Worten bei 4,9 Prozent - exakt das Niveau vom Mai 2019. Auch bei der Zahl der offenen Stellen gibt es Lichtblicke. Im Mai waren der Bundesagentur 654.000 offene Stellen gemeldet worden, 70.000 mehr als vor einem Jahr. Allerdings liegt die Zahl noch niedriger als im März 2020 - dem letzten Monat vor dem ersten Corona-Lockdown. Für die Mai-Statistik waren Daten bis zum 12. des Monats gesammelt worden.

Kurzarbeit geht zurück

Die coronabedingte Kurzarbeit geht den Angaben der Bundesagentur zufolge deutlich zurück. Zwischen dem 1. und 26. Mai hätten Betriebe nur noch für 96.000 Menschen Kurzarbeit angemeldet. Wirklich in Anspruch genommen wird Kurzarbeit erfahrungsgemäß weniger als vorsorglich angemeldet.

Tatsächlich gezahlt worden sei Kurzarbeitergeld im Monat März 2021 für 2,61 Millionen Menschen - die Hälfte davon in den Branchen Gastronomie, Einzelhandel und personennahe Dienstleistungen. Damit sei die Zahl im März erstmals seit November 2020 - als es zu einem erneuten Corona-Lockdown gekommen war - wieder gesunken, und zwar deutlich um 663.000. "Wir trauen uns zu prognostizieren, dass es weiter sinkt und wir wieder unter die Zwei-Millionen-Grenze kommen", sagte Scheele. In der Spitze hatten im April 2020 fast sechs Millionen Menschen in Deutschland Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen.

Wie anfällig der Arbeitsmarkt aber noch immer ist, sehen die Nürnberger Arbeitsmarkt-Experten auch an einem neuen Phänomen: Gegen jede konjunkturelle Logik kommen Anzeigen für Kurzarbeit derzeit auch aus der eigentlich boomenden Baubranche. Dort haben die ersten Menschen nichts zu tun, weil der Weltmarkt notwendige Rohstoffe wie Bauholz nicht in ausreichender Menge liefert. "Der Arbeitsmarkt ist noch nicht über dem Berg", sagte Scheele auch mit Blick auf solche Erscheinungen.

Alte Probleme rücken wieder in den Fokus

Die Transformationsprozesse in der Industrie, der anhaltende Fachkräftemangel, die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt und mit der Langzeitarbeitslosigkeit - all das wird nach Ansicht von Scheele in den nächsten Monaten wieder stärker in den Vordergrund rücken, wenn die pure Corona-Problematik allmählich nachlassen wird. So müssten etwa die Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung nur angelernten Personals hin zu Facharbeitern stärker ergriffen werden, wolle man die Zahl von deutlich über einer Million Langzeitarbeitslosen mittelfristig wieder drücken. Immerhin: Die Zahl ist im Mai nicht mehr weiter gestiegen.

Bei der Ausbildung besteht nach wie vor das Problem, dass die jungen Leute und die Anbieter von Lehrstellen nicht ausreichend gut zueinander finden. Mit einer regionalisierten Internetplattform will die Bundesagentur hier nun Abhilfe schaffen. Derzeit seien 447.000 Lehrstellen gemeldet, aber nur 366.000 junge Leute suchten einen Ausbildungsplatz. "Wer zu uns kommt, dem können wir ein Angebot machen", sagte Scheele.

dpa