Aus Träumen werden endlich wieder Reisen: Dank Lockerungen und Fernweh buchen viele Menschen jetzt ihren Urlaub. Im Landkreis Kulmbach kommen die Mitarbeiter der Reisebüros kaum hinterher.
Kulmbach - „Das ist jetzt schlagartig losgegangen. Wir buchen und buchen. Jeder möchte gerne verreisen. Und ich glaube, meinen Kollegen und Kolleginnen geht es genauso“: Claudia Hoffmann, Inhaberin vom Reisebüro TUI Travelstar in Kulmbach-Weiher kann und will sich derzeit vor Arbeit kaum noch retten. Nach monatelanger Durststrecke mit Verboten und großer Verunsicherung bei den Kunden wegen Corona laufen jetzt die Telefone der Reisevermittler in der heimischen Region heiß. „Tapetenwechsel“ heißt das Schlagwort. Ob schon gleich für die Pfingstferien oder erst recht für den Sommerurlaub. Am liebsten ab in die Sonne, an Strand und Meer in Griechenland, Spanien oder auf die Kanaren.
„Momentan kommen wir gar nicht rum“, sagt Claudia Hoffmann weiter. Sie werde demnächst ihr Personal – derzeit vier Mitarbeiter/innen – aufstocken. Dass es in dieser Phase zu Überstunden kommen könne, sei klar und auch allen bewusst. Die Buchungswünsche seien bislang recht breit gestreut, auch Fernreisen seien darunter, so auf die Malediven. Ansonsten wollen die Kunden bei TUI Travelstar auf die Kanaren, nach Griechenland, Spanien, Mallorca oder nach Ägypten. Nahe Ziele wie Österreich für Wanderurlaube oder Radreisen könne sie auch verbuchen. „Da läuft ganz viel und das ist super.“ Sie selbst habe sich heuer eine Alpen-Überquerung vom Bodensee an den Gardasee vorgenommen. Kreuzfahrten indessen würden für 2021 kaum gebucht, eher für 2022. Hier sei seitens der Veranstalter noch nicht alles startklar.
Dass es mit mehr Reisefreiheit zu einem Run auf die Reisebüros kommen werde, habe sie erwartet. „Nur nicht so früh“, sagt Claudia Hofmann. Die Chefin vermutet ganz stark, dass der Fortschritt bei den Impfungen erheblich zu den jetzt massiv ansteigenden Buchungen führt. Und die Zuversicht der Menschen steigt offenbar: Für Herbst und Weihnachten buchen die Kunden im Reisebüro von Claudia Hoffmann auch schon fleißig.
Trotz Entspannung: Die Kundschaft bleibt vorsichtig. Sie bucht so genannte Flex-Tarife für eine mögliche Stornierung oder Umbuchung lieber hinzu. Diese Zusatzleistung biete fast jeder Reiseveranstalter an. Bis zwei Wochen vor Reisebeginn kann damit eine Reise- natürlich auch Corona bedingt - kostenlos storniert werden. Hoffmann versteht die Vorsicht und empfiehlt die Pakete sogar. „Wir wollen, dass unsere Kunden auf der sicheren Seite sind“, sagt sie dazu.
„Wir verspüren hier eine Art Aufbruchsstimmung. Die Menschen wollen raus, Tapetenwechsel machen“, sagt derweil Melanie Schaffranek vom gleichnamigen Kulmbacher Reisecenter. Außerdem gebe s einen riesigen Reise-Nachholbedarf. Die Sehnsucht nach Ortsveränderung könne sie gut nachvollziehen. Sie habe kürzlich eine Fernreise unternommen. „Es tut wahnsinnig gut, eine Auszeit von zuhause zu nehmen. Der Erholungseffekt ist riesig“, sagt die Geschäftsführerin. Um ein paar Tage Erholung genießen zu können, nähmen die Reiselustigen auch gerne Auflagen wie Corona-Tests in Kauf. Wichtig seien natürlich auch stimmige Hygienekonzepte in den Urlaubshotels.
Griechenland und die Kanarische Inseln oder die Balearen werden im Kulmbacher Familienunternehmen kurzfristig am meisten gebucht. Dort, wo die Quarantäne-Regeln weggefallen sind, wollen die Kunden natürlich eher hin. Kreuzfahrten sind eher etwas für später, für den Winter - in die Karibik zum Beispiel.
„Wir haben uns in den zurückliegenden Monaten nicht unterkriegen lassen“, sagt die Geschäftsführerin weiter. Für ihre Mitarbeiter/innen habe sie Kurzarbeit angemeldet. „Hut ab vor meinem Team. Alle haben mitgezogen, “ sagt Schaffranek weiter. Das Unternehmen habe zudem direkte staatliche finanzielle Hilfen erhalten, die in ihrem Falle dankenswerter Weise zeitnah ausgezahlt worden seien. Die Branche wird noch geraume Zeit brauchen, um die enormen geschäftlichen Corona-Verluste wieder wettmachen zu können. Sie sei momentan sehr zuversichtlich, dass die Geschäftsbilanz Ende 2021 vergleichsweise gut aussehen wird, so Melanie Schaffranek. Die Verunsicherung bei den Kunden sinke und die „Leute beschäftigen sich wieder mehr mit dem Verreisen.“ Auch dank steigender Impfzahlen.
Auch beim TUI-Reisebüro in Kulmbach ziehen die Buchungen an. „Von Woche zu Woche“, sagt Mitarbeiterin Lisa-Marie Reichelt. Vor allem würden solche Länder gebucht, die keine Risikogebiete sind und Lockerungen zulassen. „Die Leute sitzen auf gepackten Koffern und entscheiden sich nach guten Nachrichten aus Reiseländern zur Buchung“, sagt sie weiter.
Mallorca, die griechischen Urlaubsinseln und seit kurzem auch die Kanaren, die ebenfalls kein Risikogebiet mehr sind, stünden bei den TUI-Reisebüro-Kunden ganz oben. Dubai und die Malediven, die im vergangenen Winter mit guten Hygienekonzepten gepunktet hätten, seien bei den Fernreisen gefragt. Kreuzfahrten werden derweil erst fürs nächste und übernächste Jahr wieder ganz aktuell. Schiffsreisen in diesem Sommer oder Herbst seien so genannte „Blaue Reisen“ ohne Landgang, die auch gebucht würden. Die „richtigen Kreuzfahrtliebhaber“ positionierten sich aber für die nächsten Jahre.
Bei Familienreisen stehe indessen Griechenland sehr hoch im Kurs. Der Grund sei einfach: Das Land habe bereits im vergangenen Jahr sehr gute Hygienekonzepte gehabt, was sich bei Reisebüros und den Kunden herumgesprochen habe, so Reichelt. Inlandsurlaube seien bisweilen nur verhalten gefragt. Grund sei wohl die Unsicherheit wegen der verpflichtenden Corona-Tests in etlichen Regionen. „Auf einer griechischen Insel brauchen sie keine Tests“, sagt Reichelt weiter.
Im Übrigen würden die Kunden bestmöglich auf die Hygienevorschriften in den Urlaubszielen vorbereitet. „Die Leute brauchen Sicherheit“, so Lisa-Marie Reichelt. Sie stelle außerdem fest, dass das erhöhte Sicherheitsbedürfnis die Kunden verstärkt vom Internet wieder in die Reisebüros ziehe. „Es gibt ein großes Bedürfnis nach persönlichem Kontakt und guter Beratung.“
„Griechenland ist bis jetzt mit Abstand die Nummer eins bei den Buchungen“, sagt indes auch Brita Ziegler, Inhaberin des gleichnamigen Reisebüros in Kulmbach. Spanien und die Kanaren seien allerdings nicht viel weniger gefragt. „Insgesamt ist das jetzt anlaufende Geschäft ermutigend“, so die Unternehmerin. Sie meint damit vor allem die Steigerung gegenüber 2020, wo es leider viele Rückbuchungen wegen Corona gegeben habe.
Auf die zurückliegende Zeit der Schließungen und Reiseverbote schaut die Inhaberin mit Schmerz, sogar teils mit ein wenig Groll zurück. „Das war zum Teil Chaos“, sagt sie. Bei den Rückbuchungen zum Beispiel habe sie mitunter aus ihren Rücklagen den Kunden vorab Geld ausgezahlt, weil ansonsten die Wartezeit zu lange gewesen wäre.
Auch Brita Ziegler stellt fest, dass das momentane Reisegeschäft noch stark von Sicherheitsbedürfnissen der Kundschaft geprägt ist. Sie habe etliche Reisen mit eigener Anfahrt vermittelt, gerne nach Italien. „In den Flieger trauen wir uns noch nicht, dann fahren wir dieses Jahr lieber mit dem Auto“ höre sie von manchen Kunden.