Das Rathaus in Kulmbach macht mit. Das Freibad und die Museen auf der Plassenburg auch. Und viele Gastronomen sowieso: Die Luca-App gilt als einfach und sicher. Aber ist sie das wirklich ?
Kulmbach/Neuenmarkt - Wo im vergangenen Sommer noch eine Zettelwirtschaft herrschte, hält jetzt eine Smartphone-Anwendung Einzug. Die bayernweite Luca-App, die vor rund zwei auch Wochen im Landkreis Kulmbach an den Start gegangen ist, wird von mehr und mehr Nutzern verwendet. Dabei scannen die Besucher von öffentlichen Einrichtungen, Gaststätten oder Geschäften einen QR-Code ein, um ihre Anwesenheit zu dokumentieren. Die handgeschriebenen Gästelisten, die im Falle einer nachgewiesenen Corona-Infektion dem Gesundheitsamt zur Rückverfolgung der Kontakte dienen, sind damit nicht mehr nötig.
Das Kulmbacher Rathaus macht bereits mit. Auch das Freibad und die Museen auf der Plassenburg wollen jetzt nach ihrer Wiedereröffnung das Luca-System nutzen. Wer künftig eine Einrichtung besucht, der scannt mit seinem Smartphone zuerst den jeweiligen QR-Code am Eingang und checkt sich damit an dem Ort ein.
„Es ist einfach und sicher“, schildert der Pressesprecher der Stadt Kulmbach, Jonas Gleich, seine Erfahrungen. Nur das Gesundheitsamt könne im Fall der Fälle später den QR-Code entschlüsseln und daraufhin den Nutzer über einen Kontakt zu einer infizierten Person informieren. Nach spätestens vier Wochen werden alle Check-ins gelöscht.
Im Rathaus ist es so, dass sich ohnehin jeder Besucher anmelden muss. Die neue App biete eine zusätzliche Sicherheit für die Kontaktverfolgung. Auch für die städtischen Freizeiteinrichtungen und generell für alle Orte, an denen Menschen zusammenkommen, sei das System sinnvoll.
Die Stadt Kulmbach denkt auch an die Menschen, die kein Smartphone nutzen. „Wir haben 1500 Luca-Schlüsselanhänger bestellt“, sagt Jonas Gleich. Der Luca-Schlüsselanhänger gilt als das analoge Gegenstück zur Luca-App. Er hat in etwa die Größe einer EC-Karte und soll als einfache Alternative genutzt werden von Menschen, die ohne ein Smartphone regelmäßig Luca-Standorte besuchen wollen. Ende Mai seien die Schlüsselanhänger verfügbar.
Täglich melden sich bei der Stadt Betriebe, die mitmachen wollen. Viele möchten gerne wissen, ob das Verfahren kompliziert ist. Jonas Gleich gibt schon mal Entwarnung. „Auf der Luca-Homepage wird man schnell von Schritt zu Schritt geleitet. Die Anmeldung dauert vielleicht zehn Minuten.“
Nicht zum Zuge gekommen ist die App namens „Darf ich rein“ des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, nachdem der Freistaat Bayern die Luca-Lizenzen erworben hat. Hinter vorgehaltener Hand sorgt das für Ärger. Gastronomen im Kulmbacher Land hatten sich schon vor Monaten für „Darf ich rein“ ausgesprochen. Stattdessen kommt nun die neue Luca-App flächendeckend zum Einsatz. Auch Stadt und Landkreis Hof sind mit dabei. Die Freiheitshalle und das Digitale Gründerzentrum haben sich bereits bei Luca registriert. Ebenso der Toom-Baumarkt und der Golfclub. Die Nachfrage ist hoch, heißt es aus Hof. Auch der Handel ist interessiert. Gleichzeitig stehe es jedem offen, die Kontaktdaten weiterhin über die ausgefüllten Zettel zu bewerkstelligen.
„Im Kulmbacher Handel ist die App noch kein großes Thema“, sagt Christoph Hofmann, stellvertretender Vorsitzender des Händlervereins „Unser Kulmbach“. Das kann sich aber bald ändern. Wenn die nächsten Lockerungen für die Geschäftswelt kommen und mehr Kunden im Laden sind, könnte die Luca-App eine Lösung sein.
Das Deutsche Dampflokomotiv-Museum in Neuenmarkt nutzt die Luca-App als Teil seiner Schutzstrategie vor dem Corona-Virus. Bei den Pfingstdampftagen ist für alle Museumsgäste zunächst eine Terminbuchung erforderlich, die auch spontan am Eingang erfolgen kann. Ebenfalls am Eingang ist dann die Datenerfassung entweder über das System Luca oder durch die DDM-Mitarbeiter vorgesehen.
Landrat Klaus Peter Söllner bezeichnete die Kontaktnachverfolgung als einen wesentlichen Baustein bei der Pandemie-Bekämpfung. Die Anwendung sei für alle Gewerbetreibenden, Vereine und Organisationen im Landkreis Kulmbach gedacht. Die Kontaktdaten werden digital erhoben und sicher an das Gesundheitsamt übermittelt. Überall dort, wo eine Kontaktdatenerfassung von Besuchern notwendig oder generell sinnvoll ist, sei damit eine einfache und sichere Registrierung möglich. Dank der App könne im Falle einer bestätigten Infektion helfen, dass das Gesundheitsamt schnell die Kontaktpersonen ermittelt und offiziell verständigt.
„Ich freue mich sehr, dass diese technische Möglichkeit nun besteht“, sagte Landrat Söllner in einer Mitteilung des Landratsamtes. Mit der technischen Anbindung der Luca-App an das Gesundheitsamt werde nun ein noch besseres Level der Kontaktnachverfolgung für die Behörde erreicht.
„Jede App lebt von ihren Nutzern“, ergänzte Oliver Hempfling, der Leiter des Krisenstabs am Landratsamt. „Wir bitten daher, die App nicht nur zahlreich, sondern auch gewissenhaft zu nutzen. So kann jeder einzelne dazu beitragen, Infektionen zu verhindern.“