Letztes Update:
20210503134255

Weiter Impfskepsis in EU - Offene Fragen beim grünen Pass

13:41
03.05.2021
Mit dem Impfen geht es in der Europäischen Union voran. Doch nicht für jeden ist das eine Option. Damit steht die angepeilte Herdenimmunität auf der Kippe.

Wien - In der Europäischen Union ist die Skepsis gegen eine Corona-Impfung einer Umfrage zufolge nach wie vor verbreitet.

33 Prozent der EU-Bürger wollten sich weder so schnell wie möglich noch in diesem Jahr impfen lassen, sagte der Vertreter der EU-Kommission in Österreich, Martin Selmayr, in Wien. Damit drohe das Ziel einer Herdenimmunität in diesem Jahr verfehlt zu werden.

In Deutschland sei der Anteil der Impfskeptiker etwas geringer als im EU-Durchschnitt, so Selmayr unter Berufung auf eine Umfrage unter 27.000 Bürgern, die im Auftrag der EU im Februar und März erhoben wurde.

Der EU-Spitzenbeamte warb für Verständnis, falls das EU-weit geplante Zertifikat für Mobilität und Zutritt zu Geschäften und Veranstaltungen nicht von Anfang an zu hundert Prozent funktionieren sollte. Auch Israel, das als Vorbild für den grünen Pass gilt, habe wochenlang mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. "Der grüne Pass hat in den ersten Wochen nicht auf dem Iphone funktioniert."

Wichtig sei, dass sich die 27 EU-Mitgliedsländer vor dem Start des Zertifikats in zwei zentralen Fragen einigten. So sei noch umstritten, ob jemand bereits drei Wochen nach dem ersten Stich oder erst nach voller Immunisierung als geimpft gelte. Außerdem müssten sich die Staaten noch einigen, ob ausschließlich von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugelassene Impfstoffe gelten sollten oder auch chinesische Vakzine und das russische Präparat Sputnik V.

Jedenfalls sei das Zertifikat in den jeweiligen Staaten Grundlage für ein diskriminierungsfreies Bewegen. Geimpfte, genesene oder getestete Menschen müssten die gleichen Rechte haben - egal, ob Tourist oder Einheimischer.

Online-Redaktion

Einreise von Geimpften in die Europäische Union rückt näher

13:39
03.05.2021
Seit Beginn der Pandemie sind die Schotten der EU weitgehend dicht. Nicht notwendige Einreisen aus den allermeisten Ländern der Welt sind verboten. Doch Europa könnte sich bald schon wieder öffnen.

Brüssel - Europa sperrt auf - zumindest wenn es nach der EU-Kommission geht. Die Brüsseler Behörde schlug am Montag vor, die wegen der Corona-Pandemie verhängten Einschränkungen für nicht zwingend notwendige Einreisen in die Europäische Union deutlich zu lockern.

Nach mehr als einem Jahr strikter Einreisestopps könnten bald schon Geimpfte aus der ganzen Welt problemlos in die EU reisen - unabhängig von der epidemiologischen Lage in ihrer Heimat.


Es sei Zeit, den europäischen Tourismus wieder in Schwung zu bringen und grenzüberschreitende Freundschaften neu aufleben zu lassen, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter. Allerdings handelt es sich zunächst nur um Vorschläge, über die nun noch die EU-Staaten beraten müssen. Die Entscheidung, wer einreisen darf, liegt letztlich bei jedem einzelnen Land. Die 27 Staaten suchen seit Beginn der Pandemie nach einer einheitlichen Linie. Ein Kommissionsbeamter sagte am Montag, er hoffe, dass die - rechtlich nicht bindenden - Empfehlungen Ende Mai in Kraft seien.

Konkret schlägt die EU-Kommission vor, dass die Einschränkungen bei der Einreise in die EU für vollständig Geimpfte fallen sollen. Anerkannt werden sollen Impfungen mit den in der EU zugelassenen Präparaten von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Die Neuerung würde nicht bedeuten, dass Reisende grundsätzlich keine Vorgaben wie PCR-Test oder Quarantäne mehr erfüllen müssen. Falls die EU-Staaten derlei Forderungen jedoch nicht an Menschen in ihrem eigenen Land stellten, sollten sie auch nicht für Einreisende gelten, betonte die EU-Kommission. Kindern, die sich derzeit noch nicht impfen lassen können und mit ihren geimpften Eltern reisen, solle mit negativem PCR-Test ebenfalls die Einreise erlaubt sein. Einige EU-Staaten erlauben Geimpften schon jetzt die Einreise.

Doch könnten nach den Vorschlägen der EU-Kommission künftig auch viele Menschen einreisen, die nicht geimpft sind. Derzeit ist die Einreise für Touristen ohne zwingenden Grund nur aus sieben Nicht-EU-Staaten möglich, in denen die Viruslage gut ist. Kriterien dafür sind etwa die Anzahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen, die Test- sowie die Positivrate in einem Land.

Die EU-Kommission will nun zumindest ein Kriterium aufweichen. So soll der Grenzwert für die Anzahl von Neuinfektionen von 25 auf 100 angehoben werden. Dies sei noch immer deutlich unter dem EU-Durchschnitt von mehr als 420.

Ausnahmen gelten schon jetzt etwa für Familienmitglieder, medizinisches Personal oder Diplomaten. Alle EU-Staaten außer Irland sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island hatten sich bereits zu Beginn der Corona-Krise auf einen weitgehenden Einreisestopp für nicht zwingend notwendige Reisen geeinigt.

Für den Fall, dass sich die epidemiologische Lage in einem Land vor allem wegen einer besorgniserregenden Virusvariante schnell verschlechtert, schlägt EU-Kommission eine Art Notbremse vor. Dann könne ein EU-Staat die Einreise aus diesem Länder unverzüglich wieder einschränken. Zudem sollten die EU-Staaten sich untereinander abstimmen.

Die EU treibt derzeit nicht nur die Einreise von außerhalb voran. Zugleich arbeitet die Staatengemeinschaft an einem Covid-Zertifikat, das das Reisen innerhalb der EU einfacher machen soll. In diesem Dokument sollen Impfungen, Tests und überstandene Infektionen gespeichert werden.


Online-Redaktion