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Deutsche Bahn plant Impfzentren für eigene Mitarbeiter

04:05
21.04.2021
Die Deutsche Bahn bereitet sich auf Impfungen im eigenen Unternehmen vor. An mindestens zehn Standorten in Deutschland wolle der Konzern Impfzentren einrichten, an denen die Beschäftigten von den Betriebsärzten geimpft werden sollen, teilte eine Sprecherin mit.

Berlin - Die Deutsche Bahn bereitet sich auf Impfungen im eigenen Unternehmen vor. An mindestens zehn Standorten in Deutschland wolle der Konzern Impfzentren einrichten, an denen die Beschäftigten von den Betriebsärzten geimpft werden sollen, teilte eine Sprecherin mit. "Die ersten entstehen jetzt in München und Nürnberg." Weitere Orte wurden zunächst nicht bekannt. Welcher Impfstoff zum Einsatz komme, stehe noch nicht fest. Sobald genügend Impfstoff zur Verfügung stehe, sollten so viele "systemrelevante Mitarbeitende wie möglich ein Impfangebot von ihrem Arbeitgeber erhalten".

Der Konzern geht davon aus, dass ungefähr die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland als systemrelevant eingestuft sind. Viele von ihnen gehören demnach zur Gruppe 3 in der Corona-Impfverordnung des Bundes. Darunter fallen unter anderem 60- bis 70-Jährige sowie medizinisch vorbelastete Menschen.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte am Montag angekündigt, dass Betriebsärzte ab Juni mit Impfstoff beliefert werden könnten. Hintergrund sind weitere Lieferzusagen der Hersteller. Neben den regionalen Impfzentren der Länder impfen seit kurz nach Ostern auch Hausärzte mit und haben zu einem deutlichen Anstieg der Impfungen beigetragen. Nun sollen Betriebsärzte folgen.

Bei der Deutschen Bahn betonte Personalvorstand Martin Seiler mit Blick auf die Impfungen im eigenen Unternehmen: "Die Entscheidung für eine Impfung ist freiwillig, es wird keine Impfprivilegien geben, weder für Mitarbeitende noch für Kunden."

EU-Behörde gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff

14:33
20.04.2021
Der Corona-Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson ist nach Fällen von Blutgerinnseln erneut geprüft worden. Jetzt liegt das Ergebnis der EMA vor.

Amsterdam - Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson kann in der EU nach Prüfung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) uneingeschränkt verwendet werden.

Der Wirkstoff könne in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, teilte die EMA in Amsterdam mit. Bereits vorab wurde erklärt, dass die "Vorzüge des Impfstoffs, Covid-19 zu verhindern", höher zu bewerten seien als die Risiken von Nebenwirkungen.

Die Experten der Amsterdamer Behörde hatten den Impfstoff erneut geprüft, nachdem in den USA sechs Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen aufgetreten waren.

Johnson & Johnson hatte erst vor einer Woche mit der Lieferung seines Präparats in die EU-Staaten begonnen. Der Hersteller rief dazu auf, bis zur Klärung den Impfstoff nicht anzuwenden.

In den USA wurden bisher rund 6,8 Millionen Personen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft.

Jeden Tag fehlen drei Stunden: Kritik an Schulpolitik

14:15
20.04.2021
Im zweiten Lockdown haben sich die Schulen nur etwas besser geschlagen als im ersten. Im Schnitt verloren die Schulkinder nach einer Erhebung des Ifo-Instituts mehr als drei Stunden Lernzeit pro Tag. Doch manche haben auch profitiert.

München - Mehr gedaddelt als gelernt: Deutsche Kinder und Jugendliche haben einer Umfrage zufolge während der Schulschließungen zu Jahresbeginn mehr Zeit mit Computerspielen, sozialen Netzwerken oder ihrem Handy verbracht als mit Lernen. Jeden Tag gingen ihnen dabei im Vergleich zur Zeit vor Corona mehr als drei Stunden Lernzeit verloren, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Und die Debatte um Inzidenzgrenzen für weitere Schulschließungen hält an.

Statt 7,4 Stunden täglich - wie vor der Pandemie - lernten die Schüler der Umfrage zufolge im Schnitt nur noch 4,3 Stunden. Das ist zwar etwas mehr als im ersten Lockdown, doch die Bildungsforscher des Ifo-Instituts sind von der Politik enttäuscht: Auch mit "langer Vorlaufzeit und nach eindringlichen Appellen von Eltern und Wissenschaft" sei es nicht gelungen, eine angemessene Beschulung aller Kinder im Distanzunterricht sicherzustellen, schreiben sie.

Studienleiter Ludger Wößmann kritisierte, dass nur eines von vier Kindern täglichen Onlineunterricht bekommen habe. Dieser müsse so schnell wie möglich allen Schülern zugänglich gemacht werden. Und das sei nicht Aufgabe der Schulen sondern der Politik. Am besten wäre es, wenn die Bundesländer einheitliche Lösungen fänden, sagte er. Man brauche klare und verbindliche Konzepte für den Onlineunterricht. In vielen Bereichen fehle es dabei weniger am Geld als daran zu handeln.

Bei manchen Kindern ist der Lernausfall sogar noch deutlich höher als die durchschnittlichen 3,1 Stunden. "Besonders bedenklich ist, dass 23 Prozent der Kinder sich nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit der Schule beschäftigt haben", sagte Wößmann. "Die Corona-Krise ist eine extreme Belastung für die Lernentwicklung und die soziale Situation vieler Kinder." Die Schulschließungen wirken sich dabei auch auf die Gesundheit aus: So sagten 31 Prozent, dass ihr Kind in der Zeit zugenommen habe - unter anderem durch Bewegungsmangel.

Doch nicht für alle Kinder sind die Schulschließungen negativ. Gut ein Viertel der Eltern (28 Prozent) ist der Meinung, dass sie ihren Kindern mehr genutzt als geschadet haben. Hier geht es unter anderem darum, dass Kinder seltener schikaniert wurden. Zudem berichteten zwei Drittel, ihr Kind habe gelernt, besser mit digitalen Technologien umzugehen und 54 Prozent sagten, ihr Kind habe gelernt mit Krisen gut umzugehen.

Der Verband Bildung und Erziehung nannte die Ergebnisse nicht überraschend. Sie zeigten, wie schwierig es für die Pädagogen sei, die Kinder zu unterstützen. "Wenn ein Drittel der Eltern berichtet, dass es regelmäßig oder sogar täglich Probleme mit den digitalen Plattformen oder Kanälen gab, ist das ein Armutszeugnis für die Digitalisierung", sagte der Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Die Kultusministerien müssten ihre Bemühungen verstärken, "stabile, rechts- und datenschutzsichere Plattformen bereitzustellen".

Die Bundestagsabgeordnete Katja Suding (FDP) kritisierte angesichts der Studie die Länder und die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Diese hätten "bei weitem nicht genug getan, um Kindern ihr Recht auf Bildung zu sichern". Union und SPD müssten jetzt "alles dafür tun, um sicheren Präsenzunterricht zu ermöglichen".

Zur Frage Präsenz- oder Onlineunterricht zeigte sich Wößmann zurückhaltend. Grundsätzlich könne nichts einen guten Präsenzunterricht ersetzen - insbesondere für jüngere Grundschüler. Doch er sei kein Virologe, betonte er.

Zuletzt hatte der deutsche Lehrerverband gefordert, Schulen bereits früher als bei der in der Corona-Notbremse des Bundes geplanten Inzidenz von 165 zu schließen. "Um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen wirksam zu stoppen, muss der Präsenzunterricht bereits ab einer Inzidenz von 100 beendet werden", forderte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt befand den höheren Schwellenwert dagegen für gerechtfertigt. Er finde es "richtig und angemessen", dass versucht werde, Unterricht so gut es gehe aufrechtzuerhalten, sagte er. Auch Union und SPD verteidigten die Grenze von 165 am Dienstag. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte, die Inzidenz sei nun einmal die nachvollziehbare Größe. "Die Länder können auch viel strikter noch handeln."

Derzeit gibt es unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern. So gibt es zum Beispiel in Bayern Distanzunterricht ab Inzidenzwerten von 100 in einem Landkreis oder einer Stadt. Andernorts ist der Grenzwert höher - etwa in Hamburg, wo er bei 200 liegt. Sachsen hat sich bei Schulen ganz von einer Kopplung des Inzidenzwertes verabschiedet.