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Reisen zwischen Neuseeland und Australien ohne Quarantäne

07:48
19.04.2021
«Weltweit einzigartig»: Neuseeland und Australien haben bilateral die 14-tägige Isolationspflicht abgeschafft. In Queenstown wurden die ersten australischen Gäste mit einem gratis Bungee-Sprung begrüßt.

Wellington - Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie sind wieder quarantänefreie Reisen zwischen Neuseeland und Australien möglich.

Der erste Flug bediente am Montag die Route zwischen der australischen Metropole Sydney und dem neuseeländischen Auckland. Während Neuseeländer schon seit Oktober ohne Quarantänepflicht nach Australien reisen konnten, mussten sie bislang bei der Rückreise nach Neuseeland zwei Wochen in Isolation.

Australiens Premierminister Scott Morrison und Neuseelands Ministerpräsidentin Jacinda Ardern bezeichneten das bilaterale Abkommen in einer gemeinsamen Mitteilung als "weltweit einzigartig" und "Win-win-Situation" für beide Länder. Im neuseeländischen Queenstown auf der Südinsel war die Freude so groß, dass die ersten Passagiere aus Australien mit Musik und einem gratis Bungee-Sprung von der örtlichen Kawarau-Brücke begrüßt wurden.

Beide Staaten hatten ihre Grenzen für Reisende im März 2020 geschlossen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen durften nur noch eigene Bürger und Menschen mit Wohnsitz ins Land.

Neuseeland gilt wegen extrem strenger Maßnahmen und genauer Kontaktverfolgungen als Musterland in der Krise. In dem Inselstaat mit 4,8 Millionen Einwohnern wurden bisher knapp 2600 Fälle verzeichnet, 26 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Schon lange herrscht wieder eine weitgehende Normalität.

Auch Australien ist sehr erfolgreich im Umgang mit der Pandemie. Die Behörden bestätigten bislang rund 29.500 Fälle und 910 Todesopfer bei einer Bevölkerung von mehr als 25 Millionen Menschen.

Welches Argument im Intensivbetten-Streit irreführend ist

06:57
19.04.2021
Die dritte Corona-Welle rollt über Deutschland, die Zahl freier Intensivbetten sinkt. Mancher behauptet: Das liege daran, dass Intensivbetten abgebaut wurden. Stimmt das?

Berlin - Es wird eng auf den Intensivstationen, warnen Intensivmediziner. Manche zweifeln, dass die Corona-Pandemie der Grund dafür ist. Ein Faktencheck.

BEHAUPTUNG: Auf den Intensivstationen wird es nur eng, weil massiv Betten abgebaut wurden. Die Belegung hat sich insgesamt im Verlauf der Pandemie kaum verändert.

BEWERTUNG: Das ist irreführend und teilweise falsch.

FAKTEN: Einige Nutzer in sozialen Netzwerken argumentieren mit Zahlen aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und des Robert Koch-Instituts (RKI). Auf den ersten Blick scheinen sie zu zeigen: Die Gesamtzahl der belegten Intensivbetten in Deutschland bewegt sich seit rund einem Jahr um die Zahl 20.000. Gleichzeitig sinkt die Zahl der freien Betten.

Doch bei den Daten zur Auslastung der Intensivstationen gibt es einiges zu beachten. "Niemand baut Betten ab, aber wir haben einfach nicht das Personal, um sie zu betreiben", sagte eine Divi-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ein freies Bett könne im Intensivregister nur dann als frei gemeldet werden, wenn eine Klinik genügend Ärzte und Pfleger habe, um einen Patienten oder eine Patientin darin zu versorgen.

Wie viele Pflegekräfte nötig sind, hat sich im Verlauf der Pandemie mehrmals geändert. Hinzu kommen Ausfälle durch erkranktes Klinikpersonal, die etwa in der zweiten Welle laut einer Divi-Sprecherin zunahmen .

Zu Beginn waren zudem Personaluntergrenzen ausgesetzt. Als sie wieder eingeführt und schließlich im Februar auf tagsüber eine Pflegekraft pro zwei Intensivpatienten verschärft wurden, mussten Kliniken also Betten aus dem Intensivregister herausnehmen, für die sie kein Personal hatten. "Dadurch ist die Gesamtzahl zwar formal etwas runtergegangen", sagt Christian Karagiannidis, einer der Leiter des Divi-Intensivregisters, in einem Erklärvideo. "Aber es entspricht in keinem Fall einem Bettenabbau, sondern es entspricht der wirklichen realen Wiedergabe dessen, was wir in Deutschland an Intensivkapazität zur Verfügung haben."

Doch warum stieg die Belegung der Intensivstationen in den Corona-Wellen mit jeweils steigender Zahl von Covid-19-Patienten nicht an?

Das hat vor allem zwei Gründe: "Auf den Intensivstationen ist eine Auslastung von 80 Prozent die absolute Obergrenze", sagte ein weiterer Leiter des Divi-Intensivregisters, Steffen Weber-Carstens von der Berliner Charité, Anfang April. Kliniken müssten trotz der Corona-Pandemie für den Alltagsbetrieb freie Intensivplätze bereithalten. Sonst könnten etwa die Opfer eines größeren Autounfalls oder zwei, drei Schlaganfallpatienten an einem Tag nicht mehr adäquat versorgt werden, erläuterte eine Divi-Sprecherin.

Damit das gelingt, werden planbare Operationen abgesagt oder Patienten verlegt - die Kliniken stellen "vom Regelbetrieb auf den Notbetrieb" um, heißt es auf der Webseite des Divi-Intensivregisters. Die Behandlung der Vielzahl von Covid-19-Patienten Ende Dezember, Anfang Januar war nach Angaben der Divi-Sprecherin nur möglich, weil zum Beispiel andere Patienten früher als üblich auf andere Stationen verlegt wurden.

Der zweite Grund ist, dass sich in der Statistik für ganz Deutschland regionale Überlastungen der Intensivstationen und weniger belastete Regionen ausgleichen. Wie unterschiedlich die Belegung regional ist, kann man einer Karte im Divi-Intensivregister entnehmen, die den Anteil der freien Betten auf Landkreis-Ebene zeigt. Engpässe beobachten Intensivmediziner derzeit vor allem in Großstädten und Ballungsräumen.

Um die außergewöhnlich hohe Auslastung der Intensivstationen nachzuvollziehen, sollte man außerdem die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen betrachten: Diese Kurve zeigt steil nach oben und liegt derzeit bei rund 4800. Der bisherige Spitzenwert lag Anfang des Jahres bei über 5700. Mediziner des Divi-Intensivregisters fürchten, dass es demnächst 6000 Covid-19-Intensivpatienten geben könnte.

Seit kurzem stuft die Mehrheit der Intensivstationen ihre Betriebssituation wieder als eingeschränkt ein, etwa beim Personal oder Material. Das war zuletzt während der zweiten Welle so. Diese Selbsteinschätzung ihrer Situation teilen die Intensivstationen dem Divi-Intensivregister seit Beginn der Pandemie mit.