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EU-Arzneibehörde prüft russischen Impfstoff Sputnik V

10:39
04.03.2021
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eröffnet ein schnelles Prüfverfahren für den russisches Corona-Impfstoff Sputnik V. Die Entscheidung basiere auf Ergebnissen von Laborversuchen und klinischen Studien bei Erwachsenen, wie die EMA am Donnerstag in Amsterdam mitteilte. Nach den Studien rege Sputnik V die Bildung von Antikörpern gegen das Virus an und könne beim Schutz vor Covid-19 helfen.

Die Experten der EMA werden die Wirksamkeit des Impfstoffes nach dem schnellen «Rolling-Review-Verfahren» bewerten. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Ergebnisse vorliegen und auch kein Zulassungsantrag gestellt wurde. Wann eine Zulassung erfolgen könnte, ist nicht abzusehen.

Der russische Impfstoff wird bereits in mehreren Ländern außerhalb Russlands gespritzt. Auch einige EU-Länder wollen das Präparat auch ohne EU-Zulassung anwenden. Der Hersteller von Sputnik V hatte zwar mehrfach angegeben, dass ein Antrag bei der EU-Behörde gestellt worden sei. Das war aber nach Angaben der EMA nicht der Fall. Der russische Hersteller hatte bei der EMA als EU-Partner die Firma R-Pharm Germany GmbH angegeben.

In der EU sind bisher drei Corona-Impfstoffe zugelassen worden. Sie stammen von den Herstellern Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca. Am 11. März wird die EMA voraussichtlich auch die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson&Johnson empfehlen. Die endgültige Entscheidung über eine Zulassung trifft die EU-Kommission; das aber gilt als Formsache.

(dpa)

Epidemiologe: Sorge vor lockereren Einstellungen der Menschen

10:38
04.03.2021
Nach den Bund-Länder-Beschlüssen zu Öffnungsschritten in der Corona-Pandemie sieht der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk das Risiko eines falschen Signals an die Bevölkerung. «Lockerung in den Einstellungen kann größere Folgen haben als die Regeln selbst», erklärte der Wissenschaftler der Universitätsklinik Halle am Donnerstag auf Anfrage. Das beim Coronavirus mögliche exponentielle Wachstum der Fallzahlen werde leicht unterschätzt. Aus einer Inzidenz von 25 könne schnell eine Inzidenz von 100 werden - «und wenn man dann mit Gegenmaßnahmen noch zwei Wochen wartet, ist man bei 200», so der Epidemiologe.

Der derzeit noch bestehende Lockdown könne - nach allem, was über die Ansteckungsfähigkeit der neuen Virusvarianten bekannt sei - die dritte Welle nicht verhindern, schätzt der Wissenschaftler. Die Welle könne vielleicht nur so weit hinausgezögert werden, dass die Impfungen die Todeszahlen deutlich reduzierten.

Das vereinbarte regionale Vorgehen sei zwar psychologisch und politisch verständlich, «epidemiologisch ist es kurzsichtig», so der Wissenschaftler. Es bestehe noch eine Gefahr der Überlastung des Gesundheitssystems. Jede weitere Woche, in der die Maßnahmen eingehalten würden, mindere die Gefahr.

Mikolajczyk sprach von einem Wettlauf gegen die Zeit: Wirken sich zuerst die wärmeren Temperaturen, Impfungen und Schnelltests aus, oder gewinnt das Infektionsgeschehen davor noch die überhand.

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am Mittwoch in mehr als neunstündigen Verhandlungen beschlossen. Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.

(dpa)

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