Nach der Einstufung Frankreichs als Hochinzidenzgebiet ab Sonntag pochen Straßburg und die Grenzstadt Kehl auf möglichst geringe Einschränkungen für Pendler und Familien auf beiden Seiten des Rheins. So müsse die Tram zwischen beiden Städten dennoch weiter verkehren, erklärten Straßburgs Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian und der Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung. Im Falle intensiver Grenzkontrollen müssten Autos und Lastwagen auf getrennten Spuren fahren, um lange Wartezeiten für Pendler zu vermeiden.
Hochinzidenzgebiete sind Regionen mit besonders hohen Coronavirus-Fallzahlen. Das Robert Koch-Institut kündigte am Freitag an, Frankreich ab Sonntag zu diesen Gebieten zu zählen. Einreisende aus Hochinzidenzgebieten müssen normalerweise einen negativen Corona-Test vorweisen.
Der Oberrheinrat erklärte am Freitag, es sei entscheidend, dass dafür wirklich ausreichend Testkapazitäten zur Verfügung stünden. Die vorgeschriebene Testung muss für die Bürgerinnen und Bürger möglichst barrierefrei gemacht werden. Das Gremium versammelt Politiker aus dem Elsass, aus Baden, der Südpfalz und der Nordwestschweiz, die sich für die Belange der Region einsetzen.
Die beiden Stadtoberhäupter aus Kehl und Straßburg begrüßten in diesem Zusammenhang, dass im Ortenaukreis auch erst nach Überqueren der Grenze ein Test gemacht werden könne. Pendler seien dort zudem nur zweimal pro Woche verpflichtet, sich testen zu lassen: entweder mit einem PCR-Test oder einem Antigen-Schnelltest.
Der Ortenaukreis hatte nach Angaben seines Landrats Frank Scherer bereits im Februar eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen. Diese schaffe nun Erleichterungen für Grenzpendler und Grenzgänger. Dennoch sei die Entscheidung, Frankreich als Hochinzidenzgebiet einzustufen, ein «weiterer Einschnitt in die Lebensrealität der Menschen im Ortenaukreis und dem Elsass».
Die Handwerkskammer Freiburg forderte derweil, dass auch Tests, die in Betrieben durchgeführt würden, als Nachweis anerkannt würden - zumal die kommunalen Testzentren schon überlastet seien. In der deutsch-französisch-schweizerischen Grenzregion gebe es rund 100 000 Grenzgänger und -pendler.