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Umfrage: Fast zwei Drittel unzufrieden mit Corona-Krisenmanagement

04:40
22.03.2021
Ein Jahr nach den ersten Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie sind fast zwei Drittel der Deutschen unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigen sich 34 Prozent «sehr unzufrieden» und weitere 31 Prozent «eher unzufrieden» mit dem Agieren der Regierung in der Krise. Dagegen sind nur 4 Prozent «sehr zufrieden» und 26 Prozent «eher zufrieden». 5 Prozent machen keine Angaben.

Noch schlechtere Noten als das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) insgesamt bekommt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Nur 24 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden, 69 dagegen unzufrieden.

Die Bundesregierung hatte Mitte März 2020 die ersten Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen. Merkel rief die Bevölkerung damals in einer denkwürdigen Fernsehansprache zum gemeinsamen Kampf gegen die Ausbreitung des Virus auf.

Die Akzeptanz der Einschränkungen wie die Schließung von Geschäften, Restaurants und Schulen war während der ersten Corona-Welle noch sehr groß. In einer YouGov-Umfrage im April 2020 zeigten sich 67 Prozent eher oder sehr zufrieden mit dem Krisenmanagement der Regierung.

Zu Beginn der zweiten Welle im Oktober waren es nur noch 57 Prozent, Anfang Februar dann nur noch 50 und in der letzten Umfrage Ende Februar nur noch 48 Prozent. In den vergangenen drei Wochen hat sich die Akzeptanz der Regierungsmaßnahmen noch einmal deutlich verschlechtert. Jetzt bewerten nur noch 30 Prozent der Befragten das Krisenmanagement der Regierung eher oder sehr positiv.

Die Unzufriedenheit überwiegt inzwischen bei den Wählern aller im Bundestag vertretenen Parteien. Besonders stark ist sie unter den Anhängern der AfD (86 Prozent), der Linken (76 Prozent) und der FDP (73 Prozent). Dahinter folgen die Wähler der SPD (63 Prozent) der Grünen (62 Prozent) und der CDU/CSU (51 Prozent).

(dpa)

Lauterbach: Ausgangssperre ist letztes Mittel - Lindner dagegen

04:39
22.03.2021
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine nächtliche Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch nicht für zwingend notwendig. Bei weiterhin rasant steigenden Fallzahlen dürfte sie aber kaum zu vermeiden sein, warnte der studierte Epidemiologe am Sonntagabend bei «Bild live». Grund dafür sei, dass die sich ausbreitende Corona-Mutation B.1.1.7 auf einen Monat betrachtet «vier- bis achtmal so ansteckend» sei wie das bisherige Virus.

«Bisher ist es keinem Land gelungen, die viel schnellere Pandemie mit dieser Mutation in den Griff zu bekommen, ohne dass es Ausgangsbeschränkungen im Lockdown gegeben hätte», sagte Lauterbach. Gleichwohl müsse klar sein: «Ausgangsbeschränkungen sind die Ultima Ratio, man muss versuchen, das zu verhindern.» Die einzige Chance dazu biete ein «sehr strenges Testkonzept» mit zwei Tests pro Woche in allen Schulen und Betrieben. Die Kapazitäten hierfür würden «gerade fieberhaft aufgebaut».

FDP-Chef Christian Lindner lehnt Ausgangssperren zur Eindämmung der Pandemie hingegen grundsätzlich ab. Er sagte bei «Bild live»: «Ich halte Ausgangsbeschränkungen immer für unverhältnismäßig, für eine zu scharfe Freiheitseinschränkung.» Außerdem seien sie selbst aus Gründen des Infektionsschutzes nicht unbedingt sinnvoll: «Wenn sich Angehörige eines Haushalts draußen an der frischen Luft bewegen, sehe ich keinen Grund, ihnen das zu untersagen.»

Bund und Länder beraten am Montag (14.00 Uhr) über das weitere Vorgehen in der Pandemie, es könnte auf schärfere Corona-Beschränkungen bis in die Osterzeit hinauslaufen. Ein Beschlussentwurf aus dem Kanzleramt mit Stand 21. März, 17.30 Uhr, enthält auch eine besonders strittige Passage, die wegen des exponentiellen Fallzahlenwachstums weitere Verschärfungen für Landkreise mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 100 vorsieht. Unter anderem ist dort die Rede von einer nächtlichen Ausgangsbeschränkung bis 05.00 Uhr, «sofern dem nicht gewichtige Gründe entgegenstehen». Die Anfangsuhrzeit ist hier offen gelassen - auch sie müsste verhandelt werden.

Die laut dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurf geplante Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April ist nach Überzeugung Lauterbachs «ohne Wenn und Aber nötig». Ansonsten würden sich die Sterbezahlen verdoppeln. «Wir haben zu Beginn der dritten Welle mehr Patienten auf den Intensivstationen mit Covid-19 als zum Ende der ersten Welle. Wir sind also mehr oder weniger schon voll, bevor es losgeht.» Niederschlagen dürfte sich das auch bei den Todeszahlen: «Jeder Zweite stirbt, der beatmet werden muss, auch bei den Jüngeren.»

(dpa)

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