Letztes Update:
20210321085312

Spargelanbauer fordern mildere Corona-Regeln für Erntehelfer

08:51
21.03.2021
Die Anbauer von Spargel und Erdbeeren bangen zum Saisonstart um ihre Ernte: Corona-Quarantäne-Regeln könnten dazu führen, dass die dringend gebrauchten Arbeitskräfte aus Osteuropa dieses Jahr nicht kommen. «Die strengen Regelungen für Menschen aus Virusvariantengebieten müssen abgemildert werden», sagte der Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE), Simon Schumacher, in Bruchsal.

Bislang müssen Arbeiter aus Regionen mit einer vorherrschenden Virusvariante - wie Tschechien und die Slowakei - auch bei Vorlage eines negativen Testergebnisses erst 14-Tage in ihrem Zimmer auf dem Hof in Quarantäne gehen - aus Sicht von Schumacher unzumutbar. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass Polen und Rumänien - die Hauptherkunftsländer der Erntehelfer - zu solchen Virusvarianten-Gebieten erklärt würden. Folge: Die Arbeiter werden wahrscheinlich gar nicht erst einreisen. Schumacher: «Das hängt wie ein Damoklesschwert über uns.»

Der Rückgang der bundesweiten Spargelernte um 19 Prozent im vergangenem Jahr ist laut Statistischem Bundesamt wahrscheinlich auch darauf zurückzuführen, dass wegen der Pandemie in einigen Regionen ausländische Erntehelfer fehlten.

Der Verband will erreichen, dass für alle Erntehelfer die Regelung für Hochinzidenz-Gebiete gilt. Bei Vorlage eines negativen Tests können sie sich in ihrer Unterkunft und auf den Feldern frei bewegen, diese aber nicht verlassen. Um diese Regelung für alle Erntehelfer zu erlassen - wie es bereits in Brandenburg der Fall sei -, müsste das Sozialministerium tätig werden.

Überdies soll der Bund nach Ansicht des VSSE die üblicherweise auf drei Monate befristete sozialversicherungsfreie Beschäftigung auch in diesem Jahr auf fünf Monate verlängern. «Damit wird ein Personalwechsel in der Saison und ein erhöhtes Infektionsrisiko in den Betrieben vermieden», sagte Schumacher, der auch Chef des Verbandes mit 640 Mitgliedern ist. Die Helfer könnten dann von der Spargelernte im März bis zur Erdbeerernte im Juli Geld verdienen. Wegen des absehbaren Mangels an Erntehelfern seien attraktive Arbeitsbedingungen nötig.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) pflichtete bei. Die Sonderregelung habe sehr gut funktioniert. «Bei einem weiteren Andauern der pandemischen Lage ist eine Neuauflage auch dieses Jahr sehr wichtig.» Die Zahl der Grenzübertritte müsse minimiert werden.

Für die Ernte von Spargel und Beeren werden bundesweit 140 000 Saisonkräfte gebraucht, davon im Südwesten 24 000. Nach einer Umfrage des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände unter 381 Betrieben haben 95 Prozent 2020 die Verlängerung der sozialversicherungsfreien Beschäftigung genutzt und konnten ein knappes Drittel Kräfte einsparen. Fast alle Saisonarbeiter möchten laut Umfrage sozialversicherungsfrei beschäftigt werden, statt Rentenbeiträge zu zahlen.

Der Verband rechnet in diesem Jahr mit guten Spargelqualitäten. Aufgrund der günstigen Wettervorhersagen werde es vor und zu Ostern bei den meisten Anbauern heimischen Spargel geben.

(dpa/lsw)

Gut 200 Politiker beteuern: Würden uns mit Astrazeneca impfen lassen

08:21
21.03.2021
Gut 200 Politiker haben laut einer Medienumfrage beteuert, dass sie sich bedenkenlos den Corona-Impfstoff von Astrazeneca spritzen lassen würden. So erklärte etwa Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) dem Nachrichtenportal Watson, alle zugelassenen Impfstoffe seien wirksam und sicher. Sobald er an der Reihe sei, werde er sich deshalb impfen lassen - «gerne auch mit dem Impfstoff von Astrazeneca».

Das Präparat kann nach einem vorsorglichen Impfstopp nun wieder eingesetzt werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte dies am Donnerstag befürwortet, es soll aber ein neuer Warnhinweis dazukommen. Dabei geht es um seltene Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen.

Ähnlich wie Braun äußerten sich dem Bericht zufolge Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), sowie die Regierungschefs von Berlin, Hamburg, Brandenburg und Hessen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel würde sich mit Astrazeneca impfen lassen, wie sie am Freitagabend sagte. Sie fügte hinzu: «Ich möchte aber warten, bis ich dran bin.»

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte: «Die Bundesregierung reiht sich ein. Wir lassen uns impfen, wenn wir dran sind. Ich würde mich auch mit Astrazeneca impfen lassen. Die Sicherheit zu haben, nicht mehr an Covid-19 sterben zu müssen, ist doch ein gutes Gefühl.» Auch Umweltministerin Svenja Schulze, Arbeitsminister Hubertus Heil sowie Justizministerin Christine Lambrecht (alle SPD) beteuerten, sie würden das Astrazeneca-Präparat gerne verabreicht bekommen, wenn sie an der Reihe sind.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte dem Bericht zufolge, er würde sich Astrazeneca spritzen lassen - «ohne Sorgen oder Bedenken». Er habe vollstes Vertrauen, dass die von Experten geprüften und zugelassenen Impfstoffe sicher seien. SPD-Vizechef Kevin Kühnert sagte über ein mögliches Impfangebot mit Astrazeneca: «Gerne. Immer her damit!» Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) sagte Watson: «Es ist extrem bedauerlich, dass das Vertrauen in diesen Impfstoff geschwunden ist. Mit einer bedachteren Kommunikation hätte man diesen Vertrauensverlust möglicherweise verhindern können.»

(dpa)

Alle externen Inhalte nachladen?
Datenschutzerklärung
nachladen