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Biontech-Gründerin Türeci: Gemeinsam dritte Corona-Welle eindämmen

11:47
19.03.2021
Biontech-Gründer Ugur Sahin hat die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, sich gemeinsam gegen die dritte Welle der Corona-Pandemie zu stemmen. «Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten, dass diese dritte Welle möglichst effektiv so lang wie möglich eingedämmt wird», sagte er am Freitag bei der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. «Jeder kann sich selbst schützen. Und jeder schützt dadurch auch den Anderen.»

Sahin, der zusammen mit seiner Frau Özlem Türeci den ersten wirksamen Covid-19-Impfstoff, der in der EU zugelassen wurde, entwickelt hat, betonte mit Blick auf die Bekämpfung der Pandemie: «Wir sind schon zwei Drittel des Weges gegangen.» Mit Blick auf das dritte Drittel sagte er: «Der letzte Abschnitt, die nächsten sechs Monate, werden uns noch einiges abverlangen.» Die Virusvariante, die die dritte Pandemiewelle verursache, lasse sich schwieriger kontrollieren. «Wir müssen wieder Kräfte bündeln und dürfen uns durch diese dritte Welle, die wahrscheinlich auch länger anhalten wird, nicht demoralisieren lassen.»

Steinmeier zeichnete Türeci und Sahin mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus - eine hohe Stufe des Bundesverdienstkreuzes. An der Zeremonie im Schloss Bellevue nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil.

(dpa)

Auch Ständige Impfkommission befürwortet weiteren Astrazeneca-Einsatz

11:44
19.03.2021
Wie die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) kommt auch die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland zu dem Schluss, dass der Corona-Impfstoff von Astrazeneca weiter eingesetzt werden kann. «Der Nutzen der Impfung überwiegt die gegenwärtig bekannten Risiken», teilte die Stiko am Freitag mit.

Weiter hieß es, dass die ihr vorliegenden Daten zu den bekannt gewordenen seltenen Fällen einer Thromboseform ein sogenanntes Sicherheitssignal zeigten. Noch gebe es aber keine Gewissheit. «Die Stiko wird alle zu erwartenden Daten genau verfolgen, fortlaufend prüfen und bewerten.» Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, die Gruppen einzuschränken, für die der Impfstoff als geeignet angesehen wird, werde die Stiko dies in einer aktualisierten Impfempfehlung «umgehend berücksichtigen und bekanntmachen».

Die vorsorglich gestoppten Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca sollten am Freitag in Deutschland wieder starten, nachdem sie seit Montag wegen mehrerer Fälle von seltenen Thrombosen in den Hirnvenen ausgesetzt worden waren. Die EMA hatte am Donnerstag die Sicherheit des Impfstoffes bekräftigt. Es werde aber eine extra Warnung vor den möglichen seltenen Blutgerinnseln hinzugefügt.

(dpa)

Tübinger Corona-Modellprojekt als Test für mehr Freiheiten

11:42
19.03.2021
Die Menschenschlange vor dem DRK-Fahrzeug in der Tübinger Innenstadt zieht sich etliche Meter. Junge und Alte von auswärts und aus der Stadt, Mann und Frau, Erwachsene und Kinder, sie alle stehen an, um einen Corona-Schnelltest zu machen. An mehreren Stellen in der Stadt können die Menschen seit Montag kostenlose Tests machen, das Ergebnis wird in einem Tagesticket bescheinigt. Damit kann man in Läden oder zum Friseur. Aber auch Außengastronomie und Kultureinrichtungen wie das Theater dürfen Gäste mit Zertifikat empfangen und bedienen.

Das Modellprojekt «Öffnen mit Sicherheit» scheint anzukommen in der Universitätsstadt. Von der grün-schwarzen Landesregierung noch vor der Landtagswahl am 14. März abgesegnet, könnte das Projekt weitreichende Folgen für die künftigen Öffnungsstrategien haben.

«Seit Beginn am Montag haben wir täglich rund 4000 Schnelltests gemacht», sagt die Initiatorin, die Tübinger Notärztin Lisa Federle. Drei positiv Getestete seien bisher herausgezogen worden. Ziel des Projekts ist es laut Federle, den Menschen während der Pandemie mehr Möglichkeiten zu eröffnen. Denn mit vielen Testungen, so Federles Credo, werden diejenigen identifiziert, die sich mit Corona infiziert haben, es aber nicht wissen und deshalb andere anstecken könnten.

Das Modellprojekt wird wissenschaftlich ausgewertet, ab Montag (22. März) befragen Medizinstudenten die Getesteten nach ihren Daten. «Bis zum Ablauf der Studie am 4. April wollen wir so erfahren, ob es bestimmte Gruppen gibt, die von Corona besonders betroffen sind», erklärt Federle. Bisher gebe es dazu keine Daten. «Es könnte doch sein, dass dabei beispielsweise herauskommt, dass Biergärten völlig harmlos sind. Wenn wir das beweisen können in dieser Studie, könnten Biergärten offen sein.» In der Befragung sollen die Menschen Auskunft geben über ihr Alter, ihre Berufsgruppe, woher sie kommen, wohin sie gehen und wie sie wohnen.

Der Handelsverband Baden-Württemberg sieht den Versuch positiv. Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann sagt: «Tübingen zeigt uns zudem, wie Schnelltests dabei helfen können, weitere Öffnungsschritte zu unterstützen, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen.» Doch der Verband betont gleichfalls, dass dieses Modell nicht so einfach auf andere Gemeinden übertragen werden kann. Notwendig sei ein Strategiewechsel. Denn viele Einzelhändler könnten nur mit «Öffnungs-Shopping» nach Inzidenzlagen nicht überleben.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat sich in der Corona-Pandemie schon mehrfach durch diverse und provokante Vorschläge hervorgetan. Und Schnelltests waren in Tübingen früh ein Thema. Mit dem Konzept kostenlose Schnelltests für alle war die Universitätsstadt mit ihren rund 89 000 Einwohnern seit Monaten in vieler Munde. Federle hatte in Tübingen bereits Ende November mit Schnelltests begonnen, die sie mit Spenden finanziert. Diese Schnelltests hätten nachgewiesenermaßen einen spürbaren Effekt auf die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Tübingen, sagt Federle. Die Aktion wurde vom baden-württembergischen Sozialministerium - allerdings nur in der Vorweihnachtszeit - auf weitere Städte ausgedehnt. Am Donnerstag lag der Landkreis Tübingen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 52,9. Landesweit lag der Wert bei 89,0.

Aus weiteren Öffnungsschritten ab kommendem Montag wird in Baden-Württemberg erstmal nichts. Die landesweit steigenden Corona-Infektionszahlen geben das nicht her. Der Öffnungsschritt, auf den sich Bund und Länder bei ihrer Konferenz Anfang März geeinigt hatten, hätte weitere Lockerungen für Kreise mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 oder zwischen 50 und 100 vorgesehen.

Eine neue Allgemeinverfügung von Palmer indes regelt explizit, dass der Einzelhandel im Stadtgebiet ebenso wie die Außengastronomie und die Kultur während der Geltungsdauer des Modellversuchs ohne Terminvereinbarung geöffnet bleiben können, auch wenn die Inzidenz im Kreis über den Wert von 50 steigen sollte. «Unser Modell wird weiter durchgeführt», sagt Palmer. Der grüne Politiker sieht das Projekt in seiner Stadt als ein Beispiel, um den Menschen während der Pandemie mehr Möglichkeiten zu eröffnen. Mehr Konzepte, dafür weniger allgemeine Regeln, das ist seine Devise.

In der Schlange für eine Testung steht auch Bettina Walz aus Bondorf im Kreis Böblingen. «Ich bin zum ersten Mal hier. Ich bin gekommen, weil ich dringend neue Laufschuhe brauche», erzählt sie. Das Tübinger Projekt findet sie gut. «Es wäre toll, wenn es funktioniert, auch woanders», sagt sie. Nach einem Jahr Corona seien viele Menschen ungeduldig geworden und bräuchten mehr Freiheiten.

(dpa/lsw)

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