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Inzidenzen über 50: Ortenau-Landrat verärgert über Ladenschließungen

10:52
18.03.2021
Der Einzelhandel im Ortenaukreis muss am Samstag wegen gestiegener Corona-Inzidenzwerte wieder schließen - auf Weisung des Landesgesundheitsministeriums und gegen den Widerstand vor Ort. «Ich persönlich finde das nicht richtig», sagte der Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer, am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz. «Es gäbe andere Maßnahmen, die sinnvoller wären.» Immerhin habe man mit der Öffnung zwischenzeitlich für einen «verdienten Lichtblick» gesorgt.

Im Ortenaukreis liegt der Inzidenzwert seit dem 11. März über 50. Trotzdem wurde der Einzelhandel bis zuletzt offengehalten - der Kreis argumentierte damit, dass das Infektionsgeschehen nicht diffus sei, und stützte sich dabei auf einen entsprechenden Passus der Coronaverordnung des Landes. Das Gesundheitsministerium in Stuttgart folgte dieser Argumentation laut Scherer aber nicht und verfügte, dass die Geschäfte nun doch schließen müssen. Erlaubt bleibe aber Shoppen mit Termin.

Das Gesundheitsamt könne die Kontakte nachverfolgen und habe einen guten Überblick über das Geschehen, betonte der Landrat. «Der Inzidenzwert kann nur ein Indikator sein. Man muss mehrere Faktoren betrachten.» So sei das Gesundheitssystem nicht überlastet, die Bewohner von Pflegeheimen des Kreises seien alle geimpft. Er plädiere dafür, «das man auch mal wieder zum Normalzustand zurückkehrt, was Freiheitsrechte angeht».

Rückendeckung bekam Scherer von der Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises, Evelyn Bressau. Man habe wegen der Öffnung von Kitas und Schulen mit steigenden Inzidenzen gerechnet und müsse das jetzt auch aushalten, sagte sie. Die Lage sei eine ganz andere als etwa im vergangenen Jahr: Das Durchschnittsalter der Infizierten sei viel niedriger, das Risiko schwerer Verläufe geringer, man habe höhere Testkapazitäten und verfüge über genügend FFP2-Masken.

(dpa/lsw)

Gastgewerbe: «Lage und Stimmung katastrophal»

10:21
18.03.2021
Das Gastgewerbe sieht sich angesichts des anhaltenden Lockdowns in einer katastrophalen Lage. «Wir halten keine Wochen und Monate in dieser Schockstarre mehr durch», sagte der Präsident Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Guido Zöllick, am Donnerstag in Berlin. Er forderte vom nächsten Treffen von Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise am kommenden Montag eine klare und verlässliche Perspektive, unter welchen Bedingungen Hotels und Gaststätten wieder öffnen könnten.

Außerdem müsse es Nachbesserungen bei den Corona-Hilfen geben, die nach wie vor nicht genügend bei den Firmen ankämen. «Wenn wir zwangsweise geschlossen werden, müssen wir auch entschädigt werden, in voller Höhe der Verluste.» Zöllick beschrieb Lage und Stimmung im Gastgewerbe als katastrophal. Jeder Monat Lockdown führe zu Umsatzverlusten in Höhe von durchschnittlich 75 Prozent. Rücklagen seien aufgebraucht, die Angst vor dem endgültigen Aus nehme bei vielen Firmen dramatisch zu.

Mit Blick auf die Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca sagte Zöllick, es sei nicht erklärbar, dass die Bundesregierung einerseits Urlaub im internationalen Maßstab möglich mache - ein Besuch in heimischen Biergärten aber weiterhin nicht erlaubt sei. Auch in Deutschland gebe es Regionen mit zum Teil sehr niedrigen Inzidenzwerten. Das Gastgewerbe sei kein Pandemietreiber. «Die Politik muss ihre Hausaufgaben machen. Wir erwarten ein besseres Management beim Impfen und beim Testen.» Es gehe um 222 000 Unternehmen mit mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten.

Der Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland, Otto Lindner, sagte: «Das Gastgewerbe, die Hotellerie kämpfen ums nackte Überleben.» Besonders dramatisch sei die Lage der Stadt- und Tagungshotellerie. In der ersten Märzwoche habe die Zimmerauslastung in Deutschland lediglich bei 13,5 Prozent gelegen. Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München hätten nur einstellige Auslastungszahlen.

(dpa)

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