Die bislang bekannten Informationen liefern nach Ansicht des Mediziners Tamam Bakchoul keinen konkreten Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer Corona-Impfung und einer Hirnvenen-Thrombose. «Man kann ihn aber auch nicht ausschließen. Laufende Untersuchungen könnten wichtige neue Erkenntnisse liefern», sagt Bakchoul, der das Institut für Klinische und Experimentelle Transfusionsmedizin (IKET) am Universitätsklinikum Tübingen leitet. Der Gerinnungsexperte betont, dass es nicht um die allgemeine Thrombose gehe - sondern um die sehr seltene Art einer Thrombose im Gehirn.
Eine Studie unter Covid-Intensivpatienten, die er mit einem Forschungsteam gemacht hat, ergab: Eine massive Immunantwort gegen Sars-CoV-2 mit unkontrollierter Antikörper-Bildung kann indirekt die Blutplättchen (Thrombozyten) aktivieren - und so das Thrombose-Risiko des Betroffenen erhöhen. «Wir wissen allerdings noch nicht im Detail, wogegen die gebildeten Antikörper wirken. Da sind weitere Studien notwendig», erklärt der Wissenschaftler. Ob ein ähnlicher Mechanismus wie bei den schwer erkrankten Covid-19 Patienten auch durch die Impfung ausgelöst werden kann, könne er beim derzeitigen Stand der Forschung nicht abschätzen.