Letztes Update:
20210316131420

Patientenschützer: Corona-Impfstrategie «führt zu Misstrauen»

13:13
16.03.2021
Nach der kurzfristigen Aussetzung der Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca sehen Patientenschützer Nachbesserungsbedarf bei der Kommunikation der Bundesregierung. «Vollgas, Kritik ignorieren, beschwichtigen und dann Vollbremsung. Diese simple Impfstrategie der Bundesregierung führt zu Misstrauen bei den Impfwilligen», sagte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag).

Deutschland hatte am Montag - wie mehrere andere europäische Länder auch - Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca als Vorsichtsmaßnahme vorerst gestoppt. Hintergrund waren Berichte über Thrombosen (Blutgerinnsel) der Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang mit dem Impfprozess.

«Beim Stopp des Impfens mit Astrazeneca gibt es aus Sicht des Patientenschutzes also kein Richtig oder Falsch», betonte Brysch. Es sei vielmehr die Kommunikation der Politik, die eine Vertrauenskrise schaffe. Der Patientenschützer forderte, mehr über Impfreaktionen und mögliche Nebenwirkungen der Präparate aufzuklären.

(dpa)

Experten: Aufschub der zweiten Astrazeneca-Dosis unproblematisch

13:12
16.03.2021
Menschen, die nach einer ersten Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff wegen des vorläufigen Stopps keine zweite Dosis erhalten, müssen sich nach Ansicht von Experten zunächst keine Sorgen um fehlenden Immunschutz machen. «Nach allem, was wir wissen, ist es nicht problematisch, die zweite Impfung aufzuschieben», sagte Stefan Kaufmann, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben wenig Erfahrung, was die Dauer des Impfschutzes anbelangt, weil die Studien dazu ja gerade abgeschlossen sind. Mindestens sechs Monate sollte der nach der ersten Impfung aufgebaute Schutz aber halten.»

Michael Lohoff von der Philipps Universität Marburg weist auf den hohen Schutz vor schweren Verläufen hin, der nach der ersten Impfung aufgebaut werde. «30 Tage nach der ersten Impfung haben wir einen sehr guten Schutz vor schweren Verläufen. Das ist schon mal super.» Grundsätzlich sei eine zweite Impfung allerdings besser, um das Immunsystem neu zu stimulieren.

Dass bereits die erste Astrazeneca-Impfdosis einen guten Schutz vor schweren Verläufen vermittelt, geht unter anderem aus Daten aus Schottland hervor, die im Februar vorgestellt wurden. Demnach sank das Risiko einer Krankenhauseinweisung vier Wochen nach der ersten Dosis des Impfstoffes um bis zu 94 Prozent. Verglichen wurden bei dieser Analyse Menschen mit einer Impfung und Menschen ohne Impfung.

Grundsätzlich ist es denkbar, die zweite Impfdosis mit einem anderen Impfstoff vorzunehmen, sagte Kaufmann. «Wir haben im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen wenig Erfahrung damit. Aus immunologischer Sicht spricht aber nichts dagegen.»

(dpa)

Alle externen Inhalte nachladen?
Datenschutzerklärung
nachladen