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20210312045309

Mediziner: Aussetzen von Impfungen in Dänemark kann schaden

04:51
12.03.2021
Nach Ansicht eines deutschen Mediziners kann die Entscheidung der dänischen Behörden, die Verabreichung des Astrazeneca-Impfstoffs auszusetzen, mehr schaden als nutzen. Blutgerinnsel, die vereinzelt nach der Corona-Impfung registriert wurden, kämen bei schwerkranken Covid-19-Patienten sehr häufig vor, sagte Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Jena. Durch das Aussetzen der Impfungen in Dänemark für zunächst zwei Wochen sei es sehr wahrscheinlich, dass nun mehr Menschen an Covid-19 erkranken als ohne diese Entscheidung - und etwa fünf Prozent davon sicher auch schwer. So könnten folglich auch mehr Thrombosen entstehen.

«Die Entscheidung verursacht wahrscheinlich mehr Schaden, als dass sie potenzielle Impfkomplikationen verhindert, von denen wir derzeit nicht einmal wissen, ob es überhaupt Impfkomplikationen sind», sagte Pletz. Das sei eine unangemessene Nutzen-Risiko-Abwägung gewesen.

Dänemark hatte entschieden, vorübergehend niemanden mehr mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca zu impfen. Als Grund wurden Berichte über einen Todesfall und schwere Erkrankungen durch Blutgerinnsel nach der Impfung genannt. Man könne jedoch noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Blutgerinnseln bestehe, hieß es. Norwegen und Island folgten der Entscheidung Dänemarks.

Pletz kommt wie auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA zu dem Schluss, dass die Rate der Thrombosekranken nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat dem spontanen Auftreten dieser Erkrankung in der Normalbevölkerung entspricht. Bis 10. März hat die EMA 30 Fälle von «thromboembolischen Ereignissen» bei fast fünf Millionen mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpften Menschen registriert.

Deutschland setzt die Impfungen mit diesem Präparat nicht aus. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) teilte am Donnerstagabend mit, aus seiner Sicht und nach Überzeugung der EMA überwiege der Nutzen der Impfung die bekannten Risiken.

(dpa)

Lauterbach: Corona-Impfungen erst ab Mai großflächig über Hausärzte

04:39
12.03.2021
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass die Corona-Impfungen in den Arztpraxen erst ab Mitte April langsam beginnen. «Es wird aber bis Mai dauern, bevor das in vollem Umfang in allen Ländern laufen kann», sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitag). «Erst dann werden wir genug Impfstoff haben.» Lauterbach verteidigte zugleich die spätere Einbeziehung der Hausärzte in die Corona-Impfkampagne. «Hätten wir jetzt schon die
niedergelassenen Ärzte eingebunden, hätte das zu Enttäuschungen geführt. Wenn ein Arzt am Tag gerade mal ein paar Leute impfen kann, aber 1000 bei ihm darauf warten, sorgt das nur für Ärger.»

Die Amtsärzte in Deutschland kritisieren hingegen eine mangelnde Flexibilität bei der Ausweitung der Impfungen. «In Deutschland wollen wir immer alles ganz besonders ordentlich und
gründlich machen», sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert. Das sehe man jetzt bei den Impfungen: Priorisieren, Einladen, Registrieren und Dokumentieren nähmen viel zu viel Zeit und Energie in Anspruch. «Beim Impfen stehen uns Gründlichkeit und Perfektionismus im Moment im Weg», sagte Teichert. «Wir müssen unkomplizierte Lösungen finden.» Die niedergelassenen Ärzte und die Betriebsärzte müssten schnell eingebunden werden.

(dpa)

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