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1,7 Millionen neu Impfberechtigte im Südwesten - Hausärzte starten

16:29
09.03.2021
Der Impfstoff von Astrazeneca ist nun auch für über 65-Jährigen freigegeben, zahlreiche weitere Menschen im Südwesten können ab sofort auf eine Impfung hoffen. Dass Lehrer und Polizisten in der Reihenfolge vorgezogen wurden, sorgt für Kritik.

In Baden-Württemberg können künftig sehr viel mehr Menschen als bislang auf eine Corona-Impfung hoffen. Durch die angekündigte Änderung der Impfverordnung des Bundes sind im Südwesten ab sofort rund 1,7 Millionen Menschen zusätzlich impfberechtigt, wie ein Sprecher des Sozialministeriums am Dienstag mitteilte. Grund ist die geänderte Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff, nach der nun auch Menschen über 65 Jahre damit geimpft werden dürfen.

Zu den neu Impfberechtigen gehören alle Personen ab 70 Jahren, aber auch viele Menschen mit Vorerkrankungen wie Krebs oder einer Organtransplantation sowie Hebammen, Erzieherinnen und Erzieher und Lehrkräfte ab 65 Jahren. Bei der Terminvergabe ist nach Angaben des Sprechers aber weiterhin Geduld gefragt, da der Impfstoff im März knapp sei. Es bestehe zudem keine Wahlmöglichkeit beim Impfstoff.

Zehntausende Impftermine für die Polizei

Bereits zuvor waren mit Blick auf Schulöffnungen und auf Druck von Gewerkschaften Lehrkräfte und Polizisten in der Impfreihenfolge vorgezogen worden. Die Impfverordnung des Bundes lässt solche Ausnahmen «in Einzelfällen» zu, etwa um zu verhindern, dass nicht genutzte Impfdosen weggeschmissen werden müssen. So wurden etwa bei der Polizei bis einschließlich Dienstag bereits rund 3900 Beschäftigte geimpft, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Für privat organisierte Impfungen wurden rund 700 Berechtigungsscheine ausgestellt. Für die 34 000 Angehörigen der Polizei seien bereits 18 000 Impftermine vereinbart worden. Angaben zu Impfungen von Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern konnten das Sozial- und das Kultusministerium auf Anfrage nicht machen.

Als Folge der angekündigten Impfungen für Lehrerinnen und Erzieher war es an zahlreichen Impfzentren jedoch zu Abweisungen gekommen, da sich Menschen fälschlicherweise für impfberechtigt hielten und die endgültige Prüfung dazu erst vor Ort geschieht. Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) zeigte sich am Dienstag zerknirscht darüber. Da die Impfverordnung noch nicht geändert sei, habe es hier noch Probleme gegeben. «Das war bitter», räumte der Grünen-Politiker ein. Das sei eine echte Lücke gewesen. «Das darf uns eigentlich nicht passieren.» An diesem Donnerstag stehe die Änderung im Bundesgesetzblatt.

Ein Ministeriumssprecher teilte zudem mit, jeder einzelne Fall einer Abweisung sei bedauerlich. Viele Menschen hätten online vermutlich falsche Angaben gemacht, «aber sicherlich nicht wissentlich». Die Buchung online und in den Callcentern solle nun geändert werden. Es solle zudem Hinweise geben, dass sich jeder selbst online oder bei seinem Hausarzt über seine Impfberechtigung informieren solle.

Kritik an Abweichung von Impfreihenfolge

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hat dieses Abweichen von der Impfreihenfolge kritisiert. «De facto wird in den Ländern schon lange gegen die Priorisierung verstoßen», sagte der Ulmer Virologe im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es seien schon jetzt viele geimpft worden, die nach wissenschaftlichen Kriterien der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären. Wenn nun bereits Erzieher, Lehrkräfte oder Polizisten geimpft würden, rücke man vom Ziel ab, die Schwächsten und Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe zuerst zu schützen. Ein Lockern der Priorisierung dürfe aber nicht dazu führen, dass diese benachteiligt werden.

Zugleich betonte Mertens, dass die Impfreihenfolge bislang ihre gewünschte Wirkung zeige. «Die Priorisierung mit Blick auf den Individualschutz funktioniert», sagte Mertens. Die Daten etwa aus Mecklenburg-Vorpommern zeigten, dass es bereits deutlich weniger schwere Erkrankungen und Todesfälle in der Gruppe der über 80-Jährigen gebe. Zudem stellte er klar: «Die Priorisierung war und ist nicht das eigentliche Problem, sondern der Mangel an Impfstoff.»

Minister Lucha entgegnete auf die Kritik, man wolle so weit vorankommen beim Impfen, dass eine Priorisierung bald keine Rolle mehr spiele. Ein Sprecher Luchas betonte, das Vorziehen der Lehrer und Polizisten sei in Abstimmung mit dem Bund und den Ländern geschehen. Hintergrund seien bei den Lehrkräften die erfolgten und noch zu erwartenden Öffnungen im Bildungsbereich. Oberstes Ziel sei es, die besonders gefährdeten Personengruppen zu schützen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Dienstag, bei den Impfzentren solle man ruhig bei der Priorisierung bleiben. Wenn jedoch Haus- und Fachärzte in ihren Praxen impften, könne das nur noch eine Empfehlung sein.

Erste Impfungen bei den Hausärzten

Wie das dann aussehen kann, haben die Hausärzte im Südwesten nun getestet. Am Dienstag erhielten die ersten Menschen eine Corona-Impfung in einer Praxis oder bei einem Hausbesuch. Bei dem zunächst auf sechs Wochen angelegten Pilotprojekt sollen Fragen zur Logistik und dem Ablauf der Impfungen in rund 40 teilnehmenden Praxen geklärt werden, wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) Baden-Württemberg am Dienstag in Stuttgart sagte. Geimpft werden zunächst nur Menschen über 80 Jahre. Der Testlauf soll den Übergang der Impfungen in die Regelversorgung bei den Hausärzten ermöglichen. In fast allen Stadt- und Landkreisen nehmen Praxen daran teil.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag darauf geeinigt, dass die niedergelassenen Ärzte in Deutschland ab Anfang April flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen sollen. Der Sprecher der KVBW sagte dazu, sobald genug Impfstoff zur Verfügung stehe und die Logistik geklärt sei, werde man natürlich auch umfassend bei den Hausärzten mit dem Impfen beginnen - unabhängig vom ausgegebenen Zeitplan des Pilotprojekts. Für die Impfungen bei den Hausärzten ab April soll der Impfstoff auf dem normalen Weg über Großhandel und Apotheken in die Praxen kommen. Die Impfzentren sollen vorerst bestehen bleiben. In Baden-Württemberg stellt bislang das Land die Impfstoffe in den Impfzentren zur Verfügung. Von dort muss er in die Praxen verteilt werden.

(dpa/lsw)

Russischer Impfstoff Sputnik V soll in Italien produziert werden

16:18
09.03.2021
Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V soll von Juli an an auch in Italien produziert werden. Das teilte die italienisch-russische Handelskammer am Dienstag in Rom mit. Die Firma Adienne Srl. in der Lombardei - eine Tochter des Schweizer Pharma-Unternehmens Adienne Pharma & Biotech - solle den Impfstoff herstellen. Der Handelskammer zufolge wurde eine entsprechende Vereinbarung mit dem staatlichen russischen Direktinvestitionsfonds RDIF geschlossen, der an der Sputnik-Entwicklung beteiligt ist - die erste mit einem europäischen Partner.

Den Angaben zufolge könnten bis Ende des Jahres in Norditalien zehn Millionen Dosen produziert werden. Die italienische Botschaft in Moskau sei in die Verhandlungen eingebunden gewesen. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte den Präsidenten der Handelskammer, Vincenzo Trani, mit der Aussage, dass die Produktion nicht gleichbedeutend mit der Verteilung des Impfstoffs im Land sei. Italien wende sich nicht von der EU ab. Auch andere europäische Firmen würden sich in diese Richtung bewegen.

Bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA läuft die Prüfung über die Zulassung des russischen Impfstoffs noch. Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza hatte nach einem Ansa-Bericht am Wochenende gesagt, er sei «offen für den russischen Sputnik-Impfstoff», wenn die Kontrollen der zuständigen Agenturen ein positives Ergebnis brächten.

(dpa)

Trotz Virus-Ausbreitung: Reitverband plant Weltcup-Finale

16:01
09.03.2021
Trotz des Ausbruchs einer aggressiven Herpes-Variante hält der Pferdesport-Weltverband FEI am Weltcup-Finale für Dressur und Springen am ersten April-Wochenende fest. «Unsere Absicht ist es, das Finale in Göteborg durchzuführen», sagte FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez am Dienstag in einer Video-Pressekonferenz. «Wir wissen, dass die Sportler es wollen.»

Wegen der rasanten Verbreitung des Virus hat der Weltverband FEI Anfang des Monats in Deutschland und neun weiteren Ländern alle internationalen Turniere bis zum 28. März untersagt. Schweden gehört nicht dazu. Die erste Wertungsprüfung der Springreiter in Göteborg ist laut Plan am 1. April.

Beim Final-Turnier sollen die Hygienemaßnahmen erhöht werden, sagte FEI-Veterinärdirektor Göran Akerström: «Wir werden es nicht machen, wenn es nicht sicher ist.» Die Zahl der toten Pferde nach den Herpes-Infektionen bei einem Reitturnier in Valencia ist laut FEI inzwischen auf zehn gestiegen. Nach Angaben von Teilnehmern der Turnierserie in Valencia ist die Zahl sogar noch höher.

Die Zahl der europäischen Länder mit nachgewiesenen Fällen der Virusvariante EHV-1 ist inzwischen auf sechs gestiegen. Dazu gehört neben Spanien, Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien auch Schweden.

(dpa)

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