«War ja klar», dürfte einer der populären Sätze aus dem Vokabular von Lehrern in diesen Tagen sein. Denn erneut macht die Regierung einen Rückzieher und verschiebt die Öffnung von Kitas und Grundschulen. Alles bleibt unklar. Aber die Gewerkschaften wollen planen.
Nach der erneut verschobenen Öffnung von Kitas und Grundschulen fordern Gewerkschaften Konzepte für Erziehung und Unterricht bis zu den Sommerferien. «Insgesamt wäre es für alle Beteiligten einfacher, wenn die Schulen mehr Planungssicherheit bekommen würden», sagte die stellvertretende Landesvorsitzende der
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ricarda Kaiser, im Vorfeld der GEW-Schulleitungs-Tagung in Stuttgart. Das fortwährende Erstellen neuer Stundenpläne, Hygiene- und Raumkonzepte sowie Organisationsstrukturen sei für alle anstrengend und zermürbend.
An der Online-Tagung am Freitag (8.45 Uhr) nehmen laut GEW rund 350 Schulleitungen aller Schularten aus ganz Baden-Württemberg teil. Unter anderem wird die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann erwartet. Die CDU-Politikerin und Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Landtagswahl im März steht seit Monaten in der scharfen Kritik von Eltern und Gewerkschaften.
«Wir haben in diesem Corona-Schuljahr noch 22 Schulwochen und viele ungelöste Probleme vor uns», sagte auch Kaiser. Schulleitungen seien seit März 2020 im Dauerstress.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert aus diesem Grund eine Freistellung der Schulleiter und Rektorinnen bis zu den Sommerferien. «Der Schulleiter ist zum Kommunikator geworden, er muss leiten, planen und vermitteln», sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand der dpa. «Er muss dafür sorgen, dass die Veränderungen in der Coronakrise auch akzeptiert werden, sonst ist Feuer unterm Dach.»
Der nötige Freiraum könne geschaffen werden, wenn sich der Unterricht auf die Kernbereiche der Fächer konzentriere. «Warum müssen wir in diesen Pandemiewochen den Unterrichtsumfang voll beibehalten?», fragte Brand. «Müssen es drei Stunden Sport sein oder reichen auch zwei? Kann man nicht auf Gemeinschaftskunde verzichten zugunsten von Geschichte?»
Angesichts der gänzlich unklaren Lage sollten Kitas und Grundschulen nach Überzeugung Brands bis mindestens nach den Faschingsferien komplett schließen. Auch die Regeln für die Notbetreuung müssten deutlich strenger ausgelegt werden, um Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten. «Es müssen ähnlich wie im März vergangenen Jahres die Berufe identifiziert werden, die tatsächlich systemrelevant sind», sagte er. «Und dann darf die Notbetreuung auch nur in Frage kommen, wenn beide Elternteile solche Berufe ausüben.» Schulleitungen müsse es wieder möglich sein, Notbetreuungen auch ablehnen zu können.
Die Öffnungspläne der Landesregierung waren am Mittwoch durch das Auftreten einer Virusmutation in einer Kita in Freiburg durcheinandergewirbelt worden. Die grün-schwarze Koalition hatte daraufhin auf eine frühere Öffnung von Kitas und Grundschulen verzichtet. Der Corona-Lockdown soll nun auch in Kitas und Schulen bis zum 14. Februar fortgesetzt werden. Die meisten Schulen bleiben also noch mindestens bis nach den Fasnachtsferien zu - also bis zum 21. Februar. Es gibt aber weiter Notbetreuung und Ausnahmen für Abschlussklassen.
Eisenmann hatte kurz vorher noch gewarnt, «vorschnelle Konsequenzen» aus dem Freiburger Fall zu ziehen. Für sie ist die erneute Verschiebung ein Rückschlag, der auch die Gewerkschaften in ihrer Kritik bestärken dürfte. Die CDU-Ministerin wollte Kitas und Grundschulen im Sinne der Kinder eigentlich schon nach den Weihnachtsferien öffnen - «unabhängig von den Inzidenzen». Danach hatte sie massiv auf eine Öffnung zum 1. Februar gedrungen.
Bei dem Ausbruch in der Kita hätten sich mindestens 18 Kinder und Erzieherinnen und Erziehern mit der neuen Coronavariante angesteckt, wie das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald in Freiburg mitteilte. Vor Baden-Württemberg hatte schon Rheinland-Pfalz wegen der Mutation in der Freiburger Kita entschieden, den ebenfalls für Montag geplanten Start in den Wechselunterricht an Grundschulen zu verschieben.